Buchempfehlung: „Die Stadt der Regenfresser“ von Thomas Thiemeyer

Reihe: Die Chroniken der Weltensucher 1

Rezension von Wilibert Tucholsky 1

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Rezension:

Von Humboldt schimpft er sich, der Halunke. Das muss man sich mal vorstellen, da kommt so ein Möchtegern-Forscher daher und behauptet ein unehelicher Neffe des großen Wilhelm von Humboldt zu sein. Nicht auszumalen, was dies bedeuten würde. Ein Strauchdieb als Sohn des berühmten Forschers Alexander von Humboldt. Dieses Universalgenie, das sich anschickte, die Ganzheit unserer Welt in seinem Werk Kosmos zu beschreiben. Der, dessen Name, nach seinen berühmten Forschungsreisen, immer noch hochangesehen in Lateinamerika ist. Und dieser Carl Friedrich Donhauser, wie er richtig heißt, benutzt den großen Namen für seine zweifelhaften Ziele. Seinen unlauteren Charakter zeigt er schon dadurch, dass er seine minderjährige Nichte Charlotte mit in seine Kalamitäten zieht. Und dieses restliche Gesindel, mit dem er sich umgibt: Oskar – ein Straßenjunge und Dieb. Aber die Krönung dieses Absurditätenkabinetts ist diese dunkle Hexe aus Haiti. Wer weiß, was für heidnischen Zauber sie hier in Berlin veranstaltet.

Die Lügenmärchen dieses Humboldts könne sich allemal mit denen des Barons Münchausen messen. Ein amerikanischer Fotograf (die Nationalität sagt ja schon alles) soll verschwunden sein; in den peruanischen Anden. Nur eine mysteriöse Fotoplatte soll von seinem Verbleib künden. Ganz Merkwürdiges soll darauf zu entdecken sein. Ein Volk, das in den Wolken lebt und durch die Lüfte schwebt. Ha, womöglich hat ja der Fliegende Holländer dort eine neue Heimat gefunden. Aber Humboldt und seine Gesellen sollen nicht die Einzigen sein, die sich auf die Suche nach diesem Luftschloss begeben haben. Eine durch und durch zweifelhafte Person – ein rothaarige! Kampfamazone, die angeblich noch eine Rechnung mit unserem wagemutigen Helden offen hat, hat sich an dessen Fersen geheftet.

Zumindest wird dieser ganze Schmarrn ganz unterhaltsam präsentiert. Wenn auch von einem Schwaben. Als gebe es davon nicht schon genug in Berlin. Jetzt muss auch noch einer über unsere schöne Metropole schreiben. Aber dieser Thiemeyer versteht wenigstens sein Handwerk. Würde mich aber nicht wundern, wenn er demnächst noch behauptet, mit dem berühmten Grafiker verwandt zu sein. Dieser Thiemeyer hat ja schon ganz andere Abenteuer niedergeschrieben; Medusa oder Magma z. B.. Aber das war eher für ein erwachsenes Publikum. Die Lügenmärchen über den Weltensucher von Humboldt sind für jüngere Leser geeignet. Für solche, die sich noch einen Bären aufbinden lassen; für Tagträumer und Alltagsabenteuerer. Für Solche, die glauben, dass es auf unserer Welt noch etwas zu entdecken gibt. Solche Freigeister werden großen Gefallen an dieser Geschichte finden, in der es fliegende Schiffe, riesige Insekten, Wunderübersetzungsmaschinen und noch mehr von diesem Unfug gibt.

Zu Beginn gelingt es Thiemeyer auch, ein recht ansehnliches Bild von unserem wunderschönen Berlin zu zeichnen. Leider geht es viel zu schnell in die Wildnis. Auch wenn seine Beschreibungen Südamerikas nicht an die von Alexander von Humboldt heranreichen, schafft er es doch, den jungen Leser in ein exotisches Umfeld zu versetzen, das viel Raum für Tagträumereien bietet.

Zum Glück hat sich der Verlag nicht dieser modernen Unsitte angeschlossen, auf ein Lesebändchen zu verzichten und auch die Covergestaltung ist recht ansprechend und weckt Lust auf Abenteuer.

Letzteres gibt es in diesem rasanten Lügenmärchen zuhauf. Auch wenn alles erstunken und erlogen ist, so werden doch jugendliche Freigeister begeistert sein, von diesem phantastischen Abenteuer, das an exotischen Schauplätzen spielt und Hauptfiguren bietet, die wohl auch mal als jugendliche Freigeister angefangen haben. An diesem Abenteuer kann man sehen, wozu solch Lektüre unsere Jugend verführt. Statt eine anständige kaufmännische Lehre zu absolvieren, werden aus ihnen Abenteurer und Entdecker. Kein Wunder, dass das Ende des Abendlandes kurz bevor steht.

1 Der Rezensent behauptet eine uneheliche Inkarnation von Kurt Tucholsky zu sein, aber in Wirklichkeit heiß er Markus Mäurer (Anmerkung der Redaktion)

P.S. Ist mal wieder Resteverwertung. Aber vielleicht schaffe ich morgen ein paar phantastische Netzstreifzüge. Links haben sich inzwischen mehr als genug angesammelt

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