Aktuelles: phantastische Netzstreifzüge 5

Ich war wieder im Netz unterwegs und präsentiere und kommentiere hier die Interessantesten phantastischen Links der Woche.

Eine traurige Meldung, phantastische Kundenpflege, dampfender Punk, Hirngespinste von der Zukunft, naiver Zynismus, Fantasy als Religion, geekiges Geschimpfe, Plage Menschheit und die Leipziger Buchmesse.

Ganz aktuell: Lucius Shepard ist im Alter von 66 Jahren verstorben:http://lairdbarron.wordpress.com/2014/03/20/lucius-shepard-1947-2014/

Einer der vielen Autoren, die ich immer mal lesen wollte, es aber nie geschafft habe. Werde ich bald nachholen. In Deutschland war er nur einer ausgwählten kleinen Schar bekannt, sein „Ein Handbuch amerikanischer Gebete“ ist 2006 bei der Edition Phantasia erschienen, die noch drei weitere seiner Werke auf Deutsch rausbrachten. In den 90ern sind ein paar Bücher von ihm bei Heyne und Bastei erschienen.

In Zeiten von E-Books, Amazon und großen Buchhandelsketten wie Thalia haben es kleine unabhängige Buchhandlungen schwer. Da muss man sich was einfallen lassen. Die beste Buchhandlung der Welt – das Otherland in Berlin – betreibt aktive Kundenbindung, in dem es verschiedene Veranstaltungen für Freunde der Phantastik anbietet. Einmal im Monat geht es zum Gatherland, wo es in gemütlicher Runde meist um ein vorher angekündigtes Thema (z. B. Iain Banks oder George R. R. Martin minus „Game of Thrones“) sowie eine Favoritenvorstellungsrunde der Gäste geht. Daneben gibt es jetzt auch einen monatlichen Rollenspielabend, über den das Deutschlandradio Kultur berichtet. Eine tolle Sache, diese Abende im Otherland vermisse ich hier in meinem Westerwälder Exil sehr.

Vereinzelt bin ich bereits in den 90er Jahren mit Steampunk in Berührung gekommen. So richtig los ging es mit diesem Genre aber erst in den letzten 5-10 Jahren. Als Verkaufserfolg konnte sich dieses illustre Genre aber nicht so recht durchsetzen (trotz der kostümierten Subkultur, die sich da entwickelt hat). Bei den Verlagen gilt es als Gift in den Regalen, wie auch Autor Chris Wooding auf SF-Signal.com in einem Gastbeitrag beschreibt. Ansonsten geht er ganz kurz darauf ein, wann er Steampunk zum ersten Mal wahrgenommen hat und nennt ein paar interessante Titel. Ich lese Steampunk ganz gerne, suche aber nicht gezielt nach solchen Titeln.

Auf dem neuen SF-Portal Die Zukunft von Heyne, fordert Hartmunt Kasper  weniger Seriosität in der Science Fiction. Autoren sollen sich doch bitte um unterhaltsame Geschichten und atemberaubende Zukunftsvision kümmern, und weniger um realistische Zukunftsprognosen, wie sie z. B. Isaac Assimov für das Jahr 2014 gemacht hat. Ich finde, die Mischung macht’s. Ich will sowohl „Hirngespinste“ als auch realistisch angehauchte SF. Wichtig sind in der SF nicht nur die technischen Prognosen, sondern auch die gesellschaftlichen.

Auf io9.com fragt Esther Inglis-Arkell, ob naiver Zynismus zu einem Problem in der Literatur geworden ist. Problem würde ich nicht sagen, aber er liegt schon im Trend. Zynische Grim-and-Gritty-Fantasy ist seit dem TV-Erfolg „Game of Thrones“ in der Fantasy sehr gefragt, Gleiches gilt für die SF seit Richard Morgans „Altered Carbon“ („Das Unsterblichkeitsprogramm“), wenn auch nicht in solchem Ausmaß. Zynische TV-Serien wie „Breaking Bad“ oder „House of Cards“ prägen die kulturelle Landschaft zurzeit sehr stark. Ich mag solche Stoffe, habe aber auch gerne etwas Abwechslung und liebe auch differenzierte und naiv optimistische Blicke auf die Welt.

