Meine Lektüre: Oktober bis Dezember 2014 (1/2)

Kurzkritiken zu fünf der zehn Bücher, die ich in den letzten drei Monaten gelesen habe. Die anderen fünf folgen noch.

Jean-Luc Bannalec – Bretonisches Gold

Die ersten beiden Fälle von Kommisar Dupin habe ich sehr gerne gelesen, bei diesem hier war aber irgendwie die Luft raus. Bretonische Atmosphäre allein reicht auf Dauer nicht. Mir ist auch zum ersten Mal der schwache Stil des Autors aufgefallen, der alle Personen in der exakt gleichen Satzstruktur reden lässt. Die Lektüre ist jetzt schon zu lagen her und ich habe das Buch nicht mehr zu Hand, deswegen kann ich jetzt kein Beispiel bringen, aber auch ansonsten hätte das Buch in sprachlicher Hinsicht nochmal ein ordentliches Lektorat gebraucht. Der Kriminalfall an sich ist auch nicht gerade spektakulär. Für mich eine Enttäuschung, obwohl ich die Thematik mit der Salzgewinnung eigentlich ganz interessant finde. Der Roman beginnt mit einer spannenden Szene, verliert sich dann aber leider in nervigen Belanglosigkeiten um Revierstreitigkeiten und Eitelkeiten.

Corry Doctorow – Pirate Cinema

Nicht unbedingt spannender aber durchaus interessanter Roman über einen jugendlichen Ausreißer, dessen Hobby Filme aus bereits vorhandenen Filmschnipseln zusammenzuschneiden seiner Familie zum Verhängnis wird, woraufhin er nach London ausreißt und mit anderen jugendlichen Obdachlosen ein Haus besetzt, einen Untergrund Filmclub startet und als Aktivist gegen übertrieben harte Internetgesetzte vorgeht. Doctorow versteht es wirklich, ein authentisches Gefühl für Jugendkultur zu vermitteln. Ich habe den Roman mit großem Vergnügen gelesen, auch wenn er emotional nicht so mitreißend ist, wie Little Brother und For the Win.
Stephen Baxter – Die letzte Arche

Nach interstellar hatte ich richtig los auf Pionier-SF im Weltraum. Und diese Fortsetzung von Die Flut passt mit ihrem Generationenraumschiff, das eine überflutete Erde verlässt und einen neuen Planeten besiedeln sol,l genau ins Schema. Ähnlich wie den Pionieren an der amerikanischen Frontier ergeht es auch den jungen Astronauten, die über Jahrzehnte in beengten Verhältnissen eingesperrt sind und ein wenig luxuriöses Leben führen. Hart und entbehrungsreich trifft es eher. Die Mission ist kein Zuckerschlecken, kein großes Abenteuer, macht aber trotzdem Spaß und ist enorm spannend. Ich habe dieses über 700 Seiten lange Buch innerhalb von vier Tagen verschlungen.

John Grisham – Die Erbin

Weder Krimi noch Thriller und auch nicht wirklich ein Drama. Es geht einfach um eine Erbschaftsangelegenheit, die vor Gericht verhandelt wird. Was die ganze Sache brisant macht, ist die Tatsache, dass die Erbin die schwarze, gutaussehende Haushälterin des alten, totkranken und stinkreichen weißen Unternehmers ist, der sich umgebracht hat und kurz davor per handschriftlichem Testament ein altes ausführliches Testament für ungültig erklärt und seine Kinder enterbt hat. Ach ja, die Geschichte spielt im Jahr 1988 in den Südstaaten der USA und der anwaltliche Nachlassverwalter ist die Hauptfigur aus Grisham Welterfolg Die Jury. Doch trotz der fehlenden Spannung und der reduzierten Dramatik hat mir das Buch, das hier und da doch überraschende Wendungen aufweisen kann, gut gefallen.

Nala Martin – Safeword

Über eine Domina, die sich nach verlorener Wette einem Kunden unterwirft und dadurch ihr ganzes Leben und Weltbild durcheinanderbringt. Mir wird es auf ewig ein Rätsel bleiben, warum sich Frauen von Männern freiwillig so mies behandeln lassen (damit meine ich jetzt nicht SM). Darüber habe ich mich während der Lektüre sehr geärgert. Aber vermutlich ist doch ein sehr realistisches (in diesem Falle) Suchtverhalten. Da die Autorin selbst als Domina arbeitet und der Roman autobiografische Züge enthält, wirkt er sehr authentisch. Die SM-Szenen wirken aufgrund ihrer teilweise sehr plumpen und brutalen Art meist wenig erotisch, was am Thema SM interessierte Leserinnen eher abschrecken könnte. Vom Stil her ist mir das Buch etwas zu deskriptiv geraten. Es werden fast nur die Begegnungen mit dem Mann beschrieben. Darauf, wie sich diese obsessive Beziehung auf das Verhältnis zu ihrer Tochter und ihrem Mann auswirkt, wird überhaupt nicht eingegangen. Dadurch wirkt die ganze Geschichte etwas unrund, bietet aber trotzdem einen interessanten Blick in eine etwas andere Beziehungswelt.

Ein Gedanke zu “Meine Lektüre: Oktober bis Dezember 2014 (1/2)

  1. Zu „Safeword“ kann ich dir garantieren, dass keine geistig gesunde SMerin sich auf eine solche Geschichte einlassen würde. Ich habe das Buch letztes Jahr gelesen und kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich darüber geärgert habe, dass eine selbst dieser Sexualität angehörende und mit der Thematik vertraute Autorin (was sie von der „Shades of grey“-Tante unterscheidet, die hat einfach keine Ahnung) so einen dämlichen, sachlich falschen und frauenfeindlichen Schmarrn auf die Menschheit los lässt.

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