Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 18

Meine dieswöchige Blogfäulnis … äh Faulheit liegt vor allem an der Erkältung, die ich noch als Abschiedsgeschenke aus dem Kindergarten mitgenommen habe (nächste Woche fange ich eine neue Teilzeitstelle an). Zum Anfang gibt es erstmal zwei unphantastische Links, die eher zu den Themen Sprache und Übersetzen passen, danach zweimal Science Fiction.

13 words Germans think are English – dw.de hat 13 vermeintlich englische Wörter aufgelistet, von deren Gebrauch man im englischsprachigen Ausland absehen sollte, da sie dort niemand kennt. Ich muss gestehen, dass ich erst durch das Schild in Luke’s Café in der Serie Gilmore Girls gelernt habe, dass man in den USA »cell phone« zur mobilen Audiokommunikationseinheit sagt.

10 Fabulous German Words With No English Equivalent – Tyler Vendetti hat eine Liste mit zehn deutschen Wörtern erstellt, die sie ganz wunderbar findet, die Übersetzerinnen ins Englische aber vermutlich ins Schwitzen bringen werden, weil es sie im Englischen nicht gibt. Handschuhschneeballwerfer kannte ich nicht.

 In 1975, Newsweek Warned that Science Fiction Was Taking Over – Madeleine Monson-Rosen wirft einen Rückblick auf das Jahr 1975, als Newsweek davor warnte, dass Science Fiction »was taking over«. Den Begriff kann man nicht so gut übersetzen. Vielleicht, dass Science Fiction überhandnimmt, bzw. zu einflussreich wird? 74/75 war übrigens ein super Jahrgang. Dhalgren, The Dispossesed, Slaughterhouse Five, Cat’s Cradle, alles Meisterwerke der SF. Die New Wave (um John Brunner und Co.) griff relevante Themen der Gesellschaft kritisch auf. Man befürchtete, dass die SF in der Mitte der Gesellschaft, im Mainstream ankommen würde. Eine Diskussion, die auch heute noch aktuell ist. Noch nie liefen so viele Science-Fiction Filme im Kino und machten so viel Umsatz. Währenddessen sieht sich die SF-Literatur wieder in der Krise (was zumindest in Deutschland auch nicht ganz falsch ist). Bei SF-Fan.de wird gerade anlässlich der Veröffentlichung der SF-Verlagsvorschau von Bastei/Lübbe darüber diskutiert, was aus deren SF-Sparte geworden ist, und warum sich SF in Deutschland in Buchform nicht verkauft. Die Zahl der SF-Übersetzungen seit 2010 ist tatsächlich um 40 Prozent zurückgegangen (das habe ich genau nachgezählt und ausrechnet, kann man auch in der nächsten Ausgabe der Phantastisch genauer nachlesen). Wer die relevanten SF-Bücher lesen will, die im Ausland für Aufruhr sogar und spannende Debatten anstoßen, der muss auf Englisch lesen (oder bei Verlagen suchen, die eigentlich nichts mit dem Genre am Hut haben, da erscheinen inzwischen gelegentlich interessante Werke, von Autoren wie Daniel Suarez, Jeff VanderMeer, Felix J. Palma, Daniel H. Wilson usw.). In der Fantasy sieht es übrigens nicht besser aus. Für mich als Phantastikübersetzer sind das schlechte Zukunftsaussichten. Aber ich habe meine Bestrebungen in die Richtung auch schon größtenteils ad Acta gelegt und für Alternativen gesorgt (feste Teilzeitstelle plus Übersetzungen in einem ganz anderen Bereich). Es bringt aktuell einfach nichts, auf ein lahmendes Pferd zu setzen. Wobei ich das sehr schade finde, da phantastische Literatur meine Leidenschaft ist und ich sie sehr gerne übersetze.

Auf Fantasybuch.de gibt es eine sehr schöne Besprechung von Detlef Vallenton zu Captain Future – Der Sternenkaiser (übersetzt von Frauke Lengermann). Detlef arbeitet sehr schön heraus, was den Reiz an Captain Future ausmacht, und mit welcher Einstellung man noch Spaß an den alten Schinken haben und  den »sense of wonder« verspüren kann.

 

4 Gedanken zu “Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 18

  1. Falls du so viel spoilern magst 😉 – hast du Dystopien auch unter die Sci Fi-Übersetzungen gezählt? Würde mich mal interessieren. Ich weiß, dass der Buchhandel aus Marketinggründen z.B. „Panem“ als Fantasy zählt, die Bücher von Elbel aber z.B. unter Science Fiction gezählt werden. Irritierend…

  2. Der Link zur »Captain Future«-Rezension erstreckt sich nur auf das ›s‹ von ›schöne‹ bei bei ›schöne Besprechung‹. Vielleicht sollte der arme kleine Buchstabe die Arbeit nicht ganz alleine stemmen müssen.

  3. Danke für den Hinweis. Erst hatte ich das „s“ vergessen, und beim Versuchen, den einsamen Buchstaben mit einzubinden, musste er wohl versehentlich die ganze Last schultern. 🙂

  4. @Alessandra Dystopien habe ich, wenn sie erkennbar in unserer oder einer technisch fortschrittlichen Welt spielen, der SF zugeordnet. So werden sie in der Regel auch in den Vorschauen beworben. Elbel habe ich auch als SF gezählt.

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