Meine Lektüre im ersten Quartal 2013

  1.  „Untot – Lauf, solange du noch kannst“ – Kristy McKay: Ein unterhaltsames Zombie-Jugendbuch, das relativ unblutig, aber spannend geschrieben ist. Nichts neues Zombieversteher, aber für junge Leser ein guter Einstieg ins Genre
  2. „Die Trying (Jack Reacher 2) – Lee Child: Jack Reacher wird versehentlich zusammen mit einer FBI Agentin von einer amerikanischen Miliz entführt. Dumm gelaufen … für die Miliz. Sehr spannend geschriebener Thriller, mit viel Liebe zum Details.
  3. „Im Zeichen des Adlers“ – Simon Scarrow: Unterhaltsamer Einstieg in die Eroberung Britanniens durch römische Legionen aus Perspektive von einfachen Soldaten.
  4. „Sardor – Der Flieger des Kaisers“ – Thomas Ziegler: Sprachgewaltiger, einfallsreicher Fantasyroman im Stil der 70er Jahre (siehe Michael Moorcock und Co.), ohne charakterliche Tiefe, aber mit tollen Ungetümen.
  5. „Silver Linings Playbook“ – Matthew Quick: Die Vorlage zum gleichnamigen Film, die bei einigen entscheidenden Details vom Film deutlich abweicht und dadurch authentischer, düsterer, tiefgründiger, aber auch witziger wirkt.
  6.  „Böse“ – Bentley Little: ein Gruselroman über einen diabolischen Postboten, der im Prä-Internet- und Prä-Handyzeitalter mit der ganzen Macht der Post eine Kleinstadt in Angst und Schrecken versetzt – spannend, aber mit doofem Ende.
  7. „Little Brother“ – Cory Doctorow: Jugendbuch über eine Gruppe von Jugendlichen, die sich nach einem Terroranschlag als Verdächtige in einem Überwachungsstaat wiederfinden. Doctorow schildert eindrucksvoll und mitreißend, wie es ist, wenn man der Staatsmacht (fast) ohnmächtig ausgeliefert ist.
  8. „Die Flüsse von London“ – Ben Aaronovitch: Urban-Fantasy-Spaß über einen jungen Polizisten, der sich mit Flüssen auf zwei Beinen, Geistern und kotzenden Touristen rumschlagen muss. Mit viel britischem Humor, flott geschrieben.
  9. „For the Win“ – Cory Doctorow: Das Buch ist um einiges dicker, komplexer als“ Little Brother“ und hat viel mehr Protagonisten , die teils in unterschiedlichen Ländern und Kontinenten sitzen. Gemeinsam haben sie, dass sie Jugendliche sind, die ihren Lebensunterhalt als Goldfarmer in Onlinerollenspielen verdienen. Soll heißen, sie sammeln dort wertvolle Gegenstände durch Kämpfe und verkaufend diese dann weiter. Verbunden sind sie durch das Internet und ihre gemeinsame prekäre Lage, denn wie arme Fabrikarbeiter werden auch sie von skrupellosen Geschäftsleuten ausgebeutet. Deshalb fangen sie an, sich in einer Gewerkschaft global zu organisieren.

    Doctorow beschreibt anhand dieser Entwicklung die Dynamik der internationalen Wirtschafts- und Finazmärkte. Wenn man allerdings null Ahnung von Computerspielen hat, dann hat man als Leser schon verloren, da ein nicht unbeträchtlicher Teil des Buches in den Onlinewelten spielt.
    „For the Win“ ist eines dieser Jugendbücher, die vor allem Erwachsenen gefallen werden (falls sie sich eben mit Computerspielen halbwegs auskennen). Für Jugendliche ist das Buch teils zu akademisch geraten. Doctorow erklärt Fachbegriffe wie z. B. das Coase-Theorem in seitenlang Essays, die vermutlich nur wenige Jugendliche durchhalten, ohne das Buch entnervt in die Ecke zu pfeffern.
    Mir hat es trotzdem ganz gut gefallen.

