Aktuelles: Phantastische Netzstreifzüge 13

Ich freue mich immer, wenn ich Links zu Themen posten kann, die mit dem Übersetzen zu tun haben. Heute gibt es gleich drei davon. Dazu eine Buchempfehlung zu Hal Duncan, eine Besprechung des aktuellen Captain Future Bands Die Herausforderung, phantastische Filme aus Skandinavien und einen längeren Text von mir, in dem ich einen Film von Arte über Amazon kritisiere.

»Warum ›Groschen‹ und nicht ›Cent‹?« – wurde Ted-Chiang-Übersetzer molosovsky von einer Leserin gefragt. Er hat ausführlich bezüglich dieser Übersetzerentscheidung geantwortet und erklärt, warum es nicht nur um 1:1 Übersetzungen geht, sondern auch die Übertragung von Sprachgefühl und Atmosphäre. Ich sehe es genauso wie molo.

Das Geschäft des Literaturübersetzens – Frank Böhmert äußert sich zur geschäftlichen Seite des Übersetzens und warum es sich lohnt, Mitglied im VdÜ (Verband der Übersetzer) zu sein. Dazu kann ich mich mangels Erfahrung noch nicht äußern.

150 free e-books for translators and interpreters! – Diese mir bisher unbekannte Seite verweist auf eine Zusammenstellung kostenloser E-Books, die für Übersetzer und Dolmetscher interessant sein könnte. Habe die Liste nur kurz überflogen, werde aber nochmal einen genaueren Blick darauf werfen.

Miso Soup at Midnight: Rhapsody: Notes on Strange Fictions by Hal Duncan – Brit Mandelo hat ein theoretisches Buch von Hal Duncan sehr ausführlich besprochen, in dem es wohl darum geht, wann Science Fiction zu Strange Fiction wird. Also so etwas wie seltsame Phantastik. Ich muss den Text nochmal in Ruhe lesen, bin aber neugierig auf Duncans Buch geworden.

Captain Future nimmt „Die Herausforderung“ an – AxelB hat in seinem Blog Kriminalakte nicht nur den aktuellen von Frauke Lengermann übersetzten Captain Future Band besprochen, sondern liefert auch einen kleinen Überblick über die Publikationsgeschichte der nicht mehr ganz jungen Reihe.

Aber die 1940 geschriebene Geschichte bewegt sich mit Sieben-Planeten-Stiefeln vorwärts, ist voller Überraschungen und Ideen über Welten, Wesen und technische Erfindungen, die heute teilweise Alltag sind. Einiges ist aus heutiger Sicht auch herrlich falsch, weil bestimmte Probleme, mit denen Captain Future und seine Männer kämpfen, längst gelöst sind oder kein Problem sind.
Die Sprache steht der Handlung nie im Weg und die Geschichte ist ein wirklich kurzweiliger Spaß mit echten Pageturner-Qualitäten.

 

Skandinavische Film-Phantastik: Sechs Empfehlungen – Anubis empfiehlt 6 phantastische Filme aus Skandinavien. Darunter der obligatorische Let the Right One In, aber auch den Nazi-Zombie-Splatter-Partykracher Dead Snow und den eher ruhigen Troll Hunter. Alles Filme, die auch ich sehr empfehlen kann. In Deutschland bekommt man anscheinen keine ordentlichen Phantastikfilme hin, da kann man sich von den nördlichen Nachbarn noch eine Scheibe von abschneiden.

 

Storyseller – Wie Amazon den Buchmarkt aufmischt – Lief am Donnerstag auf Arte und ist noch bis nächsten Donnerstag im Netz zu sehen. Zeigt einerseits die sehr interessanten Geschichten von drei Autorinnen, die von Verlagen nur Absagen bekamen, dann aber als Selfpublisher sehr erfolgreich wurden. Anderseits ist dieser Film sehr tendenziös und versucht Amazon sehr einseitig als Bösewicht hinzustellen, der nicht nur Buchhandlungen kaputtmache, sondern auch Verlagen das Geschäft und den Autorinnen bei Amazon Publishing Versprechungen mache, die nicht eingehalten würden.

Eine der drei Autorinnen ist Emily Bold, die sich auf ihrer Homepage deutlich und nachvollziehbar von der Darstellung in diesem Film distanziert. In der Frankfurter Rundschau geht Harald Keller auch sehr kritisch mit diesem Film ins Gericht.

