Buchempfehlung: Die geheime Melodie von John Le Carré

Bevor es hier mit frischen Besprechungen zu Frederik Pohls „Gateway“, Volker Kutschers „Die Akte Vaterland“ und einem Batman-Hörspiel weitergeht, erst einmal Resteverwertung. Die Rezi erschien bereits vor einigen Jahren im Fantasyguide.

9783843708470_cover

Bruno Salvador (Salvo), Sohn eines katholischen Priesters, ist ein Kind, das es nicht gibt. Nach einer romantischen Verfehlung seines Vaters wird er von einer Afrikanerin im Kongo zur Welt gebracht. Vom Vater als Neffen ausgegeben begleitet er den Missionar in den ersten Jahren seiner Kindheit. Nachdem er einige Jahre in einem babylonischen Sprachwirrwarr, aufwuchs, ging es dann an ein Internat in England. Unter der Obhut eines Mönchs wächst er zu einem gebildeten britischen Staatsbürger mit afrikanischen Wurzeln heran.

Seine sprachlichen Hintergrund nutzend wird er ein Spitzendolmetscher, spezialisiert auf afrikanische Sprachen.

Inzwischen verheiratet arbeitet er gelegentlich auch für die britische Regierung, sprich den Geheimdienst. Bisher hat er allerdings nur von Abhörtechniker eingefangene Gespräche in einem Londoner Keller übersetzt. Diesmal geht es zu einem Außeneinsatz. Für Leute, die er nicht kennt, soll er auf einer ihm unbekannten Insel Verhandlungen eines ominösen Syndikats mit kongolesischen Kriegsherren übersetzen. Dabei erfährt der dem Kongo immer noch verbundenen Übersetzer ungeheuerliche und wird mit in die geheimen Machenschaften mit hineingezogen.

John Le Carré, der Altmeister des Spionageromans ist inzwischen 75 Jahre alt, doch von Ermüdungserscheinungen keine Spur. Aus der Ich-Perspektive erzählt er eine Geschichte, in der eigentlich gar nicht so viel passiert, in einer Spritzigkeit, die den Leser mitreißt und bis zum Schluss nicht mehr loslässt. In einem leicht aristokratischen Stil, den jene an den Tag legen, die nicht in England geboren sind, aber gerne britisch wirken möchten, erzählt Salvo seine Geschichte. Wie auch „Absolute Freunde“ ist „Geheime Melodie“ ein biografischer Roman, der das ganze Leben des Protagonisten erzählt. Wobei dieser Teil, diesmal etwas kleiner gehalten wird. Der Leser lernt Salvo von klein auf kennen, und kann somit seine Handlungsweisen nachvollziehen. Das ist wichtig, denn ansonsten könnte sein Verhalten nach der Konferenz irrational erscheinen. So kann der Leser verstehen, dass Salvo in seinem Herzen immer noch Afrikaner ist, und sich so mit naiver Heimatliebe in Schwierigkeiten bringt.

Seine Gegner, dass sind neben denn skrupellosen afrikanischen Kriegsherren, vor allem namenlose westliche Konglomerate, deren Mitglieder nach außen hin als afrikaliebende Wohltäter in Erscheinung treten, hinter den Kulissen aber eine gnadenlose Machtpolitik betreiben. Le Carré zeigt deutlich, welches Interesse der Westen der afrikanischen Bevölkerung entgegenbringt. Nämlich gar keins. Afrika ist dem Westen scheißegal. Das Einzige, was von Interesse ist, sind die Rohstoffe.

Und so schafft es der Autor einen Roman über Afrika zu schreiben, der gar nicht in Afrika spielt. Denn überall auf der Welt wird über die Zukunft Afrikas entschieden, nur nicht in Afrika selbst. Einzig einige korrupte Politer, die sich selbst bereichern wollen und es sich leisten könne Afrika zu verlassen kommen zu Wort.

Sehr interessant ist der Einblick in die Dolmetscherbranche, die sicher keine Aufregende ist, aber doch eine mit Macht. Allein durch Tonlage, Tonfall, Lautstärke, Mimik und Gestik kann der Dolmetscher beeinflussen, wie das Übersetzte verstanden wird, und trägt somit sicherlich auch zum Ausgang von Verhandlungen bei.

Wie schon „Der ewige Gärtner“ ist „Geheime Melodie“ ein Roman, der den ausbeutenden und skrupellosen Umgang des Westens mit Afrika kritisiert. Le Carré schafft es dabei, einen sympathischen Protagonisten mit nachvollziehbaren Handlungsweisen aufzubauen. Wenn er sich gegen Ende auch ein bisschen zu dämlich und naiv anstellt. Die komplizierte Situation im Kongo ist in diesem Buch eher nebensächlich. Der Schwerpunkt liegt auf dem anspruchsvollen aber trotzdem flotten Schreibstil des Autors, der eine gar nicht so spannende Geschichte über 400 Seiten trägt.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s