Nordamerikastudien an der Freien Universtität (FU) Berlin – Teil 1

Vorweg: Alle Angaben hier sind natürlich ohne Gewähr. Wenn Ihr euch genauer informieren wollt, geht auf die Homepage des JFK-Instituts und informiert Euch bei der studentischen und universtitären Studienberatung.

Einige von Euch haben vielleicht schon mitbekommen, dass ich Nordamerikastudien studiere. Aber was ist das überhaupt? Das hier ist der erste Eintrag von einer Reihe, in der ich versuchen werde, den Studiengang etwas zu erklären.

Wie der Name schon sagt, geht es um Nordamerika. In erster Linie um die USA. Kanada kommt (zumindest an meinem Institut) nur am Rande, in wenigen Veranstaltungen vor. An anderen Universitäten ist der Studiengang auch als Amerikanistik bekannt. Wobei es da (scheinbar) leichte Unterschiede gibt.

Am John F. Kennedy Institut der Freien Universität Berlin versteht sich Nordamerikastudien als interdisziplinärer Studiengang mit verschiedenen Schwerpunkten aus unterschiedlichen Fachbereichen. Die da wären: Geschichte, Politik, Wirtschaft, Soziologie, Literatur und Kultur. Im Bachelorstudiengang muss man sich davon zwei Schwerpunkte aussuchen, auf die man sich, nach zwei Semestern mit einer Einführung zu allen Schwerpunkten, konzentriert.

Ich habe mich natürlich für die beiden Schwerpunkte entschieden, mit denen man die schlechtesten Berufsaussichten hat: Literatur und Kultur. 🙂

Aber zunächst ein paar allgemeine Infos. An der FU in Berlin liegt der NC (Numerus clausus) allgemein recht hoch, da Berlin für Studenten eine beliebte Stadt ist. In Nordamerikastudien lag er im Wintersemester 12/13 (in der Regel beginnt ein Studium zum Wintersemester) bei 1,7. NC heißt in den meisten Fällen die Durchschnittsnote im Abitur. Bewirbt man sich für ein Zweitstudium, so wie ich es getan habe, gilt die Note des ersten Studienabschlusses (in meinem Fall die Diplomnote), und man konkurriert nur mit anderen Zweitstudienbewerbern, allerdings um eine beschränkte Anzahl von ca. 2 bis 3 Plätze.
Ich wiederhole, für alle Abiturienten gilt der NC von 1,7 (wobei sich das jedes Jahr ändern kann) – von 203 Bewerbern haben 61 einen Studienplatz bekommen. Auf die Sache mit den Wartesemestern gehe ich jetzt nicht weiter ein, das kann man googeln.
Hier die Tabelle mit den NCs an der FU: http://www.fu-berlin.de/studium/docs/DOC/ncliste.pdf

Wenn Ihr diese Hürde genommen habt, müsst ihr noch gute Englischkenntnisse (auf C1 Niveau) durch eine Sprachtest an der FU nachweisen. Durch eine komplette Staffel »Buffy the Vampire Slayer« gut vorbereitet, war dieser kein Problem. Manche empfanden ihn schwieriger als den TOEFL-Test. Ich nicht.

In den ersten zwei Semestern muss man dann einige Pflichtveranstaltungen belegen. Die Pflichtveranstaltung „Understanding North America“ (kurz UNA) geht über zwei Semester, besteht aus einer Doppelvorlesung mit dazugehörigem Tutorium. Pro Semester wird in drei Schwerpunkte eingeführt, in jedem muss man einen Essay schreiben und am Ende an eine große Klausur (die bei mir teils aus Fragen, teils aus Essays bestanden hat, und vor der alle einen Horror haben) teilnehmen (zumindest war es bei mir so, kann sein, dass sich da etwas geändert hat).

Die zweite Pflichtveranstaltung ist das Sprachpraxismodul „Oral and Writing Skills“, das über drei Semester geht und dessen Ziel es ist, die Englischkenntnisse der Teilnehmer auf ein akademisches Niveau zu bringen.

