Wo man mich trifft: Leipziger Buchmesse + Berlin

Am Donnerstag den 13. März werde ich den kompletten Tag auf der Leipziger Buchmesse verbringen. Bisher ist ein Besuch am Stand des Golkonda Verlags geplant, sowie bei Uschi Zietsch von Fabylon. Am Nachmittag werde ich mich vermutlich mit Bekannten von der Bibliotheka Phantastika treffen. Ansonsten lasse ich mich überraschen. Ich weiß gar nicht, ob der Leipziger Festa Verlag dort vertreten sein wird? Ich glaube eher nicht, wenn ja schaue ich dort aber auch mal vorbei.

Für Freunde der Phantastik soll Leipzig ja interessanter sein als Frankfurt, wobei es im letzten Jahr wohl Ärger darüber gab, wie die Phantastikverlage von der Messe behandelt wurden (ich kann die Links dazu auf die Schnelle nicht finden). In Frankfurt bin ich einmal gewesen, fand ich damals nicht so interessant. Zu viele Menschen. Falls einer von Euch auch an diesem Tag auf der Buchmesse ist, und Lust hat, sich mir zu treffen, meldet Euch bei mir.

Am Abend vorher (also am 12.3.) bin ich in Berlin. Dort werde ich endlich wieder einem SF-Treff beiwohnen. Dieses Mal treffen wir uns im Ratskeller Köpenick. Freue mich schon drauf, nach 4 Monaten endlich wieder meine Berliner Freunde zu treffen. Übernachten werde ich übrigens unter Palmen. 🙂

Von Berlin geht es dann am Donnerstagmorgen günstig (10 Euro pro Fahrt) in einer einstündigen Fahrt mit der Interconexx direkt zum Messegelände. Der Flug nach Berlin ist nur halb so teuer, wie ein Flug nach Leipzig. In der Hauptstadt kann ich kostenlos übernachten und mit der günstigen Bahnfahrt dürfte der ganze Messebesuch (Eintritt kostet 14.50 Euro für Frühbucher) finanziell relativ billig sein.

Freitag fliege ich dann schon wieder von Berlin zurück in die neue alte Heimat.

Aktuelles: phantastische Netzstreifzüge 3

In den phantastischen Foren, in denen ich unterwegs bin, herrscht momentan tote Hose. In den letzten Wochen gab es keine einzige Diskussion, die mir in Erinnerung geblieben ist, überhaupt wird zurzeit wenig geposted.

Einzig über den FAZ-Artikel von Günther Hack (wie gesagt, ich verlinke nicht zur FAZ) hat man im SF-Netzwerk ein wenig versucht zu diskutieren. Leider wurde die Diskussion mehrmals von einigen Foristen (die ich sonst sehr schätze), die sie für überflüssig halten oder kein Interesse daran haben durch destruktive Beiträge zerschossen.
Es ist mir ein Rätsel, warum die Silberrücken des deutschen SF-Fandoms anderen die nicht schon vor vierzig Jahren auf irgendwelchen antiken Cons darüber sprachen eine solche Diskussion nicht lassen können,

Sicher, die SF geht regelmäßig unter, liegt im Sterben bzw. muss erneuert werden. Manche alte Hasen sind davon vielleicht genervt, weil es die Leute davon abhält, einfach widerspruchlos deren Bücher zu kaufen 😉 , aber es gibt tatsächlich noch Nachwuchs (relativ gesehen), der an solchen Themen interessiert ist, für den das Thema nicht schon zigmal durchgekaut wurde, und der nicht sämtliche auf hangekurbelten und nach Spiritus riechenden Matrizendruckern hergestellte Fanzines im Regal stehen hat.

Im Fandom fühlt man sich auch schnell angegriffen, wenn die sogenannten „Literaten“ oder „Intellektuellen“ (für viele ist das ein Schimpfwort) versuchen mit etwas Anspruch und dem Versuch von Relevanz über die dem Fandom „gehörende“ Science-Fiction zu diskutieren.

