Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 29

Zwei kurze Netzstreifzüge für zwischendurch.

Bitte einmal deutlich röcheln – Ich schaue mir amerikanische TV-Serien nur noch im Original an, aber es gibt noch immer viele Zuschauerinnen, die lieber auf eine deutsche Fassung zurückgreifen. Gleichzeitig wollen sie die aktuellen Serien auch möglichst schnell und zeitnah zur US-Ausstrahlung haben. Nicht nur, weil man alles gerne möglichst sofort haben will, sondern auch, um im globalisierten Internet mit sozialen Netzwerken, in denen man täglich mit Freunden und Bekannten aus der ganzen Welt kommuniziert, nicht gespoilert zu werden, während man sechs Monate auf die deutsche Fassung wartet. Das war früher ungefähr der Zeitraum, den ein Synchronisationsstudio für die Synchronisation einer Serienstaffel zur Verfügung hatte. Wie der Artikel von Niklas Hofmann auf Sueddeutsche.de zeigt, hat sich das Zeitfenster ein klein wenig verkürzt. Und zusätzlich muss man sich noch mit teils abstrusen Bedingungen der amerikanischen Vorlagenlieferanten rumschlagen. Die Rohübersetzung des Dialogskripts muss in unfassbar kurzer Zeit abgeliefert werden und manche Folge ist erst wenige Stunden vor der Ausstrahlung fertig.

Ich übersetze ja auch Produktionskripte für Fernsehen, bisher allerdings nur im Dokumentarbereich. Auch da sind die Abgabefristen teilweise sehr knapp, was der Übersetzung nicht immer gut tut. Für eine Doku von 45 Minuten brauche ich in der Regel zwei Tage. Ein dritter Tag wäre noch sehr gut, um die Übersetzung nochmal in Ruhe durchzugehen, um den Text mehr vom Original zu lösen. Etwas, das dann später ein Redakteur macht. Aber wenn ich mehr Zeit habe, hat die Redaktion nachher auch weniger Arbeit. Ich denke, das Skript von einer Folge von The Walking Dead ist durchaus an einem Tag zu schaffen – vor allem wenn die Folge zombielastig ist. Bei einer Folge von Law and Order oder Boston Legal sieht die Sache schon anders aus. Wie auch immer, wer eine zeitnahe Ausstrahlung in deutscher Fassung fordert, weiß nach Lektüre dieses Artikels, welchen Preis er dafür zahlen muss. Dem Erfolg von The Walking Dead scheint das in Deutschland aber keinen Abbruch zu tun. Wenn man die Originalfassung nicht kennt, merkt man oft auch nicht, wie wenig bestimmte Stimmen zu den Figuren passen, oder ob da etwas hastig runterübersetzt wurde.

Und natürlich erhalten die Übersetzerinnen und die anderen Beteiligten für den gestiegenen Zeitdruck und Arbeitsstress einen ganz besonderen Bonus: die Honorare in diesem Bereich sinken nämlich schon seit Jahren kontinuierlich bis ins Unverschämte. Trotzdem würde ich (als Serienjunkie) gerne mal eine TV-Serie übersetzen.

AKIRA – Review – Anlässlich des Erscheinens auf Blu-ray hat Animario auf Serienjunkies.de diesen Animeklassiker neu besprochen. Für mich war das Anfang der 90er der erste Anime, den ich bewusst (als Anime) gesehen habe (ausgeliehen in der örtlichen Videothek). Und er hat mich so richtig vom Hocker gehauen und dafür gesorgt, dass ich bis heute furchtbar gerne japanische Zeichentrickfilme sehe. Anfang/Mitte der 90er Jahre waren die noch gar nicht so einfach zu bekommen, da der Anime-Boom erst etwas später einsetzen sollte. Damals haben wir noch in der Schule heimlich während des Unterrichts den Printkatalog der A.C.O.G rumgehen lassen, um am Ende eine Sammelbestellung aufzugeben (ähnlich wie das mancher auch von T-Shirtbestellungen aus dem EMP-Katalog oder Horrorfilmbestellungen bei Incedible Strange Video kennt). So konnte man sich auch absprechen, wer was kauft, damit am Ende eine möglichst große Bandbreite an zu schauenden Filmen hatte.

Akira ist übrigens zu Recht nicht nur ein Animeklassiker, sondern auch ein SF-Klassiker, der bis heute (zu Zeiten des Unglücks von Fukushima) aktuell wirkt. Ich besitze übrigens auch den großartigen Soundtrack auf CD, der maßgeblich zu der dichten, düsteren Atmosphäre einer leicht verkommen, autoritär-anarchistischen Zukunft beiträgt.

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