Parque Oziel – Eintrag 7: Das Fotoprojekt „Vom Wesen der einfachen Dinge“

In diesem Eintrag geht es nun um die Durchführung des Fotoprojekts. Falls Ihr nicht wisst, was damit gemeint ist, hier findet ihr die bisherigen Einträge: Parque Oziel

Kapitel 4 meiner Diplomarbeit beginnt mit den Steckbriefen der Kinder. Die wurden vom Format eines brasilianischen Poesiealbums inspiriert. Da sie in ihrem Format schlecht in diesen Blog passen, habe ich sie hier als PDF Datei hinterlegt. Persönliche Daten, wie das genaue Geburtsdatum, der vollständige Name und die Namen der Eltern habe ich ebenso entfernt, wie die Fotos von den Kindern.

Steckbriefe der Kinder

Hier folgt jetzt die Beschreibung der Durchführung des Projektes. Einige der Fotos kommen in der Diplomarbeit nicht vor. Die habe ich extra für diesen Eintrag eingefügt:

4.2 Die Durchführung

Es gilt in Brasilien als höflich, zu einer Verabredung, eine Stunde zu spät zu kommen. Deshalb stand auf der Einladung zu diesem Treffen 9.00 Uhr – in der Hoffnung, dass bis 10.00 Uhr genügend Kinder anwesend sein würden. Als wir um 9.15 Uhr – zu spät zu unserem eigenen Treffen – im P.A.F eingetroffen sind, war der Raum gerammelt voll. Die Einladung hatte anscheinend neugierig gemacht.

Drei Tage zuvor

Die Plakate waren endlich fertig. Dreißig von Hand geschriebene DinA5 Plakate, die all diejenigen einluden, die Interesse an unserem Fotoprojekt hatten. Das war ein Haufen Arbeit, den wir ohne die tatkräftige Hilfe der Familie Campos nicht geschafft hätten. 9 Leute opferten ihren freien Tag – es war Karnevalsdienstag, ein Feiertag – um mit uns diese Plakate zu malen:

Durchführung1

In einer langen Sitzung mit Corinta, Wanderley und dem Canario hatten wir uns auf 30 Kinder in drei Gruppen geeinigt. In der ersten Gruppe sollten Kinder von 10 bis 12, in der zweiten von 13 bis 16 und in der dritten von 17 bis 25 Jahren teilnehmen. Besonders bei der letzten Gruppe gab es noch eine Diskussion mit dem Canario, da er diese Altersgruppe nicht mehr als Jugendliche sieht. In dem Alter ist man in der Favela bereits verheiratet und geht arbeiten oder man ist in einer Gang oder tot (Laut Prof. Wanderley sterben 70% der männlichen Jugendlichen in den Favelas, bevor sie dreißig sind.).Letztlich stimmte er aber doch zu.

Jetzt mussten wir die Einladungen nur noch unters Volk bringen. Doch anstatt einfach die Plakate aufzuhängen, hatte Wanderley die grandiose Idee, dass wir drei Studenten doch mit dem VW des Canarios durch Oziel fahren könnten, um dabei durch ein Mikrofon die Einladung vorzulesen. So würden die Leute wissen, dass wir wirklich Studenten aus Deutschland seien.

Neben dem Fahrersitz hatte der Bus des Canarios genau einen weiteren Sitz – den Beifahrersitz. Der wurde von Thomas belegt. Soleilla, Adailton und ich mussten auf die Rückbank. Nur gab es diese nicht. Es gab keine Sitze, sondern nur den harten, dreckigen Boden des VWs, was die Fahrt sehr abenteuerlich gestaltete. Um meine Hose nicht auf ewig zu versauen, konnte ich mich nicht hinsetzen. Zum Stehen war ich aber zu groß. Halb hockend, halb stehend versuchte ich mich irgendwie festzuhalten, während der –in meinen Augen schrottreife VW über die holprigen Straßen von Oziel ruckelte. Dabei musste ich auch noch das Plakat so halten, dass Thomas es lesen konnte. Der las nämlich, mit einem Mikrofon in der Hand, während der Fahrt die Einladung vor, die durch überdimensionierte Boxen auf dem Dach des VWs in ohrenbetäubender Lautstärke durch die ganze Favela posaunt wurde. In so starkem deutschen Akzent, dass niemand auch nur ein Wort verstand. Egal, die Leute wurden neugierig und kamen zum Canario gelaufen, um zu fragen, worum es ginge. So ging es zwei Stunden lang durch die Favela. Zwischendurch haben wir immer wieder Plakate an Geschäften und Kneipen aufgehenkt. Public Relations auf Brasilianisch.