Heyne hat ein neues Science Fiction Portal am Start. Auf  Die Zukunft gibt es nicht nur Artikel und Essays über Bücher, sondern auch über Filme, Comics und Computerspiele. Schade finde ich, dass das Thema Serien unter der Kategorie Film mitläuft, obwohl die sich meiner Meinung nach davon ebenso unterscheidet, wie die anderen hier aufgezählten. Immerhin wird kurz die großartige neue Serie „Orphan Black“ erwähnt, „Die es bereits im Herbst dann ebenfalls auf ZDFneo zu sehen geben soll.“ „bereits“ halte ich hier für etwas übertrieben, wenn man sich anschaut, wie schnell andere Serien inzwischen in Deutschland erscheinen. Aber immerhin – beste Serie 2013!
Bisher sind das auch nur ein paar News zu Serien wie „Firefly“ oder „Les Revenants“. Dabei gibt es aktuell eine Menge laufende SF-Serien (die nicht alle gut und keine Space Opera wie Stark Trek sind), die Stoff genug, für interessante Artikel bieten.

Adam Whitehead stellt auf seinem Blog die neue SF-Serie „Helix“ des amerikanischen Senders SyFy vor. Virenausbruch auf einer Forschungsstation in der Arktis + Verschwörungskram. Genau mein Thema, aber leider miserabel umgesetzt. Die Spezialeffekte wirken wie aus schlechten B-Movies der 80er Jahre. Auch sonst stimme ich Adams Einschätzung voll zu.

Fantasyautor Brandon Sanderson („Mistborn“, Rad-der-Zeit-Vollender) schreibt über epische Fantasy, was er daran so liebt und warum die (und seine) Bücher so dick sein müssen. Wenn der wüsste, in wie vielen Teilen „Das Rad der Zeit“ in Deutschland erschienen ist. 🙂

Ich mag die dickbändige epische Fantasy mit vielen Teilen auch (wenn es nicht zu viele Teile werden), finde es aber schade, dass es nur so wenige abgeschlossene Einteiler in der Fantasy gibt.

Den Aufreger der Vorwoche lieferte die britische Autorin Lynn Shephard, die zeigte, wie man sich mit wenigen Zeilen zum Volldeppen machen kann. In einem kurzen Artikel auf Huffingtonpost (immerhin der bekannteste und wohl auch einflussreichste Blog der Welt), schrieb sie, dass Joan K. Rowling doch bitte mit dem Schreiben aufhören sollte, weil ihr Erfolg anderen Autorinnen das Geschäft versauen würde. Dann zieht sie über die Bücher von ihr her, wie denn ein erwachsener Verstand solchen Kinderkram lesen könnte, obwohl es doch so viele tolle erwachsene Bücher geben würde. Auch die Prä-Harry-Potter-Werke seien schlecht geschriebener Mist.

Was Shephard aber endgültig zum Volldepp der Woche macht, ist die Aussage, dass sie noch keine einzige Zeile von Joan K. Rowling gelesen habe. Da spricht wohl der pure Neid. Ich jedenfalls habe „Harry Potter“ (mit Ausnahme des schwachen letzten Teils) mit großer Begeisterung im erwachsenen Alter verschlungen. Um die Bücher von Shephard werde ich allerdings einen großen Bogen machen. Selbst wenn sie gut sein sollten, hat es sich diese Autorin bei mir versaut.

Über den Aufreger der aktuellen Woche werde ich mich nicht äußern, da diese widerliche Person, die von Halbmenschen usw. spricht keinerlei Aufmerksamkeit verdient hat (sie aber leider trotzdem überall bekommt, wenn auch fast nur negative).

Auf SF-Signal äußern sich die Autorinnen Jane Yolen, Ellen Datlow, Kate Elliott, Elizabeth Hand and N. K. Jemisin über Frauen, die Science-Fiction schreiben.

Auf der Seite gibt es auch wieder die Übersicht über die englischsprachigen Neuerscheinung März 2014. Da gehe ich in einem Extraeintrag noch drauf ein.

Captain Future gibt es nicht nur in Deutschland als Neuauflage (gerade ist Band 3 erschienen) sondern auch in den USA bei Haffner Press.

Amazon ist jetzt mit seinem Abo-Streamangebot Prime Instant Video am Start. Aber trotz des Kampfpreises von 49 Euro pro Jahr, ist es für mich uninteressant, da es kaum Filme und Serien in Originalfassung gibt. Für mich ein K.-O.-Kriterium.

So, das reicht erstmal. Ich meine, ich hätte noch ein, zwei Sachen vergessen, die ich in den letzten Tagen gelesen habe, aber leider habe ich es versäumt, sie mir aufzuschreiben. Falls sie mir noch einfallen, reiche ich sie nach. Wer noch interessante Linktipps hat, kann sie hier gerne posten.