Beide bringen zum Ausdruck, was ich auch beim Sehen dachte. Es wird der Eindruck vermittelt, als hätte Amazon die kleinen, unabhängigen Buchhandlungen kaputtgemacht. Kein Wort davon, dass diese Arbeit zuvor schon Buchketten wie Hugendubel und Thalia übernommen haben. Thalia nicht nur indirekt durch enormes Wachstum, sondern teilweise sogar gezielt gegen die kleine Konkurrenz vorgeht. Kein Wort davon, wie hart Thalia bezüglich der Rabatte gegenüber den Verlagen auftritt, oder das ein Platz auf dem Präsentationstisch in einer Buchhandlung, bis zu 15.000 Euro kosten kann. Einer der vielen Gründe übrigens, warum Kleinverlag kaum Chancen haben, in Buchhandlungen verkauft zu werden (höchstens, wenn es einzelne engagierte Angestellte gibt).

Der Film suggeriert, dass Amazon dafür sorgen würde, dass Kleinverlage verschwinden. Die Kleinverlage, die ich kenne, hätten aber ohne die Vertriebsplattform von Amazon kaum keine Chance, weil sie eben wie oben erwähnt kaum die Möglichkeit haben, in Buchhandlungen präsent zu sein.

Die Verleger größerer Verlage, die im Film zu Wort kommen, tun so, als ob sie jedes einzelne Manuskript ihrer Autoren persönlich lesen und jeden Autor persönlich bei der Veröffentlichung betreuen würden. Das gilt vielleicht für einige Topautoren der Verlage, aber die breite Masse der Midlistautoren ist doch froh, wenn der Verlag überhaupt mal irgendwo das Erscheinen ihrer neuen Bücher erwähnt; PR also die Vermarktung wird immer mehr den Autoren selbst überlassen.

Amazon würde dafür sorgen, dass ungewöhnliche und außergewöhnliche Bücher abseits des Massengeschmacks keine Chance mehr haben würden. Aber es sind doch gerade solche Bücher, die nicht zum aktuellen Trend/Hype passen, die sich nicht in irgendeine bestimmte Formel pressen lassen, die bei größeren Verlagen kaum noch Chancen haben. Die bringen lieber immer die gleiche Konfektionsware. Besondere Bücher haben da eher Chancen bei Kleinverlagen, die auf Amazon als Vertriebsweg angewiesen sind, oder als Selbstveröffentlichungen bei KDP (Kindle Direct Publishing)

Im Film wird auch suggeriert, dass Amazon durch den Deal des Tages die Buchpreisbindung unterlaufen würde, was aber nicht stimmt, da beim Deal des Tages nur Bücher aus dem englischsprachigen Buchmarkt verkauf werden.

Das heißt natürlich nicht, dass bei Amazon alles toll ist. Das Unternehmen ist ein Riese, dessen Marktmacht man durchaus mit Skepsis betrachten sollte. Die Buchpreisbindung hält ihn in Deutschland tatsächlich noch ein wenig in Schach und sollte nicht abgeschafft werden. Dass man E-Books, die bei Amazon gekauft werden, nur auf dem kindle lesen kann, ist ärgerlich (auch wenn es mich persönlich nicht stört).

Gedruckte Bücher kaufe ich mir übrigens inzwischen wieder nur in der kleinen sympathischen Buchhandlung. Bei Amazon kaufe ich mir (zumeist) englischsprachige Bücher und vor allem E-Books oder anderen Kram, der nichts mit Büchern zu tun hat. Als Kunde bin ich mit Amazon sehr zufrieden. Da konnte ich bereits 1999 englischsprachige Bücher bestellen, mit denen die lokalen Buchhandlungen hier in der Provinz völlig überfordert waren. Das waren sie übrigens auch mit vielen der Fantasybücher, die ich damals gelesen habe. Es hat ja nicht jeder ein Otherland vor der Tür.

Es gibt sicher noch einiges, das man an Amazon kritisieren kann, mir ging es hier aber darum, deutlich zu machen, wie einseitig und unfair dieser eigentlich interessante Film von Arte ist.

P.S. ich war übrigens überrascht, wie professionell die Buchcover aussehen, die Emily Bold zuhause am PC entwirft. Hat sicher auch zu ihrem Erfolg mit beigetragen.

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