Kurzbesprechungen meiner Lektüre März bis Juni (Teil 2)

Keine Zeit! Keine Zeit! Deshalb nur kurz:

Frank Schätzing – Breaking News
Ein großer Stilist wird Schätzing nie werden, aber das muss er auch gar nicht. Wer schon einmal ein Interview mit ihm gehört hat, weiß, dass er so schreibt, wie er spricht. Im aktuellen Roman hat er sich offenbar Don Winslows Tage der Toten als Vorbild genommen, und schildert einen Jahrzehnte andauernden Konflikt in schnoddrig-zynischem Tonfall. Dabei kombiniert er eine aktuelle, brisante Verschwörungsgeschichte in Thrillerform, mit einer Familiengeschichte im Kontext der Gründung und Entwicklung des Staates Israels. Als roter Faden dient der Werdegang eines Freundes dieser Familie: Arial Sharon.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Schätzing gelingt es gut, die komplexe, kaum zu durschauende und auf westliche Leser vermutlich absurd anmutende Konfliktsituation des Nahen Ostens vor allem zwischen Israel und Palästina darzustellen. Auch wenn man manchmal der Erklärbär überhandnimmt. Kann ich jedem, der sich halbwegs für diesen Konflikt interessiert nur wärmsten empfehlen.
Jörg Maurer – Felsenfest

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Ich mag keine deutschen Krimis (bis auf die Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher). Ich hasse Regionalkrimis. Aber Jörg Maurers Alpenkrimi Felsenfest hat mir richtig gut gefallen. Da geht es um ein Klassentreffen, das in einer Geiselnahme endet (tun das nicht alle Klassentreffen?), an deren Ende alle Lady-Gaga-Masken tragen. Ein Krimi, der das Lokalkolorit mit viel hintersinnigem Humor vermittelt und eine interessante Geschichte mit herrlich verschrobenen Figuren (wie dem Grantler) bietet. Da kann ich mich Denis Schecks Empfehlung nur anschließen.

Michael Chabon – Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier & Clay.

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Eine wunderbare Hommage an die Anfangsjahre des Superheldencomics, der vor allem von jungen jüdischen Autoren geprägt wurde. So auch die beiden Helden der Geschichte Sam Clay und Joe Kavalier. Letzterer musste vor den Nazis nach Amerika fliehen, und hofft, mit dem Geld, dass er durch die Comics verdient, seine Familie inklusive seines kleinen Bruders nachholen zu können. Ach ja, Zauberer und Entfesslungskünstler ist er auch noch. Über zwei Jahrzehnte erzählt Chabon auf wundervolle Weise die Familiengeschichte dieses dynamischen Duos und schafft es dabei viele interessante, zeitgeschichtliche Themen mit reinzupacken. Ein Meisterwerk!

Ein Gedanke zu “Kurzbesprechungen meiner Lektüre März bis Juni (Teil 2)

  1. Schätzing hat bei mir mit „Limit“ jeglichen Kredit aufgebraucht, der ist mir zu geschwätzig und bemüht viel zu viele billige Klischees. Und er bräuchte mal einen guten Lektor, der seine viel zu langen Schwarten auf ein vernünftiges Maß zusammenstutzt.

    „Kavalier & Clay“ fand ich auch toll, nur etwas zu lang. Aber es ist wirklich erstaunlich, wie leicht und unterhaltsam Chabon auch in den düstersten Momenten bleibt und wie viele Details aus der damaligen Comicbranche er so nebenbei einstreut.

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