Es funktionierte, wie die 30 Kinder, die an diesem brasilianischen Morgen um 9.15 Uhr vor uns saßen bewiesen. 30 Kinder, die vollkommen ruhig auf ihren Sitzen saßen und aufmerksam den Worten des Canarios lauschten. Worte, die wir mit unseren spärlichen Sprachkenntnissen kaum verstanden. Doch als wir unsere Namen hörten, war uns klar, dass wir nun an der Reihe waren. Der Canario hatte uns aufgerufen, damit wir uns den Kindern vorstellen. Er war dabei der geborene Lehrer und schaffte es spielend, dass wir uns alle gegenseitig vorstellten und dabei noch gegenseitig einige deutsche bzw. portugiesische Wörter beibrachten.

Durchführung2

Nach dieser ungewöhnlichen „Schulstunde“ ging es zur Gruppeneinteilung. Jeder, der an unserem Projekt teilnehmen wollte, musste sich bei uns schriftlich anmelden. Das heißt, eigentlich mussten wir die Formulare ausfüllen, während die Kinder uns ihre Namen und Daten gesagt haben. Dabei zeigte sich mir einmal mehr, wie gut es doch gewesen wäre, vor Antritt dieser Reise, richtig die Sprache zu lernen. Ich verzweifelte bereits bei der Buchstabierung der Namen, da die portugiesischen Buchstaben, ganz anders ausgesprochen werden, als man vermutet.

Durchführung3

Eine Stunde und mehrere Liter Schweiß später war es aber geschafft. 34 Kinder hatten sich angemeldet. Die geplante Gruppeneinteilung war allerdings hinfällig, da von den 17 – 25jährigen nur 2 Jugendliche da waren. In der Gruppe der 10 – 12jährigen hatten sich 11 angemeldet und bei den 13 – 16 Jährigen 23.

Vor Beginn dieses Projektes dachten wir, dass wir regelmäßig mit einer Schulklasse arbeiten könnten. Doch die Schulen in Brasilien lassen nur ungern Fremde hinein und so mussten wir improvisieren. (Später hat die Schule übrigens ihre Meinung geändert, als sie von unserem Projekt erfuhr, hat sie uns angeboten, jederzeit ihre Einrichtung zu nutzen. Aber dazu mehr im Unterkapitel über die Schule in Kapitel 5)

Nun mussten wir nur noch das nächste Treffen mit den Kindern ausmachen. Das übernahm der Canario, indem er für den kommenden Montag zu einem Ping-Pong Tunier zwischen Deutschland und Brasilien einlud. Was das nun mit unserem Projekt zu tun haben soll, konnte sich mir nicht ganz erschließen, aber ich habe auch nicht alles verstanden, was der Canario erzählte. Zu dem Zeitpunkt war ich auch so erschöpft, dass es mir ziemlich egal war. Wir beendeten das Treffen, und es blieb das ungute Gefühl, nicht zu wissen, wie es mit den Gruppen weiterging.

Ping-Pong

Montagmorgen, halb zehn in Brasilien – wo ist mein Ping-Pong Schläger? Richtige Tischtennisschläger gab es im P.A.F gar nicht. Nur etwas, das erahnen ließ, dass es sich dabei einst um einen Schläger gehandelt hat. Kein Belag, kein Griff, aber es hat funktioniert. Drei Deutsche spielten unterstützt von vier Brasilianern um die Ehre Deutschlands. Es wurde ein spannendes Turnier, bei dem jeder sein Bestes gab. Am Ende siegten die Brasilianer, aber nur weil der Canario uns so lange spielen ließ, bis Brasilien in Führung war.

Durchführung4

Und was hat das Ganze mit dem Fotoprojekt zu tun? Ich weiß es nicht, aber so läuft es nun mal in Brasilien und vor allem in Parque Oziel. Sport war schon in den vorangegangenen zwei Wochen ein guter Weg, um die Kinder kennenzulernen und um Vertrauen aufzubauen.
Als wir den Canario nach dem Fotoprojekt fragten, meinte er, dass wir uns doch am nächsten Tag mit den Kindern um 9.00 Uhr treffen würden. Davon wusste ich bis dato nichts.

