Parque Oziel – Eintrag 11: Gebäude, Straßen und Natur

Trotz der Sommerpause gibt es heute neue Bilder aus Brasilien. Hier die vorigen Beiträge aus meiner Diplomarbeit von 2007: https://translateordie.wordpress.com/category/parque-oziel/

P.A.F
„Mutter ich bin im P.A.F.“, das ist der Lieblingssatz von Claudiney (siehe Steckbriefe). Wenn die Kinder nicht in der Schule sind, sind sie im Jugendzentrum P.A.F. Es gehen natürlich nicht alle die in die Schule gehen auch ins Jugendzentrum, aber doch eine hohe Anzahl. Haben sie morgens Schule, sind sie nachmittags dort und umgekehrt.

Abb 20Abb. 20
Hier wurde das Jugendzentrum von der Straßenseite aus fotografiert. Denn Schriftzug „P.A.F P.Q Oziel – Projeto Aprendendo do Futuro“ („Projekt Lernen für die Zukunft“) kann man gut lesen. Bis auf die eine Stelle, an der die Klimaanlage eingesetzt wurde. Sie klafft aus der Wand heraus, als sei sie mit einer Kanone hineingeschossen worden. Dahinter befindet sich der Computerraum. Die Klimaanlage ist notwendig, damit die Computer nicht überhitzen.

Die Steine vor dem Gebäude scheinen zu der Baustelle auf dem Nachbargrundstück zu gehören.
Das P.A.F. wurde bereits 1998 zusammen mit seiner Fußballschule gegründet (vgl. Thewes/Unverzagt, 2005). Die Absicht war, die Kinder von der Straße zu holen, damit sie dort nicht auf dumme (kriminelle) Gedanken kommen. Die Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich, oft den ganzen Tag. Sie bieten den Kinder Fußballtraining, Volleyball, Ping Pong und einen Computerkurs.

Abb 21Abb. 21
Man kann die Ausstattung des P.A.F. nicht mit der eines deutschen Jugendzentrums vergleichen. Wie wir hier sehen können, ist die Ping-Pongplatte eine umfunktionierte Tafel. Das Netz hängt schief, die Schläger haben keinen Griff und keinen Belag. Wenn man ins P.A.F. reinkommt, sieht man so gut wie immer mindestens zwei Kinder miteinander Tischtennis spielen. Wie hier zu sehen, auch unterschiedlichen Alters.

Das P.A.F. ist ein ambitioniertes Projekt, das versucht den Kindern Oziels eine sinnvolle Beschäftigung zu geben. Es lebt dabei von dem freiwilligen, ehrenamtlichen Engagement einiger Erwachsenen, die sich Sorgen um die Zukunft der Kinder machen.

Kirche
Die Kirche wurde insgesamt  sechsmal fotografiert, und ist damit eines der am häufigsten fotografierten Gebäude.

Abb 22Abb. 22
Wenn man die Kirche von der Straße aus betrachtet – wie auch der Fotograf auf Abb. 22 – muss man zwangsläufig nach oben schauen. Dominiert wird das Bild dabei von dem Mittelteil des Gebäudes, auf dessen Spitze das Kreuz steht. Direkt darüber liegen – drohend – dunkle Wolken. Beim betrachten dieses Bildes, kann ich den Zorn Gottes förmlich spüren. Dem Fotografen ist es gut gelungen diesen leicht drohenden Charakter der Kirche einzufangen. Für ein Kind muss dieser Blick nach oben noch einschüchternder wirken. Rechts von der Kirche sehen wir noch einen Teil des Gesundheitszentrums und links das P.A.F.

Die Kirche “Nossa Senhora De Guadalupe” wurde schon 1997 gebaut; es war die erste Kirche in Oziel. Bei der Landbesetzung ist es eine beliebte Taktik zuerst eine Kirche zu bauen, da die Behörden nur ungern eine Kirche einreißen. Brasilien ist ein sehr religiöses Land und Kirchen werden von den meisten Brasilianern respektiert.

Religion spielt im Leben der Bewohner von Parque Oziel eine große Rolle. Sie sind Evangelistas – eine religiöse Strömung, die sehr strenge Regeln hat. Sie trinken zum Beispiel keinen Alkohol.

5.5 Parque Oziel

Was natürlich auch häufig fotografiert wurde, ist Parque Oziel an sich. Dabei unterscheide ich drei Kategorien. Straßenszenen, Natur und Oziel im Ganzen.

