Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 30

Mobbing und Rezensionen – Da ich nur in deutschsprachigen Foren unterwegs bin, bekomme ich aus der amerikanischen SFF-Szene (Science Fiction and Fantasy) nicht so viel mit. Deshalb schätze ich es sehr, wenn Murilegus Rex auf seinem Blog Lake Hermannstadt über die neuesten Entwicklungen berichtet. Leider geht es mal wieder um eine sehr unschöne Angelegenheit. Es hat sich herausgestellt, dass es sich bei der hochgelobten Nachwuchsautorin Benjanun Sriduangkaew um dieselbe Person handelt, die hinter dem Rezensionblog Requires Hate steckt, wo sie oft Gift und Galle weit unter der Gürtellinie gegen Autorinnen und Leser spuckt, und das sie bereits seit zehn Jahren unter verschiedenen Namen in Foren, Communities usw. Menschen aufs übelste mobbt, bedroht und beschimpft. Eine ganz üble Geschichte, die jetzt von einigen Akteurinnen der Szene aufgearbeitet wird. Wer wirklich hinter dieser hasserfüllten Person steckt, ist bis heute nicht bekannt. Ich kannte zwar den Blog Requires Hate, aber ansonsten ist die Sache bisher völlig an mir vorübergegangen, und ich bin doch schockiert über das gewaltige Ausmaß.

Ist die Zeit der Fantasy vorbei? Hat das Taschenbuch eine Zukunft? – Diese Fragen hat Phantastik-News.de hat den Machern der großen Phantastikverlage gestellt. Mit teils kuriosen Antworten:

George R.R. Martin schreibt noch an seinem nächsten Roman. Sobald der bei Penhaligon erscheinen wird, ist ein neuer Höhenflug der Fantasy vorprogrammiert.

Schreibt z. B. Holger Kappel von Blanvalet.
Insgesamt äußern sich alle eher positiv, aber was sollen sie auch sonst in der Öffentlichkeit sagen. Was ich so aus der Branche unter vorgehaltener Hand mitbekomme, hört sich da schon deutlich pessimistischer an. Ich habe dazu einen Diskussionsthread im Forum der Bibliotheka Phanastika gestartet, aber das Thema scheint nicht sehr brisant zu sein, oder die Leute sind es müde, über den ewigen Untergang des Abendlandes zu diskutieren. Diejenige, die sich äußern, sehen es anders als ich, und haben den Eindruck, als wären die Regale in den Buchhandlungen so voll wie noch nie mit Fantasy. Sehen aber alle auch eine mangelnde Vielfalt, was originelle Fantasy angeht.
Ich bin jedenfalls gespannt, was sich 2015 in der Fantasy und der Science Fiction in Deutschland tun wird, denn es soll Bewegung in den etwas eingerosteten Buchmarkt kommen (wozu ich aber noch nicht mehr schreiben kann). Ich hoffe, dass die aktuelle Flaute nur vorübergehend ist, und der nächste Besteller, der einen neuen Trend auslösen könnte, bald kommt. Wenn es wohl auch nicht der neue Martin sein wird.

The Worst of All Possible Universes and the Best of All Possible Earths: Three Body and Chinese Science Fiction – In der Übersetzung von Ken Lui ist jetzt erstmals ein chinesischer Science-Fiction-Roman auf Englisch erschienen. Eine tolle Sache, das chinesische Kino ist ja unter anderem für seine Fantasystoffe im Wuxia-Bereich bekannt. Aber SF findet dort so gut wie gar nicht statt, da die SF aus politischen Gründen keinen guten Ruf in China hat. Ich finde es immer faszinierend, SF aus einer anderen Sprache (in Übersetzung) lesen zu können, als dem alles dominierenden englischen Sprach- und Kulturraum. Besagt Buch heißt The Three-Body Problem und stammt von Cixin Liu, der sich in dem hier verlinkten Artikel zur chinesischen SF äußert. Das Buch steht auf meiner Leseliste jetzt ganz weit oben. Sollte je ein deutscher Verlag dieses Buch kaufen, hoffe ich sehr, dass man es aus dem Chinesischen übersetzen lässt und nicht die Übersetzung einer Übersetzung anfertigt, wie Heyne es zuletzt beim aktuellen Buch des japanischen Autor Koji Suzuki gemacht hat.

Hayao Miyazaki: Governors Award Recipient Says ‘I Intend to Work Until the Day I Die’ – Variety hat ein sehr interessantes Interview mit dem japanischen Kinomagier Hayao Miyazaki geführt, der zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren gehört. Aus dem Spielfilmgeschäft hat er sich inzwischen leider zurückgezogen, aber auch in seiner Rente, ist er immer noch hochaktiv und kreativ.

„Schwierigkeiten ist das falsche Wort, als Unternehmer und Verleger kennt man nur Herausforderungen.“ – SteglitzMind stellt Karlheinz Schlögl vom Golkonda-Verlag vor – auf dem Blog SteglitzMind liefert Verlagsmitbesitzer Karlheinz Schögl interessante Einblicke in die Arbeit des Golkonda Verlags.

Utopiales 2014 : Rencontre Avec Michael Moorcock – von Michael Moorcock hat man in den letzten Jahren (leider) nicht mehr viel gehört. Es ist schon über 10 Jahre her, dass von ihm etwas in Deutschland veröffentlicht wurde. Und das meiste davon waren auch Neuauflagen seiner Romane um den Ewigen Helden. Es wird übrigens höchste Zeit, dass Elric, Corum und Co. eine deutsche Neuausgabe erhalten. Ich weiß, dass einige deutsche Kleinverlage daran interessiert sind (bzw. waren), die Lizenzgebühren dafür, aber deren Möglichkeiten übersteigen. Neben der Midkemia-Saga von Raymond Feist war der Sammelband mit den sechs Romanen um Elric von Melnibone für mich als Jugendlicher der prägende Einstieg in die Fantasy – noch vor Herr der Ringe.

Moorcock ist inzwischen 74 Jahre alt und soll schon seit längerer Zeit gesundheitliche Probleme haben. Was erklären könnte, warum auch im englischsprachigen Raum, nicht viel Neues von ihm in den letzten 10 Jahren erschienen ist. Zuletzt 2010 ein Doctor-Who-Roman. Das er aber durchaus noch lebendig und aktiv ist, zeigt dieses Interview, das er auf der Utopiales in Frankreich gegen hat.

Das Schreiben seltsamer Geschichten | H.P. Lovecraft sagt, wie’s geht – Fantasyautorin E.L. Greif (Die zwölf Wasser) ist es leid, sich dafür rechtfertigen zu müssen, dass sie in einem solchen „Schmuddelgenre“ schreibt. Als Universalantwort für all die literarischen Snobs hat sie einen Essay von H.P. Lovecraft übersetzt und ihrer Lage angepasst. Interessante Lektüre.

 

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