Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 28

DEN KÖNIG SPIELEN IMMER DIE ANDEREN | Der Deutsche Phantastik Preis 2014 – Am Samstag war Bucon (ein klitzekleiner Conbericht von mir folgt noch) und dort wurde wie jedes Jahr seit Anbeginn der Zeit der Deutsche Phantastik Preis verliehen. Wie auch in den letzten Jahren wurde die Verleihung von Hermann Ritter und Mike Hillenbrand moderiert. Die Fantasyautorin E. L. Greiff (Zwölf Wasser) war anwesend und hat sich ein paar kritische Gedanken dazu gemacht.

Jeder, der auch nur ein einziges Vorurteil gegenüber Fantasy und diesem ganzen eskapistischen Zeug hatte, wird sich nach der Veranstaltung darin bestätigt fühlen. Und das macht mich einfach fertig. Ich wünsche mir Durchlässigkeit und Neugierde, ich würde gern Menschen erreichen, die denken Fantasy et al. seien nichts für sie – und diese Menschen dann überraschen von der Qualität und Vielfältigkeit, von der Verspieltheit und philosophischen Tiefe, die das Genre in seinen ganzen Facetten auszeichnen. Was würde sich da besser eignen als ein Event wie die Verleihung des dpp? Ich rufe euch zu: Werdet erwachsen! Nehmt euch selbst und eure Kunst ernst! Und vor allem: Seid nicht vermeintlich lässig sondern stolz, zelebriert ein Fest der Kreativität.

Ich kann die Kritik durchaus nachvollziehen. Nach all den Jahren hat sich die Veranstaltung vielleicht zu sehr in selbstreferenziellem Geplänkel verfahren. Da die beiden Moderatoren bereits angekündigt haben, im nächsten Jahr nicht mehr durch den Abend zu führen, besteht jetzt auf jeden Fall die Chance, es im nächsten Jahr anders zu machen. Wenn die Phantastik und auch das Fandom aus ihrer eingeigelten Behaglichkeit hinaus nach Bedeutung und Aufmerksamkeit streben möchten, dann sollten sie sich auch entsprechend verhalten.

Das Unheimliche und das Wunderbare bei Tzvetan Todorov – Die für den DPP nominierte Phantastikautorin und Kulturwissenschaftlerin Alessandra Reß (Vor meiner Ewigkeit)geht im Geisterspiegel kurz auf zwei Aspekte der Fantastiktheorie von Todorov ein. Wer ein ausführliche Einführung in dessen Werk lesen möchte, dem sei das Buch Theoretisch phantastisch. Eine Einführung in Tzvetan Todorovs Theorie der phantastischen Literatur von Simon Spiegel empfohlen.

Watching the Future: From Other Shores – Derek Austin Johnson blickt für SF-Signal auf die Science Fiction Filme des Jahres zurück – vor allem unter dem SF-Aspekt. Ich habe davon bisher nur Edge of Tomorow (hat mir sehr gut gefallen) und The Congress (schon letztes Jahr auf dem FFF) gesehen. Aber aufgespaßt, das Jahr ist noch nicht vorüber, wie der Wortvogel mit seiner Kritik zu Autómata zeigt.

Neues von Stephen Baxter, Doctor Who und der Enterprise – Während die klassischen großen Genreverlage ihre SF-Programme immer weiter bis zu Bedeutungslosigkeit zurückfahren, wird diese Lücke zumindest teilweise von kleineren Verlagen und solchen, von denen man es nicht erwartet gefüllt (wie aktuell z. B. Kunstmann mit dem VanderMeer). Die Zukunft stellt das neue SF-Programm des Comicverlags Cross-Cult vor, wo inzwischen neben Franschiseromanen zu Star Trek und Dr. Who auch eigenständige Sachen erscheinen. Wie z. B. Steinfrühling von Stephen Baxter.

Dear Politics (a rant) – Autor Nick Harkaway (Der goldene Schwarm) zieht über die britische Politik vom Leder.

Preise, Preise! – Die Zukunft berichtet darüber, wie man SF-Urgestein Wolfgang Jescke den von einer kleinen Jury verliehenen Deutschen Science Fiction Preis (DSFP) und den von einem größeren Kreis an professionellen SF-Schaffenden verliehen Kurd Laßwitz Preis in München persönlich überreicht hat. Herzlichen Glückwunsch

Baupläne für eine bessere Welt – Und die Zukunft zum Dritten. Der oben schon erwähnte Simon Spiegel hat gut vorbereitet ein sehr interessantes Interview mit Kim Stanley Robinson geführt, dessen 2312 zu meinen Lieblingsromanen 2013 gehörte.

Manga-Café in Düsseldorf: 11.000 Comics zum Kaffee – Und Spiegel zum Dritten (diesmal aber online und nicht Simon). In Düsseldorf hat ein Manga-Café eröffnet. Coole Sache.