Buchempfehlung: House of Leaves

Hier ein Artikel über das wohl komplexeste und gruseligste Werk, das ich je gelesen habe. Erschien ursprünglich im von Michael Schmidt herausgegebenen Horrormagazin Zwielicht 2. Die Printausgabe dürfte vergriffen sein, als E-Book ist es noch erhältlich. An dieser Stelle nochmal meinen Dank an Christian Weis, der den Text durch seine Tipps lesbarer gemacht hat.

»House of Leaves – Das Haus« von Mark Z. Danielewski

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Ein großes, verwinkeltes Haus, das von außen fast den Eindruck erweckt, es sei lebendig. Innen mit alten verstaubten Möbeln, knarzendem Holzfußboden, seit Jahren verschlossenen Zimmern, unheimlichen Porträtgemälden, kalten Luftzügen und Flüstern in den Wänden. Ein Haus, das eine Geschichte hat. Meist keine gute. Und natürlich neue Bewohner, die die Geschichte des Hauses nicht kennen, unbedarft einziehen, sich über die vielen Zimmer freuen und es zunächst noch genießen, im ersten eigenen Haus zu wohnen.

Bis es dann losgeht. Oft sind es die Kinder, die zuerst bemerken, dass hier etwas nicht stimmt. Sie sehen Personen, die nicht da sein dürften, hören Gespräche, die niemand führt. Dann fallen plötzlich Türen zu oder Möbel verändern ihre Position. Die Alpträume beginnen. Lange qualvolle Nächte auf durchgeschwitzten Laken. Eltern, die einem zunächst nicht glauben. Es beginnt subtil, fast unscheinbar, nur Streiche, die einem die Fantasie spielt. Aber es steigert sich, bis man unzweifelhaft zu der Erkenntnis kommt, dass es im neuen Eigenheim spukt.

Die Spukhausgeschichte ist eine der ältesten Formen des Horrorgenres, die es fast schon so lange existiert wie es Häuser gibt. Seitdem entstanden unzählige Bücher und Filme in den unterschiedlichsten Variationen. Der bekannteste Roman ist wohl Shirley Jacksons Klassiker »Spuk in Hillhouse«, der als »Bis das Blut gefriert« verfilmt wurde.

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Will Navidson ist Dokumentarfilmer und Pulitzerpreisträger. Als er mit seiner Frau und den zwei Kindern in ein neues Haus zieht, setzt er unwissentlich eine Reihe von unheimlichen Ereignissen in Gang. Sein Haus ist nicht das typische Spukhaus, wie ich es oben beschrieben habe. Es spukt nicht, es gibt keine kalten Stellen oder schreckliche Verbrechen, die dort begangen wurden. Das Haus passt einfach nicht. Eines Tages stellt Navidson fest, dass das Haus innen größer ist, als es nach den äußeren Maßen sein dürfte. Damit beginnt alles. Plötzlich ist ein Gang da, der nicht da sein sollte; der sich verändert und der zu einem riesigen Labyrinth wird. Von dem Gang geht keine Gefahr aus, kein Monster lauert in seinen Schatten. Er ist einfach nur da. Navidson stürzt sich mit dem Enthusiasmus eines besessenen Höhlenforschers auf diesen Korridor. Er will, nein, er muss ihn unbedingt erkunden.
Zusammen mit seinem Bruder, einem befreundeten Collegeprofessor und zu guter Letzt einem renommierten Abenteurerteam, stößt er in die Tiefen des Abgrundes vor, der unter ihm lauert. Als Basislager dient das Wohnzimmer, von hier aus geht es immer weiter, zunächst in ein undurchsichtiges Labyrinth von Gängen, dann weiter, eine schier endlose Treppe hinab in ein finsteres Höhlensystem – die Kamera immer mit dabei.

Obwohl uns Navidson mit in seinen Abgrund zerrt, sind wir nicht direkt dabei. Nein, wir erfahren von dem Dokumentarfilm nur aus zweiter Hand. Der mysteriöse und blinde Zampano hat eine wissenschaftliche Abhandlung über den »Navidsonrecord« und seine Entstehung geschrieben. Wie er den Film sehen konnte, bleibt ein Geheimnis. Seine intensiven Beschreibungen ziehen uns Leser direkt hinein in das unheimliche Geschehen. Er schafft es, eine gelungene Mischung aus packender Erzählung und wissenschaftlicher Abhandlung zu schreiben, die mit unzähligen Fußnoten voller fiktiver und realer Zitate gespickt sind, und somit dem Ganzen Authentizität verleihen. Zampano dringt nicht nur in den Abgrund vor, sondern auch in die Psyche Navidsons, der wie ein Getriebener immer weiter muss.