Semester 1: Allgemeines über die englische Sprache, Essays schreiben, am Ende eine Klausur (kann mich nicht mehr so recht daran erinnern)
Semester 2: Statt Klausur gibt es am Ende eine 10-minütige Präsentation + fünf Minuten Diskussion, natürlich auf Englisch. Darauf wird das gesamte Semester hingearbeitet.
Semester 3: Mediating Skills, am Ende eine Klausur in der man einen deutschen Text ins Englische übersetzen muss (was schwieriger ist, als es sich anhört).

Das sind die harten, unangenehmen Brocken des Studiums. Dabei stehen die meisten Studierenden ziemlich unter Stress, weil diese Noten hauptsächlich für das Auslandssemester zählen.

Das Auslandssemester

Zum Studium gehört ein obligatorischer (also verpflichtender) Auslandsaufenthalt. Der manchmal in Form eines Praktikums absolviert wird, meist aber als Auslandssemester bzw. Auslandsjahr. Das Ziel der Meisten ist ein Jahr in den USA. In der Regel im vierten Semester. Das heißt, man muss sich bereits im zweiten Semester bewerben, da die Vorbereitung ein Jahr dauert und sehr aufwändig ist.

Schaut man sich die Homepage des Studiengangs an, kann leicht der Eindruck entstehen, dass genügend Studienplätze in den USA vorhanden sind. Das ist aber nicht der Fall.

Man muss sich für ein solches Auslandsjahr (-semester) bewerben; mit den bisherigen Noten, einer schriftlichen Begründung, einem TOEFL-Test mit mindesten 100 Punkten (der kostet über 100 Euro und man muss sich rechtzeitig anmelden) und einem Vorstellungsgespräch vor einer Auswahlkommission. Insgesamt kann man bei TOEFL 120 Punkte errreichen. Ich hatte beim ersten Mal nur 96 geschafft, beim zweiten Mal (wieder über 100 Euro Gebühr) dann 112.

Einige Studenten (ich kenne da keine Zahlen) bekommen keinen Platz in den USA, da es einfach nicht genug Colleges in Amerika gibt, die einen Platz zur Verfügung stellen (das hängt davon ab, wie viele Amis zum Austausch nach Deutschland wollen; meist weniger als umgekehrt). Dazu gibt es noch einige Plätze in Kanada und Australien. Wer auch hier leer ausgeht, muss sich mit dem Erasmusprogramm, also einem Platz an einer Uni in Europa begnügen. Manche wollen auch gar nicht in die USA, weil sie dort schon in der Schulzeit für ein Austauschjahr waren. Außerdem ist es eine Frage der Finanzierung. Ein Jahr USA kann teuer werden, wenn man auch keine Studiengebühren bezahlen muss (die zahlt der amerikanische Student, der nach Deutschland kommt).

Ich habe keine Auslandssemester gemacht, weil ich es mir nicht leisten konnte. Da ich mich im Zweitstudium befinde und über dreißig bin, habe ich keinen Anspruch auf Auslandsbafög und mit einem Stipendium hat es auch nicht geklappt. Deshalb wurde mir das Auslandssemester ausnahmsweise erlassen. War für mich jetzt auch nicht so schlimm, da ich bereits in meinem ersten Studium ein Auslandspraktikum in Brasilien gemacht habe (siehe die Blogeinträge zu Parque Oziel). Für mich ist es aber doch ärgerlich, da ich demnächst einen Bachelor in Nordamerikastudien haben werde, aber noch nie in Nordamerika gewesen bin. Eine Bildungslücke, die ich hoffentlich bald werde schließen können.

Der Rest des Studiums

Neben den bisher erwähnten Veranstaltungen besteht das Studium vor allem aus Seminaren (in Regel eine Sitzung von jeweils 90 Minuten pro Woche). Man muss sogenannte Module absolvieren. Ein Modul besteht einfach aus zwei Seminaren, die thematisch halbwegs zusammenpassen.  Da wird zwischen Aufbau- und Vertiefungsseminaren unterschieden, wobei sich mir bis heute nicht so recht der Unterschied zwischen den beiden Seminarformen erschließt. Aufbau soll natürlich mehr eine weiter gefasste Einführung in den Schwerpunktbereich umfassen, während es bei den Vertiefungsseminaren … ja irgendwie in die Tiefe gehen soll. Ich habe da keinen großen Unterschied feststellen können, außer dass es die Seminarwahl der Studierenden verkompliziert. Welche Aufbau- und Vertiefungsseminare man wählt, bleibt einem Selbst überlassen. Man muss nur darauf achten, dass man am Ende die richtigen zusammenhat. Siehe auch hier: http://www.jfki.fu-berlin.de/academics/ba/studydocs/index.html

