Leipziger Buchmesse 2014

In diesem Jahr bin ich zum ersten Mal (leider nur für einen Tag) auf die Leipziger Buchmesse gefahren (in Frankfurt war ich einmal vor 10 Jahren, da war es mir aber zu voll und uninteressant).

Los ging es bereits am Mittwoch den 12. März, mit dem Flieger nach Berlin. Dort stöberte ich zum ersten Mal seit fünf Monaten wieder stundenlang im Otherland (der besten Buchhandlung der Welt. Da ich nur mit einem Rucksack unterwegs war, blieb es aus Platzgründen zunächst bei einem Buchtitel („Gateway“) von Frederick Pohl.

Danach weiter nach Köpenick, wo im Ratskeller der SF-Treff oder das SF-Dinner (wie es jetzt heißt) stattfand. Dieses Treffen Berliner SF-Fans ist mir in den letzten vier Jahren in der Hauptstadt eine liebgewonnene Tradition geworden, die mir jetzt im Westerwald sehr fehlt. Hier gibt es einen Bericht von Frank Böhmert über das Treffen.

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Quelle: Das Foto machte eine nette Dame vom Nebentisch mit dem Smartphone von Rene, ich habe es mir in dieser bearbeiteten Fassung im Blog von Frank stibitzt.

Von links nach rechts: Rene „Agro“ Nowotny, Anonymus (der die Furcht der Weisen vor seinem Namen im Internet pflegt), Frank Böhmert, Ralf „Lapismont“ Steinberg vom Fantasyguide und ich. Später kam noch yiyippeeyippeeyay dazu, der sein Bild aber auch nicht gerne im Internet sieht.

Übernachtet habe ich dann in der Casa Böhmert, nicht wie angekündigt unter Palmen, dafür aber unter Paradiesvögeln.

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Franks Sohn Ben – der übrigens auch regelmäßiger Besucher des SF-Dinners und SF-Leser ist – war so nett, mir sein Zimmer zur Verfügung zu stellen.

Am Donnerstag ging es dann um 7.00 Uhr los zum Südkreuz, von wo der Interconnex direkt zum Messegelände in Leipzig gefahren ist. Es war eine gemütliche, ruhige Zugfahrt, auf der ich die ersten beiden Kurzgeschichten von Ted Chiang in „Das wahre Wesen der Dinge“ lesen konnte. Am Südkreuz habe ich übrigens auch schon meine Captain-Future-Mitübersetzerin Frauke Lengermann getroffen.

Nach Ankunft in Leipzig um ca. 9.40 Uhr ging es bei strahlendem Sonnenschein gemütlichen Schrittes Richtung Messegelände; ich musste einfach nur den Menschenmassen folgen. Auffällig waren die vielen Schulklassen, die hier unterwegs waren.

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Hier der Vorplatz zum Messegelände. Hinten sieht man die an ein riesiges Gewächshaus erinnernde Messehalle, die aus zwei durch einen Tunnel verbundenen Bereichen besteht, von denen es seitlich in insgesamt fünf Messehallen abgeht. Das wirkte auf den ersten Blick schon sehr einladend und freundlich. Beim Einlass gab es weder eine Schlange noch Gedränge.

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Hier der Eingangsbereich von innen.

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In der ersten Etage ging es seitlich durch Glastunnel in die jeweilgen Messehallen 1-5. Da gab es vor dem Einlass um 10.00 Uhr doch etwas Gedränge.

Ich bin ganz ohne Plan auf die Messe, ohne zu wissen, wer wo und wann liest, wer überhaupt da ist und was es sonst noch an Veranstaltungen stattfindet. Deshalb war mein erster Anlaufpunkt der Stand des Golkonda Verlags, für den ich Captain Future übersetze.

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Hier hängt Verlagsmitbesitzer Karl-Heinz Schlögel noch auf den letzten Drücker die von Lansdale-Übersetzerin Heide Franck (rechts im Bild) mitgebrachten Banner von Captain Future und Hellboy auf, während sich sein Partner Hannes Riffel nicht gerade von seiner besten Seite präsentiert. 😉 Der Stand befand sich auf der Leseinsel Fantasy in Halle 2, wo der sehr kleine Bereich mit wenigen Phantastikständen neben den ganzen Schulbuchverlagen etwas verloren und thematisch deplatziert wirkte. Dafür sorgte auch die große Freifläche in der Hallenecke direkt daneben – als hätte man die „Schmuddelfantasy“ irgendwo in die hinterste Ecke abschieben wollen.

