Buchempfehlung: Kathrine Scholes – „Die Regenkönigin“

Wie im Eintrag Sommerpause angekündigt, hier meine erste alte Buchrezension. Das Buch hatte ich damals nur besprochen, weil es sonst niemand übernehmen wollte. Eine Entscheidung, die sich richtig gelohnt hat. Vor zehn Jahren war das. Das Buch ist immer noch erhältlich. Nach Afrika habe ich es leider immer noch nicht geschafft. Ursprünglich ist die Rezension hier erschienen: http://roterdorn.de/inhalt.php?xz=rezi&id=3846

978-3-426-51192-3_Druck

Als Kate noch ein Kind war, wurden ihre Eltern – zwei Missionare – brutal in Tansania ermordet. Daraufhin verlässt sie Afrika und wächst in einem Waisenhaus in Australien auf. In ihrem neuen Leben als erwachsene Frau und Krankenschwester hat sie ihre afrikanische Vergangenheit verdrängt, in der Hoffnung damit auch ihren Schmerz zu verdrängen.

Doch als eine neue und ein wenig merkwürdige Nachbarin einzieht, holt sie ihre Vergangenheit wieder ein. Denn diese Nachbarin ist ein Teil ihrer Vergangenheit und erzählt Kate ihre Geschichte. Eine Geschichte davon, wie sie – ihr Name ist Annah – als junge Krankenschwester und Missionarin, nach Afrika geht, und das Land kennen und lieben lernt.

»Die Regenkönigin« ist die sehr emotionale und ergreifende Geschichte von Annah Mason. Angeregt durch die Briefe ihrer Tante, die auch Krankenschwester in Afrika war, entscheidet sich Annah, denselben Weg einzuschlagen. Voller Ideale und Träume tritt sie ihre Stelle als Missionarin in Tanganjika, dem heutigen Tansania, an. Doch schon bei ihrer Ankunft muss sie feststellen, dass die Realität anders aussieht, als sie es sich vorgestellt hat. Unerwartet wird sie zu einer Missionsstation versetzt, die mitten in der Wildnis liegt. Hier gelingt es der Autorin hervorragend, den Leser in die wunderschöne Landschaft Afrikas einzuführen. Man sitzt förmlich neben Ann im Zug und staunt über die unendliche Weite und Schönheit des Landes.

Im weiteren Verlauf der Geschichte wird geschildert, in welchen Konflikt die junge Missionarin gerät, die als gläubige Christin, einerseits die strengen Regeln der Mission befolgen, andererseits aber auch den Erfordernissen der afrikanischen Realität nachgeben möchte, die der gesunde Menschenverstand eigentlich gebietet. Der Roman läßt sich durchaus auch als Kritik am Missonars(un)wesen der letzten Jahrhunderte lesen. Die Missionare, die den Menschen in »unterentwickelten« Ländern zwar Gutes bringen, wie medizinische Versorgung, dies aber eindeutig auch als Köder benutzten, um die Menschen zum Christentum zu locken. Dabei wird keine Rücksicht auf die einheimische Kultur genommen und die Menschen sollen alle Traditionen und Gebräuche aufgeben, mit denen sie aufgewachsen sind und die ihre Kultur einzigartig machen. Annah und auch ihr Freund Mtemi, zeigen eindrucksvoll, dass es auch anders geht, dass es möglich ist, die Lebensweisen zweier Kulturen zu verbinden, ohne dass man eine davon aufgibt.

Die Geschichte fesselt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite an dieses fremde Land und lässt es ihn erfahren, als wenn er wirklich dort wäre. Das gelingt Kathrine Scholes vor allem durch die sympathischen Figuren. Vor allem durch die sympathischen einheimischen Figuren, wie dem Medizinmann Zani, dem Missionsangestellten Stanley und dem Stammeshäuptling Mtemi, der in Oxford Jura studiert hat. In dieser Geschichte sind die Einheimischen nicht die eindimensionalen Figuren, die sie in so vielen Abenteuerbüchern sind, in denen sie nur als exotische Dekoration dienen. Sie sind genauso Menschen mit Gefühlen, Träumen, Sehnsüchten und Ängsten, wie es die weißen »zivilisierten« Protagonisten auch sind.

Die Autorin führt uns tief hinein, in die Welt der afrikanischen Stämme, wie den Waganga oder den Massai, die vor dem vermeintlichen Dilemma stehen sich zwischen der alten, »primitiven« Lebensweise und der neuen, »zivilisierten« Lebensweise des weißen Mannes zu entscheiden. Sicher haben diese Völker noch einiges zu lernen, vor allem im Bereich der Hygiene, aber es gibt auch viel altes Wissen, das es Wert ist, bewahrt zu werden. Insofern können wir aus den Industriestaaten genauso viel von ihnen lernen, wie sie von uns.

Annah Mason ist eine beeindruckende und starke Frau, der es gelungen ist, zwei Welten zu verbinden, und dadurch ihrem Herz zu folgen. Ihre Geschichte zeigt aber auch, dass es oft ein schmerzvoller Weg ist, auf dem man nicht immer nur Glück findet. Der Roman zeigt auch ungeschminkt, den Schrecken der bis heute in Afrika herrscht. So leidet man als Leser mit der Protagonistin genauso wie man sich mit ihr freut.

Ich habe bisher nur wenige Bücher gelesen die so emotional ergreifend waren wie »Die Regenkönigin«. Während der gesamten Lektüre hatte ich das Gefühl direkt in Afrika zu sein. Ich habe die Hitze des Tages gespürt, den trockenen Staub auf meiner Zunge gefühlt, mich ständig nach Skorpionen und Schlangen umgesehen und die wunderschöne Landschaft genossen. Ich war richtig traurig, als ich das Buch beendet habe und zurück ins verregnete Deutschland kehren musste. Trotz aller Schreckenmeldungen, die man aus Afrika hört, habe ich durch das Buch nun richtig Lust bekommen nach Afrika zu reisen und würde mich am liebsten sofort in einen Flieger setzen. Ich kann das Buch wirklich jedem nur empfehlen. Wer schon mal in Afrika war, wird vieles wiedererkennen und sich über vieles Wundern, war er wohl verpaßt hat. Wer noch nicht da war, wird spätestens nach dem Lesen dieses Buches dorthin wollen.

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