Kurzkritiken: Meine Lektüre der letzten Monate (1/2)

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Joe R. Lansdale – Gauklersommer

Journalist und Kriegsverteran kehrt in seine Heimatstadt zurück, versucht einige Morde aufzuklären und gerät dabei an sehr böse Menschen. Die Kleinstadt ist Camp Rapture. der Reporter ein Nachfahre des resoluten weiblichen Sheriffs aus Kahlschlag. Der Roman selbst gehört zu den eher schwächeren Werken Lansdales. Zumindest hat er mich nicht so gepackt wie Kahlschlag und Ein feiner dunkler Riss. Schlecht ist es aber auch nicht, vor allem die Figuren überzeugen, allen voran der sozioapathische Freund des Reporters, mit dem die Bösewichte einen nicht weniger zimperlichen Feind haben. Für eine solche investigative Geschichte hat mir aber ein wenig die Spannung gefehlt.

Nick Dybek – Der Himmel über Greene Harbor
Coming-of-Age-Roman über einen den 14-jährigen Cal, der in einer rauen Hafenstadt, die vom „Deadliest Catch“ (der Krabbenfischerei) lebt, ein düsteres Geheimnis entdeckt, das ihn vor ein schweres moralisches Dilemma stellt und die Beziehung zu seinem Vater für immer verändert. Vor allem der erste Teil des Romans überzeugt durch seine sprachliche Wucht und die feinfühlige Darstellung des jugendlichen Lebens in einem Fischerstädtchen, in einer nicht ganz intakten Familie. Mit der Wendung hin zum kammerspielartigen Krimi verliert der Roman etwas an Atmosphäre, gewinnt dafür aber an Kraft. Der hintersinnige Originaltitel Captain Flint was Still a Good Man, die auf den Kapitän aus Stevensons Schatzinsel anspielt, passt viel besser zum Buch, als der kitschige deutsche Titel, der eher auf einen Roman im Stil von Nicholas Sparks vermuten lässt. Was zum Glück nicht der Fall ist. Klare Leseempehlung! In Taschenbuchausgabe von Heyne wird an keiner Stelle der Übersetzer erwähnt. Deshalb sei es hier erwähnt: Der Himmel über Greene Harbor wurde von Frank Fingerhut übersetzt!

Max Gladstone – Two Serpents Rise
Ausführliche Besprechung folgt noch. Nur soviel: Im zweiten Band der Craft-Sequenz steigert sich Gladstone sprachlich deutlich und kommt souveräner rüber. Dafür ist die Geschichte geradliniger und weniger komplex angelegt, als in Three Parts Dead. Eine Reihe, für alle, die gerne etwas ungewöhnlichere und originellere Fantasy lesen möchten. Der Mix aus moderner großstädtischer Gesellschaft und magiedurchdrungener Fantasymythologie überzeugt auf der ganzen Linie.

Danny Wallace – Auf den ersten Blick
Cover und Titel der deutschen Ausgabe zielen auf LeserInnen ab, die Zwei an einem Tag von David Nicholls gelesen haben. Da gehöre ich zwar auch zu, aber im Gegensatz zu mir, der literarisch sehr flexibel ist, könnten viele davon enttäuscht sein, dass sie hier statt einer romantischen Liebesgeschichte eine klassische Slackerkomödie bekommen. Mir hat das Buch trotzdem ganz gut gefallen. Es ist jetzt nicht der Brüller, aber hat durchaus seine witzigen Momente.

Ein Gedanke zu “Kurzkritiken: Meine Lektüre der letzten Monate (1/2)

  1. „Kahlschlag“ und der „Riss“ haben mir auch besser gefallen, aber „Gauklersommer“ fand ich immer noch ziemlich gut. Lansdale hält ein hohes Niveau, ein unglaublich hohes, scheint mir nach den beiden neuesten Romanen bei Tropen (die Hannes übersetzt hat – und die Übersetzung spielt natürlich auch eine wichtige Rolle 😉 ).

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