Das erste Treffen

Das erste Treffen lief auch wieder sehr chaotisch ab. Der Canario erzählte wieder viel, von dem wir wenig verstanden. So langsam wurde uns klar, dass die Einteilung in drei Gruppen, so nicht funktionieren würde. Die Kinder hatten alle unterschiedliche Stundenpläne. Die einen mussten vormittags in die Schule, die anderen erst nachmittags, ganz unabhängig vom Alter. Das lag daran, dass die Schule mehr Klassen als Räume hat. Also war es auch an diesem Tag nichts mit Gruppenarbeit. Dafür ließen wir aber die Kinder, die da waren, die Steckbriefe aus dem vorigen Kapitel ausfüllen.

In meinem Tagebucheintrag für diesen Tag habe ich vermerkt, dass mich die chaotische Organisation ganz schön nerven würde. Ich hatte mich wohl noch nicht an die südamerikanische Art gewöhnt. Erst auf einem anderen Kontinent wurde mir bewusst, wie viel Wert ich doch auf „deutsche Tugenden“ wie Pünktlichkeit und Organisation lege.

Am nächsten Tag war es endlich so weit. Wir trafen uns mit unserer ersten Gruppe. Allerdings später als geplant. Denn als wir um 9.00 Uhr im Jugendzentrum ankamen, gab es vor der benachbarten Kirche eine Bürgerversammlung. Über 50 Leute standen und saßen vor dem Eingang der Kirche und führten eine erhitzte Diskussion mit dem Canario. Es gab seit Tagen kein Wasser mehr in Oziel. Während die Stadt dabei war, Rohre zu verlegen, hatte sie einfach das Wasser abgestellt. Für die Bewohner eine Zumutung. Sie konnten sich nicht waschen, die Toilettenspülung nicht nutzen und nicht kochen. Es war gerade Hochsommer und die Temperaturen überstiegen die 30 Grad täglich. Der Canario schaffte es, die Leute zu einem Protestmarsch zu überreden, der zunächst durch ganz Oziel ging, um noch mehr Leute zu mobilisieren. Wir haben uns diesem spontan angeschlossen, an Gruppenarbeit war zu dem Zeitpunkt nicht zu denken. Mit über hundert Menschen ging es in sengender Hitze los, allen voran fuhr – der uns allzu vertraute – Bus des Canarios.

Durchführung5

Durch die aufpeitschenden Parolen des Canarios schlossen sich immer mehr Menschen diesem Marsch an, der vorläufig am Zugang zur Autobahn endete. Es war eine der beiden wichtigen Autobahnen, die von Sao Paulo nach Campinas führen. Von dort rief der Canario bei der Stadtverwaltung an, und drohte mit der Sperrung der Autobahn, wenn nicht innerhalb von zwei Stunden eine Lösung für das Wasserproblem gefunden würde. Dass dies keine leere Drohung war, hatten die Bewohner Oziels bereits in der Vergangenheit erfolgreich bewiesen. Zwei Stunden später fuhren Tanklastwagen durch die Favela und verteilten Wasser an die Bewohner.

Durchführung6

Ich habe diese kurze Episode geschildert, um zu zeigen, wie wenig wir uns auf feste Planung verlassen konnten. Wie sehr uns aber diese „Unzuverlässigkeit“ am Leben der Bewohner teilnehmen lies. In der Favela führt man kein Leben nach festen Zeitplänen und unverrückbaren Terminen. Man muss das Leben so nehmen, wie es kommt, sich mit den ständigen Unwägbarkeiten arrangieren und ein gehöriges Improvisationstalent entwickeln. Aber am Ende funktioniert es meistens, und so klappte es auch mit unserer Gruppenarbeit nach Ende des Protestmarsches.

Die Idee der Alterseinteilung war längst vergessen, wir nahmen einfach, was da war. Es waren fünf Kinder, denen wir erst einmal grundlegende Sachen der Fotografie erklären wollten. Dafür drückten wir ihnen unsere Digitalkameras in die Hand und folgten ihnen durch Oziel. Wir wollten sehen, wie gut sie mit Kameras umgehen konnten. Es folgte eine unterhaltsame Wanderung zum Spielplatz, dem Sportplatz, der Schule und der Autobahnbrücke. Danach ging es in den Computerraum, wo wir uns die Bilder am Bildschirm anschauten und mit den Kindern darüber sprachen. Dabei zeigten sich die Kinder durchweg interessiert und konzentriert. Trotz der Sprachprobleme funktionierte die Kommunikation irgendwie, nicht zuletzt auch wegen der Hilfe von Adailton und Joao.