Doch Zampano ist längst unter ungeklärten Umständen verstorben. Seine Geschichte und die Geschichte seines Manuskripts erfahren wir durch die eingeschobenen, teils seitenlangen Fußnoten von Johnny Truant, die er neben Zampanos Fußnoten ergänzt hat. Truant hat das Manuskript entdeckt und sich damit intensiv beschäftigt. Was ein wenig überrascht, da er wie ein typischer, ungebildeter Loser wirkt – mit seiner Arbeit als Nadelreiniger in einem Tattooshop, seiner Liebe zu einer Stripperin und den schäbigen Sauftouren mit seinem Freund Lude, auf denen er versucht, die Leute mit Lügengeschichten zu beeindrucken. Mit der gleichen Besessenheit, mit der sich Navidson in das Haus stürzt und Zampano in seine Abhandlung, stürzt sich Truant auf das Manuskript, beginnt eigene Recherchen anzustellen. Und ganz langsam hält das Grauen auch in seinem Leben Einzug.

Auf der vierten Ebene gibt es noch die Fußnoten der Herausgeber, die unter Truants Randbemerkungen stehen.

Das Buch ist wie das Haus. Der Leser ist wie Navidson, der sich in das unbekannte Mysterium stürzt. Ein Labyrinth voller Verschachtelungen, subtiler Hinweise und unerklärlicher Phänomene.
Das Buch ist ein Kunstwerk. Ein Experiment, von einem Autor, der sich viel Mühe gemacht hat, nicht einfach nur eine Geschichte zu erzählen, sondern ein Haus in einem Buch zu erschaffen, in das es den Leser förmlich hineinzieht. Ein Abgrund von einem Buch, das auch in den Leser zurückschaut. Neben den oben erwähnten Verschachtelungen der vier Erzählebenen verändert sich das Buch mit jeder Seite, wird immer undurchsichtiger, bis die Buchstaben anfangen, ein Eigenleben zu beginnen. Sie tanzen kreuz und quer über die Seiten, stehen auf dem Kopf und auf der Seite und spiegeln Navidsons besessene Odyssee wieder.
Dadurch entsteht ein Labyrinth im Kopf des Lesers, das viele sicher überfordert oder zu sehr anstrengt. »Das Haus« ist keine leichte Lektüre. Es verlangt seinem Leser höchste Konzentration ab, und die Bereitschaft Konventionen zu überschreiten. Das Buch ist nicht einfach eine unterhaltsame Lektüre, wie ein kurzer Wochenendausflug. Es ist eine Reise ins Herz der Finsternis.

Danielewski gelingt es dabei, seine Erzählwerkzeuge der Form des Inhaltes anzupassen, sie zu einer einmaligen Symbiose zu verschmelzen. Er ist ein genialer Architekt, der ein Monument aus Wörtern um den Leser herum konstruiert. Dabei orientiert er sich nicht an irgendwelchen Konventionen des Horrorgenres, die er weit hinter sich lässt. Er hat hier ein Werk erschaffen, das alle Genregrenzen sprengt und von vielen Kritikern mit Werken wie »Ulysses« von James Joyce oder »Die Enden der Parabel« von Thomas Pynchon verglichen wird. Ein unglaublich komplexes Werk, das jede Menge Wissen enthält, als habe der Autor all sein Können hineingesteckt. Ein Kraftakt, nicht nur für den Leser. Zehn Jahre hat Danielewski an diesem Brocken gearbeitet; eine lange Zeit, die man dem Roman anmerkt.

»Das Haus« ist kein Buch, das einfach so runter geschrieben wurde, weil jemand einen guten Einfall hatte, und Danielewski ist kein Autor, der schreibt, weil er gerade nichts Besseres zu tun hat. Er wurde 1966 als Sohn des polnischen Regisseurs Tad Danielewski und Priscilla Machold geboren. Ihm war früh klar, dass er Romane schreiben will und deshalb studierte er Literatur in Yale und Latein in Berkley, da ihm dies helfen würde einen Roman zu schreiben.
Mit seinem Nachfolgewerk »Only Revolutions« begibt sich Danielewski in ein anderes Genre und schildert die Geschichte zweier verliebter Teenager.

