Buchempfehlung: „Der Palast des Poseidon“ von Thomas Thiemeyer

Reihe: Die Chroniken der Weltensucher 2

Rezension von Knut Knudson 1

 

8104003475

Rezension:

Von Humboldt, dieser Tausendsassa. Auch in seinem neuesten Abenteuer wird er seinem ehrenvollen Namen gerecht. In den unergründlichen und geheimnisvollen Tiefen des Meeres beweist er einmal mehr, dass er in der Welt der Forscher und Entdecker ein einmaliges Ausnahmetalent ist. Auch wenn solch ungnädige Spötter wie, dieser Neidhammel Wilibert Tucholsky 2, versuchen Humboldts Leistungen in den Dreck zu ziehen. Aber mir war bereits nach Humboldts erstem Abenteuer in der Stadt der Regenfresser klar, dass wir es hier mit einem wahren Pionier zu tun haben.

Dass in letzter Zeit, zahlreiche Schiffe im Mittelmeer, vor den Küsten Griechenlands, verschwunden oder gar gesunken sind, ist unbestritten. Über die Ursache wird allerdings heftigst spekuliert. Von einem riesigen Seeungeheuer, das sogar Leuchttürme nachahmen könne, wird geredet. Wer wäre da besser geeignet, dieses Mysterium aufzuklären als Carl Friedrich von Humboldt mit seinem Team. Dazu gehören, der wieselflinke und gerissene ehemalige Straßenjunge Oscar, die bezaubernde und sprachbegabte Nichte Charlotte, die mysteriöse haitianische Zauberin Eliza und der bisher unterschätzte Kiwi Wilma. Doch schon, bevor sie überhaupt im Mittelmeer ankommen, müssen sie sich bereits mit einem gefährlichen Attentäter herumschlagen, der unter allen Umständen versucht sie aufzuhalten. Er folgt ihnen nach Athen, liefert sich mit ihnen eine spektakuläre Verfolgungsjagd durch Paris und ist am Ende hartnäckiger als die Freunde vermuten. Nach diesen kurzen Stationen in Athen und Paris, wo sie den berühmten Nicola Tesla kennen lernen, geht es auf die hohe See. Mit einem Tauchboot wollen sie das Rätsel des Seeungeheuers lösen.

Was für eine phantastisches Abenteuer die Freunde um den exzentrischen Forscher da erleben. Ein großes Lob gilt es auch, dem Chronisten Thomas Thiemeyer auszusprechen. Er hat es wieder geschafft, diese spannenden Erlebnisse in einer klaren, einfachen und flüssigen Sprache festzuhalten, ohne dass, die wissenschaftlichen Erklärungen den jungen Leser langweilen würden. Im Gegenteil, er schafft es, Neugierde zu wecken sowie Forscherdrang und Abenteuerlust zu entfachen.

Zu Beginn liefert er wieder einen Einblick in unser wunderschönes Berlin und einige seiner zwielichtigeren Gestalten. Aber schon kurz darauf geht es los. Das Abenteuer ist dieses Mal noch rasanter geworden. Statt einer ruhigen Vorbereitung auf die Expedition gibt es atemberaubende Verfolgungsjagden, unter anderem mit einem dieser stinkenden neuen Automobile (nicht, dass Pferde viel besser riechen würden).

Die Geschichte ist insgesamt auch etwas härter und düsterer geraten. Da mag es den einen oder anderen Leser durchaus gruseln. Aber insgesamt ist sie wieder ein Plädoyer für den Forscherdrang und zeigt uns auf, welche Wunder es vor der eigenen Haustür noch zu entdecken gibt. Dabei liefert Thiemeyer aber auch einen kritischen Blick auf die Risiken des (technischen) Fortschritts. Seine technischen Visionen gehen noch über die eines Jules Verne hinaus. Was er uns hier präsentiert, könnte man sich sonst nur in der entferntesten Zukunft vorstellen. Abenteuer, Mystik, Zukunft und der Grund des Meeres, das sind Stichworte die jedes Entdeckerherz höher schlagen lassen und diese Geschichte bietet von allem reichlich. Weiter so.

Die Chroniken der Weltensucher bieten altmodische Abenteuergeschichten mit moderneren Elementen. Abenteuer für Neugierige, Forscher und Entdecker, warten hier ebenso auf den Leser, wie sympathische junge Figuren, mit denen man sich identifizieren kann. Ja, ich selbst habe mich zum ersten Mal in meinem Leben mit einem Kiwi identifiziert. Knut jetzt hunger. Schluss.
1 Ist der erklärte Intimfeind und Widersacher von Wilibert Tucholsky. Wir vermuten aber, dass es sich bei ihm ebenfalls um den Nebelwerfer Markus Mäurer handelt (Anmerkung der Redaktion).

2 Siehe Rezension Die Stadt der Regenfresser

 

Noch einmal Resteverwertung. Da sich die Arbeiten an meinen beiden letzten Übersetzungen des Jahres dem Ende zuneigen, wird es hier demnächst wieder ausführlichere neue Beiträge geben.

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