Am Ende der Sitzung verteilten wir die ersten fünf Einwegkameras und sagten den Kindern, dass sie nun eine Woche Zeit hätten, all das zu fotografieren, was ihnen etwas bedeutet. Z.B. ihre Freunde, Familie, ihren liebsten Ort oder ihrer Lieblingsgebäude. Wir machten ihnen auch klar, dass sie nur 24 Bilder zur Verfügung hatten und sich ihre Fotos sparsam einteilen sollten.

Joao ist eigentlich ein Kapitel für sich. Er ist der sehr füllige und stets fröhliche Trainer der Fußballmannschaft, der es sich trotz seines Gewichtes nicht zu schade ist, selber auf dem Platz mitzuspielen, wohlgemerkt bei 30 Grad im Schatten. Er ist so etwas wie die gute Seele des P.A.F. . Joao kennt die Namen aller Kinder und weiß, wann wer in der Schule ist und wann im Jugendzentrum. Dank seiner Hilfe konnten wir in den kommenden Tagen die Gruppenarbeit einigermaßen organisieren.

Bereits einen Tag nach der ersten Gruppensitzung konnten wir mit 15 weiteren Kindern weitermachen. Eine einheitliche Gruppengröße konnten wir vergessen. Wir mussten die Kinder so nehmen, wie sie kamen. Die Sitzung mit diesen 15 Kindern lief genauso ab wie die Sitzung mit den ersten fünf Kindern. Am Ende machten weitere 15 Hobbyfotografen die Straßen Oziels mit ihren gelb leuchtenden Kameras unsicher.

Mit den restlichen Kindern war eine einheitliche Gruppenarbeit leider nicht möglich. Bei einigen mussten wir auf die Fotoeinweisung verzichten. Sie bekamen einzeln von uns die Einwegkameras und eine kurze Bedienungseinleitung. Mehr war leider nicht drin. Dazu sollte ich noch erwähnen, dass wir einen sehr engen Zeitplan hatten. Zu diesem Zeitpunkt war bereits der 14. März. Am 3. April ging unser Flug zurück nach Deutschland. Bis zu diesem Datum mussten wir also den Kindern genug Zeit zum Fotografieren geben, die Bilder entwickeln lassen und eine Ausstellung organisieren und durchführen. Durch den deutschen Semesterbeginn am 14. April war es uns auch nicht möglich, unseren Aufenthalt in Brasilien zu verlängern.

Die Ausstellung wurde für Sonntag, den 26. März geplant, unseren letzten Sonntag in Brasilien. Dementsprechend mussten wir uns mit der Durchführung unseres Projektes ranhalten. Während ich einige Kameras noch an Kinder verteilt habe, habe ich sie von anderen schon wieder eingesammelt und zum Entwickeln gebracht.

Auf jeder Kamera stand der Name des entsprechenden Kindes, und die Mitarbeiter des Fotoladens waren so weitsichtig diese Namen auch auf die Tüte mit den Bildern zu übertragen – etwas, woran ich nicht gedacht hatte. Wir hatten nur mit dem ersten Bild der Einwegkameras das entsprechende Kind fotografiert, um ihm im Nachhinein, die Bilder zuordnen zu können. Ein Plan, der in einem chaotischen Desaster geendet wäre. War es doch bei über 50% der Filme ausgerechnet dieses erste Foto, das wir gemacht haben, das nichts geworden ist. Da haben uns die überaus freundlichen Mitarbeiter des Fotoladens – der die Filme teilweise innerhalb eines Tages entwickelt hat – eine Menge Arbeit erspart.

In den folgenden Tagen kam leider keine richtige Gruppenarbeit mehr zu Stande. Viele Kinder haben ihre Kameras bei Adailton und Joao abgegeben. So haben wir es immerhin noch geschafft alle Filme – ja es kamen alle Kameras zurück – rechtzeitig vor der Ausstellung zu entwickeln. Wir haben es auch noch geschafft, mit fast allen Kindern ein Videointerview über ihre Bilder und ihr Leben in Parque Oziel zu machen. Die Interviews führte Soleilla. Wegen der fehlenden Sprachkenntnisse – die sich innerhalb der letzten Wochen bei uns allen drei erheblich verbessert haben – fielen diese Interviews allerdings nicht so ausführlich aus, wie wir uns das gewünscht hätten.