Weitere zahlreiche Bilder (auch mit mir) vom Golkonda-Stand gibt es beim Golkonda-Insider. Wie dieses hier zum Beispiel:

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Quelle: Golkonda Insider, Fotograf: Karl-Heinz Schlögel

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Das ist die Leseinsel, auf der Fantasyautoren aus ihren Werken vorgelesen haben. Wie z. B. Oliver Plaschka (siehe unten). Den kenne ich durch Facebook und Twitter, und hatte sein Buch „Die Magier von Montpernasse“ am Tag vor der Buchmesse noch in der Hand. Auf der Messe wollte ich mich nur mal kurz hinsetzen, und plötzlich betrat der Meister die Bühne und las aus „Das Licht hinter den Wolken“. Ein schöner Zufall. Am nächsten Tag habe ich mir dann noch die „Magier“ im Otherland gekauft. Die Akustik der Leseinsel war erstaunlich gut, vor allem dafür, dass rundherum ständig Leute und vor allem Jugendliche lautstark unterwegs waren.

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Auch zufällig kam ich bei Denis Scheck vorbei, der gerade ein Best-of-Druckfrisch zum Besten gab und auf der Bühne vom Guten, Schönen und Wahren in den Romanen „N/W“ von Zadie Smith und „Der Distelfink“ von Donna Tartt schwärmte. Beides Autorinnen, deren bisherige Werke ich mit großer Begeisterung gelesen habe.

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Ansonsten habe ich es größtenteils versäumt, Fotos zu machen. Am Nachmittag habe ich mich mit den Forumosen und ÜbersetzerInnen Gerd Rottenecker und Simone Heller getroffen, die an ihrem Anreisetag nach Leipzig direkt nach einer langen Autofahrt extra schon auf die Messe kamen, um sich mit mir zu treffen. Das wurde dann auch ein tolles und interessantes Gespräch mit leckerem Kuchen und Schokodonuts. Die Verleihung des Phantastikpreises Seraph habe ich dadurch allerdings verpasst.

Kurz unterhalten habe ich mich auch noch mit Jürgen Schütz vom Septime Verlag, den ich vor allem als Joe Chip im SF-Netzwerk kenne, und der in den letzten Jahren mit seiner  Werksausgabe von James Tiptree Jr. für Furore sorgte. Meinem Gastgeber Frank Böhmert konnte ich dann noch sein Belegexemplar von „Doktor Ain“ nach Berlin mitbringen.

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So sah die Eingangshalle gegen 19.00 Uhr aus. Um 18.00 Uhr schloss die Messe und die Besucher wurden gebeten, sich unauffällig zu den Ausgängen zu begeben. Ich habe mich einfach unter die Aussteller und Fachbesucher vom Golkonda Verlag geschmuggelt. Mit den Golkondianerinnen Heide Franck, Frauke Lengermann, Brigit Herden und Petra Knese ging es unter einem farbenprächtigen Abendhimmel zum Bahngleis 2, wo eigentlich um 19.28 Uhr der Interconnex nach Berlin abfahren sollte. Nur kam der nicht. Bei der verrauschten Durchsage bezüglich einer Verspätung ließ sich nicht genau heraushören, ob sich der Zug um vierzehn oder vierzig Minuten verspäten würde. Es wurden dann sechzig, was aufgrund der sinkenden Temperaturen und unserer leichten Frühlingskleidung nur bedingt angenehm war. Auch mein Heimflug nach Köln Bonn am nächsten Tag sollte sich um eine Stunde verspäten.

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Mein erster Besuch auf der Leipziger Buchmesse hat sich auf jeden Fall gelohnt; zwar nicht in beruflicher Hinsicht, aber doch in persönlicher. Es war ein interessanter Tag, mit vielen spannenden Gesprächen, ich habe Leute wiedergetroffen, die ich sonst nur selten zu Gesicht bekomme und den einen oder anderen interessanten Programmpunkt erlebt. Im nächsten Jahr werde ich aber womöglich zwei Tage einplanen. Zu den Programmpunkten zum Thema Hörspiel habe ich es ebenso wenig geschafft, wie in die Mangahalle. Ich hoffe, dass die Fantasyinsel nicht noch kleiner und in Zukunft wieder thematisch besser platziert werden wird.

Nachtrag: Ich war übrigens nicht der einzige westerwälder Phantast auf der Buchmesse. Auch Autorin Alessandra Reß hat es nach Leipzig verschlagen, wie man in ihrem lesenswerten Bericht nachlesen kann. Auch sie hat übrigens die Reise zur Messe für einen Abstecher nach Berlin genutzt.

Ralf Steinberg (siehe erstes Foto) war mit der Familie am besucherstarken Samstag auf der Messe. Seinen Bericht kann man hier lesen.

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