Parque Oziel – Eintrag 12: Sport, Religion, Tiere und ein Fazit

Ein letzter Ausflug nach Brasilien; der letzte Teil meiner Diplomarbeit. Die anderen gibt es hier

Parque Oziel im Ganzen

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Hier hat der Fotograf versucht, möglichst viel von Parque Oziel auf ein Foto zu bekommen, und es ist ihm gut gelungen. Zwischen den Häusern, von denen viele eine Antenne auf dem Dach haben, und den grünen Bäumen, die vereinzelt zwischen den Häusern emporwachsen, kann man den Linienbus sehen, der etwa alle 90 Minuten durch die staubigen Straßen Oziels fährt. Am linken Bildrand genau in der Mitte, kann man erkennen, wie sich die Kirche über die anderen Dächer erhebt. Der Himmel ist eine Mischung aus Weiß und Blau. Die Wolken hängen beeindruckend tief über der Szene.

Das Bild spiegelt sämtliche in Oziel vorherrschenden Farben wieder. Das Grün der Bäume und Sträucher, das Braun der Straßen, das Rot der Ziegelbauten und das Grau der Wellblechdächer. Ich kann mir vorstellen, dass die Kinder durchaus stolz auf ihre Siedlung sind, wenn sie aus dieser Perspektive auf sie nieder schauen.

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Für mich persönlich ist dies das schönste Foto. Dem Fotografen ist es perfekt gelungen, den Sportplatz genau im Zentrum des Bildes festzuhalten; eingebettet in das Grün der unmittelbaren Umgebung. In der weiteren Umgebung sieht man, wie sich Häuser als kleine weiß-rote Punkte aus dem kräftigen Grün abheben. Auf dem Sportplatz kann man die Abwässer sehen, die leider aufs Fußballfeld laufen und sich hinter dem rechten Tor in einem sumpfigen Morast sammeln.
Der Sportplatz fügt sich nahtlos in die restliche Umgebung ein, und zeigt, wie untrennbar Parque Oziel und der Fußball miteinander verbunden sind. Ein Leben ohne Fußball ist für diese Kinder nicht vorstellbar. Fußball ist in Brasilien eine Art Religion.

5.6 Sport

Nachdem ich gezeigt habe, wie eng der Fußball mit dem Ganzen verbunden ist, komme ich nun zum Sport im Speziellen. Hier sticht der Fußball natürlich hervor. Brasilien ist in der ganzen Welt als große Fußballnation bekannt, und es gibt sicher kaum einen Fußballfan auf der Welt, der Pelé nicht kennt. Im Fußball liegen auch alle Hoffnungen der Jungen. Zehn Jungen gaben in ihrem Steckbrief als Zukunftswunsch an, Fußballspieler werden zu wollen. Sie träumen davon der nächste Pelé, Ronaldo oder Ronaldinho zu werden. Das tun viele Kinder in Deutschland auch, aber für die Kinder aus der Favela ist Fußball die einzige zumindest halbwegs realistische Chance aus der Armut zu kommen – auch wenn sie verschwindend gering ist.

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Hier sieht man die Kinder beim Fußballtraining mit Joao. Das Tor ist kleiner als normalerweise, der Platz uneben und entspricht nicht den Standardmaßen. In Deutschland würde man ihn als Bolzplatz bezeichnen. Doch für die Kinder bedeutet dieser Platz – der 1998 vom Canario und einigen Helfern in Eigenarbeit gebaut wurde – viel. Fußball ist etwas, für das man kein Geld braucht. Man muss nur zwei Füße und einen Ball haben. Es tragen auch nicht alle Kinder Fußballschuhe – was auf diesem Bild schwer zu erkennen ist. Viele spielen mit normalen Turnschuhen.

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Gemäß der traditionellen Rollenverteilung in Oziel spielen die Jungen Fußball und die Mädchen Volleyball. Auch wenn auf diesem Bild hauptsächlich Jungen zu sehen sind. Es ist der Sportplatz, auf dem die Schule ihren Sportunterricht macht. Da müssen dann auch die Jungen mal Volleyball spielen.

Die Mädchen hegen allerdings nicht die gleichen Träume vom Volleyball wie die Jungen vom Fußball. Nicht ein Mädchen hat geschrieben, dass sie Volleyballspielerin werden möchte.
Ich bin überrascht, auf dem Platz kleine Flutlichtmasten zu sehen, die es ermöglichen auch im Dunkeln zu spielen. Was sicher eine gute Sache ist, da es im Süden Brasiliens – also auch in Campinas – im Sommer bereits um 19.00 Uhr dunkel wird. Am rechten Bildrand ist auch noch ein Basketballkorb zu erkennen. Hinter dem Platz sieht man einige der wenigen zweistöckigen Häuser von Parque Oziel. Bis auf zwei Personen tragen alle weiße T-Shirts, und einige tragen lange Jeanshosen. Das lässt mich ein wenig daran zweifeln, dass es sich um eine reguläre Sportstunde handelt.