Die Ausstellung sollte Sonntag den 26. März ab 9.00 Uhr stattfinden. Wir waren pünktlich und sehr überrascht, dass der Ausstellungsraum des P.A.F schon voller Menschen war, die auf Stühlen saßen und dem Canario, Corinta und einigen anderen Leuten von der Universität lauschten.

Wir hatten wieder mal nicht alles mitbekommen. Man nutzte die Ausstellung gleichzeitig zur Mitgliederversammlung des P.A.F., um über eine neue Satzung abzustimmen. Deswegen kann ich nicht sagen, ob die vielen Eltern nun wegen der Ausstellung oder der Versammlung gekommen sind. Das war aber auch egal, Hauptsache sie waren da, und die Kinder konnten ihren Eltern stolz die Fotos präsentieren. Dazu hatte jedes Kind bis zu fünf Bilder ausgewählt, die an den Wänden und den umfunktionierten Tischtennisplatten befestigt waren. Der Raum war gerammelt voll, es waren auch einige Studenten der Universität von Campinas gekommen, die einen Film über die Ausstellung drehten.

Durchführung7

Es waren sogar Mitglieder aus Thomas Gastfamilie gekommen, die sich vorher nie in die Favela hinein getraut hätten. Die Ausstellung war ein voller Erfolg, die Kinder begeistert und stolz und wir waren froh, dass wir den Kindern zumindest ein wenig zurückgeben konnten. Die Negative haben wir nach Deutschland mitgenommen, die Abzüge konnten sie behalten.

Bereits nach kurzer Zeit hatten wir gelernt, dass die Uhren in Brasilien anders ticken. Wir lernten, flexibel zu sein und zu improvisieren. Hätten wir starr an unseren vorgefertigten Plänen festgehalten, währen wir wohl verzweifelt gescheitert. Erst nachdem wir uns an brasilianischen Rhythmus angepasst hatten, wurde uns klar, „dass es schon irgendwie funktionieren wird“. Ich hätte mir zwar gewünscht richtige Gruppenarbeit machen zu können und mich auch besser mit den Kindern zu unterhalten, aber letztendlich bin ich froh darüber, wie das Projekt verlaufen ist. Die Kinder waren von Anfang an offen und freundlich zu uns. Sie haben sich mit uns unterhalten – auch wenn wir vieles nicht verstanden haben – sie haben neugierig Fragen über Deutschland gestellt, mit uns Fußball, Volleyball und Ping Pong gespielt, uns die stolz die Favela gezeigt und waren stets aufmerksam bei dem Fotoprojekt dabei.

4.3 Die Ergebnisse

900 Fotos von 34 Kindern. Erstaunlicherweise sind fast bei jedem Kind 23 Fotos pro Kamera etwas geworden. Nur bei einem Jugendlichen sind nur 13 Bilder etwas geworden, und diese auch meist sehr unscharf oder unterbelichtet. Interessanterweise war es ausgerechnet der Älteste von allen, der mit der Kamera nicht zurechtgekommen ist. Er war auch der Einzige, der seinen Steckbrief am Computer nicht selber ausfüllen konnte.

Insgesamt hat uns die gute Qualität der Bilder sehr überrascht. Zum einem hatten wir von den billigen Einwegkameras keine so gute Bildqualität erwartet. Zum anderen waren die Kinder größtenteils sehr sicher im Umgang mit den Apparaten. Von den 915 Bildern sind 121 nichts geworden, das heißt, sie sind unscharf, zu dunkel oder durch einen Finger verdeckt.

Größtenteils wurden Menschen fotografiert. 215 Einzelpersonen, 82 Aufnahmen von der Familie und 64 von Freunden. Ca. 64 Aufnahmen waren gestellte Szenen – wobei das ein reiner Schätzwert ist. 103-mal wurden Gebäude fotografiert, Innenaufnahmen von Wohnungen waren 64-mal dabei.

Im nächsten Kapitel habe ich die Fotografien bestimmten Kategorien zugeordnet. Zu Beginn habe ich alle aufgelistet und in Klammern dahinter geschrieben wie viele Aufnahmen es in diesen Kategorien gibt. Wobei viele Aufnahmen in mehrere Kategorien fallen und einige sich gar nicht zuordnen lassen.

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