Kurzkritiken: Meine Lektüre der letzten Monate (2/2)

Frank Miller – Die Rückkehr des dunklen Ritters

Gilt neben Watchmen als der Meilenstein des Superheldencomics der 80er Jahre und als Wendepunkt. Ein alternder Bruce Wayne zieht noch einmal das Cape über, um die Welt oder zumindest Gotham zu retten (die Welt übernimmt der Mann im blauen Strampelanzug). Der Comic ist ein Abgesang auf die strahlenden Superhelden, die immer alles richtig machen und stets im Recht sind. Um das Ganze auf der Metha-Ebene zu diskutieren, werden immer wieder lange (manchmal zu lange) Blöcke mit TV-Berichterstattung eingeblendet, die Batmans Handeln aus verschiedenen Perspektiven diskutieren. Die Rückkehr des dunklen Ritters ist ein sehr guter Comic, aber vor allem im historischen Kontext; für mich ist er nicht so gut gealtert wie Watchmen. Vermutlich hätte ich ihn schon zwei Jahrzehnte früher lesen müssen, um restlos begeistert zu sein.
Den Band habe ich übrigens von molosovsky im Zuge der Entmillerfizierung seiner Comicsammlung erhalten. Zu den Zeichnungen kann ich nichts sagen, da kenne ich mich nicht mit aus.

Douglas Preston u. Lincoln Child – Mission – Spiel auf Zeit

Preston/Child lese ich eigentlich ganz gerne, auch wenn die Pendergast-Reihe mit jedem Band etwas schwächer geworden ist. Aber Mission ist der absolute Tiefpunkt, ein vollständig aus dem Baukasten zusammengestückeltes und schlecht geschriebenes 08/15 Klischeewerk, bei dem ich mich frage, ob hier wirklich die Autoren selbst dran gesessen haben, oder nur ihre Namen zur Verfügung stellten, während ein Ghostwriter oder Computer das Teil verfasst hat. Auf den Inhalt gehe ich gar nicht erst ein, aber die Frühwerke von Clive Cussler um Supermann Dirk Pitt lesen sich auch nicht schlimmer. Aus der neuen Reihe um Gideon Crew werde ich jedenfalls nichts mehr lesen.

Stephen King – Mr. Mercedes

Unter den letzten Büchern von King, ist dieser Thriller um einen pensionierten Cop, der versucht seinen schlimmsten ungelösten Fall auf eigene Faust zu lösen, das schwächste. Aber damit ist es immer noch ein guter Thriller. Wobei Thriller schon übertrieben ist, da der (nennen wir es lieber) Krimi ein sehr gemächliches Tempo vorlegt. Weder die Geschichte um den Massenmörder, der mit einem Mercedes absichtlich in eine Menschenmenge fährt, noch der frustrierte pensionierte Cop, der jeden Nachmittag vor dem Fernseher hockt und mit seiner Waffe spielt, sind wirklich originell. Auch deren Hintergrundgeschichte nicht. Trotzdem schafft King es, sie lebhaft und glaubhaft zu schildern. Das Buch, das dem Krimiautor James M. Cain (der den Postmann zweimal klingeln lies) gewidmet ist, will aber auch gar nicht mehr sein, als eine Hommage an die Ermittler der alten Schule.

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John Niven – Straight White Male

Die Hauptfigur, ein erfolgreicher Schriftsteller und Drehbuchautor, der gerne viel trinkt und zu keiner Frau Nein sagen kann und plötzlich an einer Uni unterrichten solle (Staffel 3), erinnert schon ein wenig an den aus der Serie Californication bekannten Hank Moodey, auch wenn ihm ein wenig dessen Charme abgeht und seine Vorliebe für Luxus Hank befremden würde. Das Buch beginnt als zynische und derbe Abrechnung mit Hollywood und der ganzen Szene in L.A. entwickelt sich aber zu einem tiefgründigen Psychogramm eines Mannes, der feststellt, dass er den besten Teil seines Lebens verpasst hat. Niven ist dabei ein extrem unterhaltsamer Autor, bei dem jede einzelne Seite Spaß macht, der nie langweilt und durchgehend eine mitreißende Dynamik in seiner Schreibe besitzt. Ein Autor, von dem ich mit Sicherheit noch mehr lesen werde.

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