Ich musste noch in jedem Seminar einen Leistungsnachweis in Form einer Hausarbeit, einer Klausur, einigen Essays oder etwas Ähnlichem erbringen + ein Referat, was ziemlich stressig werden kann. Bei mehr als zwei Hausarbeiten pro Semester wird es schwierig, da mischt man am besten noch Seminare mit Klausuren oder Essays bei. Inzwischen hat sich die Studienordnung geändert, und man muss nur noch eine Leistung pro Modul (also eine Leistung in zwei Seminaren) erbringen. Darauf gibt es dann 5 bzw. 10 Leistungspunkte (auch Credits genannt) und eine Note. Am Ende werden alle Noten und die Note der Bachelorarbeit zusammengerechnet.

Man muss im Hauptfach Nordamerikastudien 120 Leistungspunkte erreichen, im Nebenfach (bei mir Lateinamerikastudien) 30 und im ABV Bereich auch 30 (zum Nebenfach und ABV wird es auch noch gesonderte Einträge geben).

Auf die Inhalte der Schwerpunkte Literatur und Kultur werde ich noch in einem gesonderten Eintrag eingehen, über die anderen weiß ich nicht genug. Auch für meine persönlichen Eindrücke und die Kritik am Studiengang wird es einen Extraeintrag geben (mit der Kritik warte ich am besten, bis ich den Abschluss in der Tasche habe 🙂 )

Für wenn ist dieser Studiengang geeignet? Für jeden, der sich ganz besonders für die USA interessiert, egal in welchem der oben genannten Bereiche. Es ist eine Regionalwissenschaft, die sich viel mit der Geschichte und der Kultur des Landes beschäftigt. Ich z. B. habe schon seit frühester Kindheit eine Leidenschaft für dieses Land entwickelt. Vor allem durch Filme, Serien und Bücher. Warum ich die USA mit all ihren Widersprüchen und auch unschönen Seiten so faszinierend finde, werde ich – Ihr könnt es schon ahnen – in einem Extraeintrag besprechen.

Was kann man mit dem Studium Nordamerikastudien anfangen? Vor allem kann man sich damit für das Masterstudium Nordamerikastudien oder ähnliche Master qualifizieren. Danach dann den Doktor machen (z. B. am Graduiertenkolleg des JFK-Instituts) und eine Karriere als Dozent (und Forscher) an der Uni anstreben.

Was kann man damit beruflich machen? Keine Ahnung. Es gibt zwar (fast) jedes Jahr einen sogenannten »Career Day« am Institut, auf dem ehemalige Absolventen erzählen, was sie jetzt so treiben. Aber mir hat das nicht so wirklich weitergeholfen, denn, kaum einer der Berufe und Tätigkeiten hatte irgendetwas mit dem Studium zu tun, und meist sind sie über Kontakte an die Stellen gekommen. Das scheint auch das wichtigste während des Studiums zu sein: Netzwerken und Kontakte knüpfen.

Wo man sich mit dem Bachelor bewerben kann? Ich weiß es nicht. Da mein Abschluss aber kurz vor der Tür steht (Oktober 2013) werde ich mich in den nächsten Wochen intensiv damit beschäftigen und Euch hier auf dem Laufenden halten.

Ich habe den Studiengang aus reinem Interesse gewählt, die Berufsmöglichkeiten waren erst einmal zweitrangig. Da ich aber bereits ein Diplom als Sozialpädagoge habe, kann ich auch jederzeit wieder auf diesen (tollen) Beruf zurückgreifen. Ein (zweijähriger) Master kommt für mich zunächst nicht in Frage, da ich jetzt erst einmal genug studiert habe und endlich (wieder) arbeiten und Geld verdienen will. Was die Zukunft noch bringen wird, bleibt dabei offen.

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