Straßenszenen

In Brasilien spielt sich das Leben auf der Straße ab. Das ist natürlich eine pauschalisierende Aussage, aber diesen Eindruck habe ich bereits an meinem ersten Tag in Sao Paulo gewonnen. Ein Eindruck, der sich auch in Oziel bestätigen sollte.

Bei den Schotter- und Matchpisten fällt es schwer von Straßen zu sprechen, aber das sind sie.

Abb 23Abb. 23
Hier ein Beispiel für eine relativ gute Straße in Oziel. Eine Straße, die man mit dem Auto entlangfahren kann. Und in Oziel gibt es genug Menschen, die ein Auto besitzen.
Der Fotograf stand am linken Straßenrand. Die Straße füllt fast die gesamte rechte Bildhälfte aus und wird nach links gehend immer schmaler, bis sie in der oberen linken Ecke endet. Es ist nicht nur die Straße zu sehen sondern auch die Häuser an ihrer rechten Seite. Ein grünes – für Oziel relativ schönes – Gebäude. Man sieht auch die Strommasten und Leitungen, die die Häuser mit legalem Strom versorgen. Das war nicht immer so. Anfangs gab es nur an den Zufahrtsstraßen zu Oziel Stromleitungen, die von den Bewohnern illegal und unter Lebensgefahr angezapft wurden.

Abb 24Abb. 24
Auch wenn dieses Bild unscharf ist, zeigt es deutlich, wie die Straßenverhältnisse nach starkem Regen sind. Wir waren im Sommer dort, also zur Regenzeit. Es regnete alle drei bis vier Tage, und die Straßen sahen nach jedem Regen anders aus. Das bedeutet für die Bewohner erhebliche Probleme, müssen sie doch versuchen, das Wasser aus ihren Häusern zu halten.

Abb25Abb. 25
Hier sehen wir deutlich, was der Regen anrichten kann. Ein Mann versucht verzweifelt das, auf sein Haus zuströmende Wasser umzuleiten. Die Wassermassen reißen Match, Abwässer und Müll mit sich. Es wurden auch schon ganze Häuser weggespült.

Es ist ein trauriges Bild, das eine der Schattenseiten der Favela zeigt. Aus der Wahl dieses Motivs schließe ich, dass sich die Kinder der Problematiken der Favela durchaus bewusst sind, und sich mit ihnen auseinandersetzen. Obwohl die Straßen von Müll gesäumt sind, sehen wir links einen Müllbehälter, in dem der Müll für die Müllabfuhr gesammelt wird.

Natur
Die Landbesetzung Parque Oziel wurde auf einer grünen Fläche erbaut. Trotz des rasanten Wachstums an Wohnhäusern ist immer noch ein Teil dieser grünen Fläche erhalten.

Abb 26Abb.26
Hier ist es dem Fotografen gelungen, beides einzufangen. Die Häuser und die Grünflächen, die einer Symbiose ähnelnd ineinander übergehen. Die Farbe Grün dominiert das Bild, die braunen Häuser sind nur als kleine Punkte am Horizont zu erkennen. Obwohl Oziel ca. 30.000 Einwohner hat, wirkt es durch diese Mischung eher wie ein Dorf. Das graue sterile Beton- und Asphaltflair, das den Rest von Campinas dominiert, hat hier noch nicht Einzug gehalten.
Dieses Bild vermittelt Idylle. Ein gemütlicher Nachmittag im Grünen, während man die träge vorbeiziehenden weißen Wolken beobachtet.

Abb 27Abb. 27
Hier ein weiteres Bild, das eine idyllische Atmosphäre vermittelt. Ein schmaler sich gemütlich windender Bach, dessen Verlauf sich am oberen Bildrand in grünem Buschwerk verliert. Dabei handelt es sich um eine eher seltene Naturaufnahme. Reine Natur findet man unter den 915 Aufnahmen selten. Meist sind Gebäude mit drauf oder es wurde der Himmel fotografiert.

Abb 28Abb. 28
Dass die Idylle trügen kann, zeigt dieses Bild. Die Kinder scheinen sich der Müllproblematik in Oziel bewusst zu sein. Diese Stelle scheint ein Ort zu sein, an dem Müll abgeladen wird. So sauber und ordentlich die Häuser auch von innen aussehen, so vermüllt sind leider die Straßen und Teile der Landschaft.
Hier ist es dem Fotografen darauf angekommen sowohl die Natur als auch deren Verschmutzung einzufangen. Das runde Gebilde in der Mitte scheint ein Rohr zu sein. Vielleicht eines, das Abwässer leitet. Wobei es keine Kanalisation in Oziel gibt. Die Abwässer laufen direkt auf die Straße.

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