Aktuelle deutschsprachige SF: 3 Kurzkritiken

Leider hinke ich mit meinen Buchkritiken einige Wochen hinter meiner Lektüre hinterher. Deshalb gibt es zu diesen drei Büchern leider nicht die ausführlichen Besprechungen, die sie verdient hätten.

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Drohnenland von Tom Hillenbrand

Spielt in der nahen Zukunft, in einem Europa, in dem die EU Auswüchse eines autokratischen Überwachungsstaates angenommen hat. Im Prinzip geht es um die Ermittlung im Mordfall eines EU-Parlamentariers. Da inzwischen alles von Kameras und Drohnen gefilmt wird, können die Ermittlungen gespiegelt werden, also in einem virtuellen Raum stattfinden. Und in diesen wirft Hillenbrand auch seine Leser, in dem er ohne große Erklärungen mit der Handlung loslegt. Wir folgen dem Polizisten Westerhuizen bei seinen Ermittlungen, die natürlich zu einer großen Verschwörung innerhalb des militärisch-industriellen Komplexes führen. Der Infodump ist gleich null, man muss sich die politische Lage aus kleinen Randbemerkungen selbst erarbeiten. Die USA sind abgemeldet, Südtirol separiert und Holland abgesoffen. Ein sehr spannender Roman mit einer erschreckend realistischen Zukunftsvision. Große SF aus Deutschland.

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Zero von Marc Elsberg

Marc Elsbergs Erstling Blackout über den Zusammenbruch der europäischen Zivilisation wie sie uns bekannt ist, aufgrund eines durch intelligente Stromzähler ausgelösten Stromausfalls, hatte mich seinerzeit schwer beeindruckt. Jetzt widmet sich der Autor dem aktuellen Thema Überwachung und Drohnen. Es geht vor allem um eine App, die Menschen dabei helfen soll ihr Leben in allen Lagen zu optimieren, und dabei manipulierende Züge mit fatalen Folgen annimmt. Zero konnte mich leider nicht so überzeugen. Es fehlt die Spannung. Die Bösewichte stehen von Anfang an fest, es gibt im Prinzip nichts zu ermitteln und auch kein wirkliches Ziel. Einzig die Sache mit der App weiß zu überzeugen, ansonsten kann der Roman dem Thema nichts Neues hinzufügen. Vielleicht habe ich ihn aber auch einfach zu kurz nach Drohnenland gelesen.

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Perry Rhodan Neo – Berlin 2037 von Frank Böhmert

Böhmert schreibt Rhodan. Das ist nichts Neues, aber Neo. Der Namensgeber der Reihe glänzt übrigens (dankenswerterweise) durch Abwesenheit. Die Handlung spielt im Berlin des Jahres 2037 während einer Invasion der Arkoniden, die die Erde einfach mal ihrer Verwaltungszone einverleiben wollen. Die Hauptfiguren stammen vor allem aus der Bodymod-Szene, sind also Menschen, die ihre Körper durch operative Veränderungen verschönern wollen, wie z. B. die junge Frau, die wie eine Katze aussehen möchte – also ganz normale Berliner. Die Invasion und deren Folgen werden angenehm unaufgeregt, aber durchaus spektakulär beschrieben. Die große Politik kommt nur am Rande vor, der Fokus liegt auf eher einfachen Leuten, die versuchen, sich in der neuen Ordnung durchzuschlagen. Hat mir richtig gut gefallen, dieser Neo-Roman von Frank Böhmert, obwohl ich die Reihe eigentlich gar nicht lese (bin nach Band 1 wieder ausgestiegen). Man kann ihn auch gut als abgeschlossenen Einzelroman lesen, der tolle Near-Future-Berlin-Stimmung mit einer Prise Aliens vermittelt.

Ein Gedanke zu “Aktuelle deutschsprachige SF: 3 Kurzkritiken

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