Auch wenn »Das Haus« noch im alten Jahrtausend entstand und im März 2000 erschien, hat es das Horrorgenre in ein neues Jahrtausend und auf eine neue Ebene befördert. Einen solches Werk hat es vorher nicht gegeben. Danielewski fordert viel von seinem Leser, und wer bereit ist, dies zu geben, darf sich auf eine vollkommen neue Erfahrung freuen, die einem das Fürchten lehrt, wie man sich vorher noch nicht gefürchtet hat. Nach der Lektüre des Romans habe ich die deutsche Ausgabe von Klett-Cotta in ein Bücherregal direkt meinem Bett gegenüber gestellt, und jeden Morgen beim Aufwachen und den ersten Strahlen des Tageslichts klafft dort im Regal dieser schwarze Abgrund, der finsterer ist als alles um ihn herum; der noch Monate nach dem Lesen des Romans einen starken Sog ausübte, der mich nicht loszulassen schien.
Danielewksi hat die Messlatte so hoch gelegt, dass es vermutlich weitere Jahrzehnte dauern wird, bis ein neuer Autor sie erreicht.

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Berlin: erste Eindrücke von 2010

Ich bin erst im Oktober 2009 nach Berlin gezogen. Berlin, diese moderne Metropole, die direkt am Puls der Zeit liegen soll; marode aber mit Stil. Das neue Paris oder New York. Vor allem war es in den Wintermonaten kalt, düster, dreckig und vereist. Eine matschig, glitschige Eiswüste, groß und anonym; eher abweisend als einladend. Nicht sehr futuristisch, eher sibirisch. Kaum einen Schritt konnte man machen, ohne dabei auszurutschen. Das „hochmoderne“ Verkehrssystem (in Berlin S-Bahn genannt) fiel ständig aus und ratterte ansonsten, als würde es dem Fünfjahresplan um 10 Jahre hinterher hinken.

Um mit der Zukunft Schritt zu halten, musste ich also zu Hause bleiben – im Warmen. Die Füße hochgelegt, einen SF-Schmöker in der Hand; oder im Netz surfend auf SF-Netzwerk.de oder SF-Fan.de. Die Zukunft fand überall statt, aber nicht in Berlin.

Das änderte sich am 24. April. Das Raumschiff Andymon kam, und mit ihm nicht nur die Zukunft, sondern auch der Sommer. Es war T-Shirt-Wetter, als ich die Startrampe hinaufschritt und die kalten, tristen Wintermonate hinter mir ließ. Ich war nicht der Einzige. Menschen, die ich sonst nur aus dem Internet kannte, unter obskuren Nicknames (meiner ist übrigens Pogopuschel), erschienen mir auf einmal in der dritten Dimension. Aber James Cameron hatte nichts damit zu tun, dass sich »SF-Freaks« wie ShockWaveRider oder Frank Böhmert in die Öffentlichkeit trauten. Nein, es war die Zukunft, die rief, und die will man möglichst mit Gleichgesinnten erleben.

Das Team um den SF-Club Andymon sorgte dafür, dass es in angenehmer und unvergleichlicher Atmosphäre geschah. Welcher Ort könnte besser für einen SF-Con sein, als Deutschlands größtes Planetarium. Die Räumlichkeiten waren unschlagbar und die großzügig bemessene Programmplanung sorgte dafür, dass man zwischen den Programmpunkten immer genügend Zeit hatte, zum Quatschen oder Bratwurstessen.

An dieser Stelle Herzlichen Glückwunsch zu 25 Jahren SF-Club Andymon, und auf die nächsten 25.

Das sind meine ersten schriftlichen Eindrücke von Berlin, nach meinem Umzug in die Hauptstadt 2009. Anlass war die Fanconvention Andycon 2010 im Zeiß-Planetarium. Hier geht es zum vollständigen Bericht.

Epische Fantasy von Frauen (2): Der Quell der Finsternis von Margaret Weis u. Tracy Hickman

Wie in diesem Beitrag angekündigt, stelle ich hier einen weiteren epischen Fantasyroman vor, der von einer Frau geschrieben wurde. In diesem Fall handelt es sich allerdings um ein Autorenduo (das vor allem durch die Drachenlanze bekannt ist), von dem eine Hälfte trotz des Namens Tracy männlich ist.

Die Rezension habe ich vor über 10 Jahren, für die Seite X-Zine.de geschrieben, in meinem Zimmer im Studentenwohnheim in Siegen, ungefähr um 3.00 Uhr morgens, direkt nach Beendigung der Lektüre. Das weiß ich noch genau, aber an das Buch erinnere ich mich kaum. Da ist dringend eine Re-Read angesagt. Das Buch ist aktuell (wie alle Bücher von Weist) leider nur gebraucht erhältlich). Weis und Hickman hatten ihre große Zeit in den 80er und 90er Jahren.