Und hier noch zum Schluss alle Nominierten und Preistträger des DPPs:

Bester deutschsprachiger Roman:
Ann-Kathrin Karschnick: „Phoenix – Tochter der Asche“ (Papierverzierer)
Oliver Plaschka: „Das Licht hinter den Wolken“ (Klett-Cotta)
Bernd Perplies: „Das geraubte Paradies“ (Egmont-LYX)
Thilo Corzilius: „Dorn“ (Piper)
Tian Di: „Reisende 3 – Diktatur“ (Xin)

Bestes deutschsprachiges Romandebüt:
Gaby Wohlrab: „Eldorin – Das verborgene Land“ (Vier Raben)
Sabrina Železný: „Kondorkinder – Die Suche nach den verlorenen Geschichten“ (Mondwolf)
Simon André Kledtke: „Sarania – Das Vermächtnis der Magier“ (UBV)
Alessandra Reß: „Vor meiner Ewigkeit“ (Art Skript Phantastik)
Selma J. Spieweg: „Rattenauge … etwas Besseres als den Tod …“ (Qindie)

Bester internationaler Roman:

Terry Pratchett: „Dunkle Halunken“ (ivi)
George R. R. Martin: „Der Heckenritter von Westeros – Das Urteil der Sieben“ (Penhaligon)
Stephen King: „Doctor Sleep“ (Heyne)
Ben Aaronovitch: „Ein Wispern unter Baker Street“ (dtv)
Peter V. Brett: „Die Flammen der Dämmerung“ (Heyne)
Tad Williams: „Die dunklen Gassen des Himmels“ (Klett-Cotta)
Brent Weeks: „Die blendende Klinge“ (Blanvalet)
Jo Walton: „In einer anderen Welt“ (Golkonda)

Beste deutschsprachige Kurzgeschichte:
Miriam Schäfer: „Claire“ (aus: Weltentor 2013 Mystery [Noel])
Markus Heitkamp: „Soldat und Krieger“ (aus: Krieger [Low])
Heike Schrapper: „Gotteskrieger“ (aus: Krieger [Low])
Jacqueline Montemurri: „Reise in den Kosmos“ (aus: Fremde Welt [Epv])
Barbara Wegener: „New Eden“ (aus: Schockstarre #9 [Chichili])

Beste Original-Anthologie/Kurzgeschichten-Sammlung:
„Eis und Dampf“ (Feder & Schwert)
Ann-Kathrin Karschnick & Torsten Exter [Hg]: „Krieger“ (Low)
Steampunk „1851“ (Art Skript Phantastik)
Peter Hellinger: „Die Schreiberlinge – Vampyrus“ (art & words)
Jacqueline Montemurri: „Fremde Welt“ (Epv)

Beste Serie:
„DSA – Das schwarze Auge“ (Ulisses Spiele)
„Perry Rhodan“ (VPM)
Tian Di: „Isrogant“ (Xin)
Andrea Bottlinger: „Beyond“ (Rohde)
Andreas Suchanek: „Heliosphere 2265“ (Greenlight Press)

Beste Grafikerin:
Mia Steingräber
Timo Kümmel
Arndt Drechsler
Gaby Wohlrab
Crossvalley Smith

Bestes Sekundärwerk:
„Geek!“ (Panini Comics)
„Nautilus – Abenteuer & Phantastik“ (Abenteuer Medien)
Thomas Michalski: „Lovecraft und Duve“ (BoD)
„phantastisch!“ (Atlantis)
Hermann Urbanek: „Die Perry Rhodan Chronik Band 3: 1981-1995“ (Hannibal)
Hermann Ritter & Michael Haitel: „Magira – Jahrbuch zur Fantasy 2013“

Beste Internet-Seite:
http://www.phantastik-couch.de
http://www.bibliotheka-phantastika.de
http://www.fantasy-news.com
http://www.fantasybuch.de
http://www.geisterspiegel.de

Quelle: Phantastik-News.de

Meinen Glückwunsch an alle Preisträgerinnen und Nomnierte.
Was die Internetseite angeht, ist es mir aber ehrlich gesagt ein Rätsel, wie die von einer kommerziell ausgerichteten GmbH betriebene Phantastik-Couch den Preis zum dritten Mal in Folge gewinnen konnte, obwohl auf der Seite in diesem Jahr über Monate Funkstille und Stillstand herrschte und neue Buchbesprechungen nur sehr unregelmäßig und in kleinen Dosen eintrudelten, was wohl Querelen in der Redaktion geschuldet war, wie man dem Forum der Seite entnehmen konnte. Ich mache keinen Hehl daraus, dass meiner Meinung nach es in diesem Jahr die Bibliotheka Phantastika verdient hätte, die über das Jahr hinweg immer wieder tolle Artikel und Besprechungen ungewöhnlicher und außergewöhnlicher gebracht hat, während andere Seiten nur die üblichen Verdächtigen und olle Kamellen besprechen.

 

Ein Gedanke zu “Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 28

  1. Endlich merkt das mal jemand mit dem „gut vorbereitet“. 😉

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