Ich wusste gar nicht, dass ich einer neuen Religion angehöre. Ich verlinke dieses Interview mal ohne weiteren Kommentar, aber mit einem Breitmaulfroschgrinsen auf dem Gesicht.

Im Fandom gibt es so einige Grundsatzdiskussionen, die einfach zeitlos sind. Was in der Musik die Frage Beatles oder Stones (Beatles!) ist, ist in der Science Fiction Star Trek oder Star Wars; oder spezifischer „Deep Space Nine“ oder „Babylon 5“. SF-Signal nennt das Geek-Diskussionen und hat zahlreichen Fandomgrößen und Autorinnen die Frage gestellt:

What was the first or most memorable geeky pop-culture debate you ever had? Or what’s that one thing you can’t stop ranting about? What was the outcome? Are you still on speaking terms with your opponent? Why are you so passionate about this?

Quelle: http://www.sfsignal.com/archives/2014/03/mind-meld-epic-geek-debates-rants/#more-90876

Also:

„Was war Eure erste oder denkwürdigste popkulturelle Geek-Diskussion? Oder, was ist die eine Sache, über die du gar nicht aufhören kannst, dich aufzuregen? Was ist dabei herausgekommen? Redest du noch mit deinem Streitgegner? Warum liegt dir das so am Herzen?“

Ich muss da erst einmal drüber nachdenken. Wird dann ein extra Blogeintrag.

Sollte die Menschheit nicht langfristig von der Erde verschwinden.“ So begann ein etwas wirrer und leicht depressiver Eingangspost im SF-Netzwerk. Ich schenkte dieser wilden These zunächst keine weitere Beachtung. Trotzdem hat sich daraus (ohne Beteiligung des Initiators) daraus eine ganz interessante Diskussion über Evolution, Intelligenz (was ist das eigentlich?) und die Zukunft der Menschheit entwickelt.

Ralf „Lapismont“ Steinberg vom Fantasyguide, geschätzer SF-Dinierer und mein ehemaliger Berliner Kinopartner war auch auf der Leipziger Buchmesse. Am Samstag mit Familie und einigen besuchten Programmpunkten. Hier sein Bericht.

Die Links hier und meine Meinung dazu dürfen auch gerne kommentiert werden.

Zum Schluss wünsche ich Euch allen noch ein phantastisches Wochenende.

7 Gedanken zu “Aktuelles: phantastische Netzstreifzüge 5

  1. Danke für die netten Worte über’s Otherland! Wir hatten gestern wieder eine sehr schöne Zusammenkunft, schade, dass du nicht dabei warst – vielleicht bist du ja mal wieder zu passender Zeit in Berlin!

  2. Mal sehen, ob es im Sommer passt. Das gestrige Gatherland habe ich ja um eine Woche verpasst. Dafür konnte ich mich mit Simon nett unterhalten und das von dir empfohlene „Ancillary Justice“ kaufen.

  3. Hast du schon reingelesen? Da bin ich ja sehr gespannt auf andere Meinungen – das Buch hat mich schon sehr gepackt, ein paar Sachen sind aber in der Schwebe, und ich glaube, endgültig sicher sein, was ich davon halte, werde ich mir erst, wenn der nächste Band rauskommt …

  4. Noch nicht, bei mir staut es sich gerade ein wenig. Muss erst noch „Gone Girl“ aus der Bücherei fertig lesen, dann folgen die „Shining Girls“ von Laura Beuken und Volker Kutschers „Die Akte Vaterland“, bevor es für mich wieder in phantastische Gefilde geht. Wobei „Shining Girls“ ja auch Phantastik ist.

  5. Meine erste Geek-Diskussion ging Anno 1993 darum, wem die Droiden in Star Wars gehören. Luke, Obi Wan oder Leia …
    Das war noch in einer Usenet-Gruppe

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