Was sich der Verlag bei diesem Cover nur gedacht hat?

Was sich der Verlag bei diesem Cover nur gedacht hat?

Dem neunjährigen Gareth wird die Ehre zuteil, eine Stellung am Hofe des Königs von Vinnengael anzutreten. Und zwar als Prügelknabe des Prinzen Dagnarus. Gareth schließt schnell Freundschaft mit dem Prinzen, gerät dabei jedoch in eine Abhängigkeit, die er später bitter bereuen wird. Zur gleichen Zeit tritt der Elf Silwyth, Spion des Schildes (Kriegsherr der Elfen), die Stellung als Hofkämmerer des Prinzen an. König Tamaros erhält von den Göttern den Stein der Könige, um Einigkeit zwischen den Völkern der Elfen, Orks, Zwerge und Menschen zu schaffen. Doch der Stein hat auch einen Haken. Während Prinz Helmos, der Thronerbe, zum Paladin wird, strebt Dagnarus selbst nach dem Thron. Dabei verfällt er der Magie der Leere und bringt Unheil über das Land.

Langsam und mit Ruhe führen Weis und Hickman den Leser in die Geschichte ein. Auf den ersten 250 Seiten wird beschrieben, wie Gareth Prinz Dagnarus und den königlichen Hof kennen lernt. Dies wird so ausführlich gemacht, dass man jeden Gang, jedes Zimmer und jeden Brauch direkt vor Augen hat. Es wird allerdings nie langweilig, denn mit einer Prise Humor beschrieben, lernen wir auch die anderen, dem Fantasyleser wohlbekannten Völker kennen. Doch in diesem Roman sind die Rassen alle ein wenig anders als gewöhnlich. Da wären die Orks, die in dieser Welt ein abergläubisches Volk von Seefahrern sind, deren Oberhaupt der Kapitän ist. Die Zwerge sind erstaunlicherweise ein Reitervolk (wer hätte das gedacht). Anstatt in Höhlen zu leben, lieben sie die Weite der Steppe. Und die Elfen weisen einige Parallelen zum alten Japan auf. Geistiger Führer ist der Göttliche, in Japan der Tenno (Kaiser). Der Schild des Göttlichen ist dementsprechend der Shogun (der oberste Kriegsherr). Die Elfen leben nach einem Kodex, der sehr dem der Samurai ähnelt. Verliert ein Elf seine Ehre, wird von ihm erwartet, dass er um Beendigung seines Lebens bittet. Allerdings hat ein Elf auch keine Hemmungen, einen anderen hinterrücks zu erstechen. Die Magie dieser Welt ist den Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft gewidmet. Das fünfte Element ist die Leere, deren Lehre verboten ist.

Nach 250 Seiten kommt die Geschichte dann, mit einem Zeitsprung von zehn Jahren, langsam in Fahrt. Die Fronten werden immer klarer und das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Obwohl die Positionen fast aller Figuren von Anfang an klar sind, gelingt es den AutorInnen, ein Netz von feinsinnigen Intrigen zu spinnen. Die interessanteste und tragischste Figur ist hierbei Gareth, der es einfach nicht schafft, dem Einfluss des Prinzen zu entkommen. Obwohl dieser ein durchaus sympathisches Weichei ist, ist er neben Gareth eigentlich der »Böse«. Dadurch trägt er einen entscheidenden Teil zum verhängnisvollen Schicksal Vinnengaels bei.

Überraschenderweise hat der Verlag diesmal das Buch, obwohl 637 Seiten lang, in einem Band herausgebracht. Als erster Teil einer Reihe, von der drei Teile erschienen sind, hat der Roman trotzdem eine abgeschlossene Handlung. Und ich muss sagen, dass mich das Ende doch überrascht hat. Der zweite Band, »Der junge Ritter«, spielt 200 Jahre in der Zukunft, es tauchen dort allerdings einige bekannte Figuren wieder auf. Abgeschlossen wird die Trilogie durch »Die Pforten der Dunkelheit«, das im Frühjahr 2004 erschien.

Wer schnelle Action und große Schlachten wie in den Drachenlanze-Romanen erwartet, der wird enttäuscht werden. Doch wer Zeit und Geduld aufbringt, sich ruhig, ausführlich und nicht ohne Humor in das Buch einführen zu lassen, der wird mit einer detailreichen und faszinierenden Welt belohnt sowie einer spannenden Geschichte, deren Ereignisse sich am Ende überschlagen.