Von Übersetzern, schlechter Bezahlung und bösen Verlagen

Ich habe ja schon an anderer Stelle erwähnt, dass die deutschsprachigen Übersetzer in meiner Wahrnehmung bzw. nach meinem Empfinden ruhig etwas mehr Öffentlichkeitsarbeit machen könnten. Manch einer wird mir jetzt wahrscheinlich widersprechen, und sagen, dass sie dies bereits täten, und ich weiß auch das etwas getan wird, aber ich bekomme da leider nicht viel von mit.

Auf zwei Aktionen, die ich in jüngster Zeit mitbekommen habe, möchte ich hier kurz eingehen. Die erste begrüße ich, die zweite halte ich für eher suboptimal.

Eine Gruppe von Kinder und Jugendbuchübersetzerinnen, die unter anderem im VDÜ (Verband der Übersetzer) organisiert sind, haben einen offenen Brief an Random House geschrieben: http://literaturuebersetzer.de/download/presse/PM-Offener-Brief-an-RH.pdf

Random House ist eine der größten Verlagsgruppen weltweit und gehört zum Bertelsmann Konzern, zu ihr gehören unter anderem Verlage wie Heyne, Goldmann, Penhaglion und viele mehr. Nachdem was ich gehört habe, gibt es für alle Randomhouse Verlage Standardverträge, die für alle gleich gelten.

In dem offenen Brief werfen die Übersetzerinnen Random House vor, dass seine Verlage in Vertragsverhandlungen stets schlechtere Bedingungen anbieten würden, als es bei anderen Mitgliedern der Branche der Fall sei. Auch würde man sich nicht an die Vergütungsrichtlinien eines Urteils des Bundesgerichtshofs halten.

Wer jetzt meint, dann geht doch zu anderen Verlagen, dem sei gesagt, dass Random House durch seine schiere Größe und Marktstellung ein Auftraggeber ist, an dem man nur schwerlich vorbeikommt.

Des Weiteren beklagen sie sich darüber, dass Random House sich auch bei langjähriger, erfolgreicher Zusammenarbeit weigere, die Honorare zu erhöhen (und sie teilweise sogar senken möchte). Lieber würde man diese fruchtbare Geschäftsbeziehung aufgeben.

Das deckt sich mit dem, was ich von Kollegen gehört habe. Kontinuität in der Zusammenarbeit scheint egal zu sein. Das führt dann dazu, dass bei manchen Buchreihen und Serien ständig der Übersetzer wechselt und die Leser sich jedes Mal wieder an einen neuen Stil und teilweise an neue Begriffe (im Serienkosmos) gewöhnen müssen. Dass so etwas Lesern auffällt, sieht man z B. an dem Aufschrei, den es gab, nachdem der Übersetzer von Terry Pratchett mehrfach gewechselt hat (wobei ich hier jetzt nicht andeuten möchte, dass die neuen Übersetzer einen schlechteren Job machen würden).

An dieser Stelle muss ich nochmal erwähnen, dass Literaturübersetzer oft beschissen bezahlt werden. Entschuldigt bitte meine Ausdrucksweise, aber, so ist die Bezahlung nun mal.

Schlechte Bezahlung führt dazu, dass ÜbersetzerInnen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, mehr Aufträge annehmen müssen. Weshalb für die einzelnen Aufträge weniger Zeit bleibt (abgesehen davon, dass die Bearbeitungszeiten für Übersetzungen von Seiten der Verlage, aufgrund knapper Programmplanungen, sowieso immer mehr verkürzt werden). Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass erheblicher Zeitdruck einer Übersetzung nicht unbedingt gut tut.

Den Leser wird durch diese Verlagspolitik die optimale Übersetzung, für die sie eigentlich bezahlen, vorenthalten. Den Übersetzern wird es immer schwieriger gemacht, sich mit ihrer Arbeit den Lebensunterhalt zu verdienen. Ich habe inzwischen einige kennengelernt, die über einen Berufswechsel nachdenken und von einem Berufseinstieg abraten. Viele sind nur noch aus Liebe zur Literatur und zu ihrem Beruf dabei, lassen sich also quasi aus idealistischen Gründen ausbeuten (um es mal etwas überspitzt zu formulieren). Ein Verhalten, das ich auch aus dem sozialen Bereich kenne.

Wie ihr seht, unterstütze ich diesen offenen Brief. Da ich viel in Literaturforen unterwegs bin, komme ich nicht umhin zu bemerken, dass viele Leser völlig utopische Vorstellungen von der Bezahlung von Übersetzern haben. Da ist es nur zu unterstützen, wenn Übersetzer auf ihre (teils prekäre) Lage aufmerksam machen.

Leider gibt es genug Leute, die bereit sind, für ein auch noch so geringes Honorar zu arbeiten. Und leider gibt es auch Verlage, die keinerlei Hemmungen haben, schlechte Arbeit, also schlechte Übersetzungen und/oder schlecht lektorierte und korrigierte Texte zu veröffentlichen. Und irgendwie kommen sie damit auch noch bei den Lesern durch.

Jetzt ist der Text doch deutlich länger geworden, als ich es geplant hatte. Deshalb werde ich über die zweite Aktion in einem gesonderten Beitrag berichten. So lässt es sich auch im Bedarfsfall leichter diskutieren.

 

Edit: Missverständnis geändert

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