5.7 Religiöse Motive

Neben der Kirche wurden auch noch andere religiöse Motive fotografiert, die sich im Wohnhaus der Kinder befinden.

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Hier wurde eine Heiligenfigur fotografiert, wie man sie hauptsächlich aus der katholischen Kirche kennt. Dabei handelt es sich um die Jungfrau Maria. Die kleinere Figur links daneben kann ich nicht zuordnen. Es könnte von der Hautfarbe her vielleicht einer der Heiligen Drei Könige sein. Rechts neben den Figuren kann man ein kleines Poster sehen das, zwei junge Menschen zeigt, die in die Kamera lachen. Dieses Poster taucht auf den Fotos der Kinder öfters auf. Ich vermute, dass es sich dabei um ein Werbeplakat der religiösen Gemeinde der Bewohner Oziels handelt. Laut Prof. Fichtner handelt es sich dabei um eine Pfingstkirche, die den Menschen ihre Sünden vorhält und dafür, quasi als Ablass, Geld verlangt. Da ich aber nichts Genaues darüber weiß, werde ich hier auch nicht näher darauf eingehen und es auch nicht bewerten.

Religiöse Motive, Kreuze, Heiligenbilder, Bibelverse und eben diese Werbeplakate sind auf den Fotos immer wieder zu sehen. Sie zeigen, welch große Rolle Religion im Leben dieser Menschen spielt.

5.8 Tiere

Wenn man durch Oziel geht, sieht man vor allem Kinder und Tiere. Unzählige Hunde, die durch die Straßen toben.

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Hunde dominieren das Straßenbild von Oziel, doch wie man hier sehen kann, gibt es auch Katzen. Wobei ich mich nicht daran erinnern kann, selbst Katzen in Oziel gesehen zu haben.
Auf diesem Bild ist interessanterweise die Katze angeleint und nicht der Hund. Auf einem anderen Foto, auf dem nur diese Katze zu sehen ist, kann man die Leine noch deutlicher erkennen. Die beiden Tiere scheinen jedenfalls miteinander auszukommen. Ich kenne mich mit Hunderassen nicht sehr aus, würde diesen aber den Dackeln zuordnen. Ein Dackel wie man sie in Deutschland oft in Begleitung eines Försters sieht. Die Katze hat eine ungewöhnliche Mischung aus weißem und braunem Fell, mit einem schwarzen Schwanz.
14 Kinder haben in ihrem Steckbrief den Hund als ihr Lieblingstier angeben.

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Ich war sehr überrascht, als man uns in Parque Oziel auf eine kleine versteckte Farm führte, auf der es Schweine, Kühe, Pferde und einen Papagei gab. Hier präsentiert sich der Vater stolz mit nacktem Oberkörper auf einem Pferd. Er schaut grimmig von oben auf den Fotografen herab und erinnert dabei ein wenig an die stolzen Gouchos (brasilianische Cowboys), die man teilweise noch im Norden Brasiliens findet. Auf dieser Seitenaufnahme kann man nicht gut sehen, wie mager dieses Pferd ist. Auch die Kühe und die Schweine in Oziel waren sehr mager.

6. Abschließende Betrachtungen

Es ist eine Reise, auf die uns die Kinder mitgenommen haben. Eine Reise durch ihr Leben, ihren Alltag. Ich habe diese Reise sehr genossen und hoffe, dass es ihnen werter Leser ebenso erging. Ich hoffe, dass durch die Informationen die diese Diplomarbeit geliefert hat und vor allem durch meine Bildanalyse und Interpretation, es mir gelungen ist, die Reise so authentisch und ehrlich wie möglich zu gestalten. Ich hoffe sie haben den Gestank der Abwässer riechen könne, den Staub zwischen ihren Zehen gefüllt, die Hunde bellen gehört und die Kinder lachen. Ich hoffe sie konnten die grünen Bäume, Sträucher und Wiesen Oziels sehen ebenso wie die gezimmerten Bretterbuden und die gemauerten Häuser, und zwar durch die Augen von Kindern.

Bei 915 Aufnahmen ist es nahezu unmöglich – im Rahmen einer solchen Diplomarbeit – allen Bildern gerecht zu werden. Aber ich denke ich habe eine repräsentative Auswahl getroffen, die als Wegweiser durch das Leben der Favela dienen konnte. Eine Auswahl, die die wichtigsten Aspekte im Leben dieser Kinder zeigen.

Ich wollte herausfinden, ob sich die Kinder der Probleme ihrer Lebenslage bewusst sind. Wie tief dieses Bewusstsein geht, kann ich nicht sagen, dass es aber vorhanden ist, haben die Bilder gezeigt.

Und mögen diese Bilder noch so traurig erscheinen, ich sehe in ihnen vor allem Hoffnung. Hoffnung für die Kinder, die gezeigt haben, dass sie intelligent und aufgeweckt sind, und dass Potenzial für eine bessere Zukunft besitzen. Die Augen, durch die wir sehen, wenn wir diese Bilder anschauen, sind die Zukunft von Parque Oziel.

 

Nachtrag:

Ausstellung1

P1000102

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