  10. “Blackout“Marc Elsberg ist für den Strom das, was Ausgebrannt von Andreas Eschbach für das Öl ist. Der Thriller behandelt einen europaweiten Stromausfall und seine beängstigenden Folgen. Das tut er vor allem aus der Perspektive jener, die versuchen herauszufinden, wer hinter dem Blackout steckt und wie sie es geschafft haben. Darunter sind ein italienischer Hacker, ein französischer Europolermittler, eine deutsche Staatssekretärin im Internet und einige Opfer der Folgen.
    Elsberg beschreibt detailliert, welche weitreichenden Folgen eine solcher Stromausfall schon nach kürzester Zeit hätte. Da lief es mir beim Lesen eiskalt den Rücken runter. Ein Beispiel? Ohne Strom gibt es auf Dauer nicht nur keine warme Dusche, sondern auch keine kalte Dusche und vor allem keine funktionierende Klospülung, da die Pumpen, die das Wasser in die Häuser hochpumpen, nicht arbeiten. Hat man ein eigenes Grundstück, kann man sich auch zur Not ein Loch im Garten buddeln, aber bei Hochhäusern in der Großstadt sieht damit es schlecht aus.
    Trotz seiner über 700 Seiten ist das Buch spannend und flott geschrieben, und auch eine Warnung davor, was passieren kann, wenn wir uns zu sehr (und ausschließlich) auf Technik verlassen.
  11. „Percy Jackson – Diebe im Olymp“ – Rick Riordan: Rasant geschrieben, sehr fantasievoll und mit interessanten Figuren, aber, zwei Dinge, die mich stören:
    Alle Jugendlichen werden extrem stark über ihre soziale Herkunft definiert und auch darauf reduziert. Die Kinder vom Kriegsgott sind natürlich alle kriegerisch und kräftig, die Kinder von Athene hübsch und listig usw. So wie die Kinder von Akademikern studieren gehen und die von Arbeitern eben nicht. Ich hoffe sehr, dass sich das im Laufe der Geschichte noch ändern wird und die Figuren sich davon emanzipieren.
    Zweite Sache: Die Charaktereigenschaften der Figuren werden sehr stark über ihr Äußeres dargestellt. Die Bullies sind natürlich alle hässlich und plump.
  12. „Sterbenswort“ – Siegfried Langer: Junge Mutter wird von einem tragischen Ereignis (düsteres Geheimnis) aus der Vergangenheit heimgesucht. Mir hat das Buch leider nicht so gut gefallen. Im ersten Drittel liest es sich noch sehr spannend und kurzweilig, aber mir war die Geschichte zu vorhersehbar. Mir war zu schnell klar, wer hinter der ganzen Sache steckt, deshalb wurde mir im letzten Drittel zu viel in den ganzen »Neulich« und »Damals« Kapiteln erklärt. Das sind fast alles Sachen, die man als Leser auch so kombinieren kann. Manchmal hätte da auch ein Satz, statt eines ganzen Kapitels gereicht. Da wird zu sehr der Erklärbär ausgepackt.
    Ich schein mit meiner Meinung aber ziemlich alleine zu sein, da ich bisher noch keine negative oder »geht so« Kritik im Internet (außer bei amazon) finden konnte.
  13. „Der Mann, der keine Mörder war“ – Hjorth und Rosenfeldt: Schwedenkrimi über eine Mord in einer Kleinstadt. Dazu ein kotzbröckiger Ermittler, zahlreiche Protagonisten, kurze Kapitel, aber langes Buch, einigermaßen spannend, recht stimmungsvoll und noch gut lesbar.
  14. „Die Frauen, die er kannte“ – Hjorth und Rosenfeldt: Das Buch habe ich nach hundert Seiten abgebrochen, da sich alles, was im ersten Band der Reihe um den Kotzbrocken Sebastian Bergmann noch für gute Unterhaltung gesorgt hat, hier zu einer völlig überzogenen Karikatur entwickelt hat. Die Geschichte kommt nicht in die Gänge und hält sich unendlich lange und nervig an völlig unbedeutenden Nebenschauplätzen auf. Unlesbar
  15. „Pulsarnacht“ – Dietmar Dath: Eine ferne Zukunft, in der Didi Hallervorden zitiert wird (Seite 408), kann kein schlechter Ort sein.

    Mir hat das Buch gut gefallen, trotzdem musst ich mich durchkämpfen. Ich habe eine ganze Woche dafür gebraucht, obwohl ich momentan eigentlich 1.000 Seiten pro Woche schaffe. Die letzten 150 Seiten habe ich dann aber am Stück geschafft.
    Größtenteils fand ich das Buch spannend und abwechslungsreich, aber es gab auch immer wieder ziemlich langweilige Passagen.
    Die Sprache hat manchmal etwas genervt, größtenteils aber zum Roman gepasst.
    Ein gutes, aber kein einfaches Buch.

  16. „Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger“ – Yan Martel:  Habe den großartigen und bildgewaltigen Film zuerst gesehen. Im Vergleich dazu ist das Buch um einiges blutiger und ekliger, was den Überlebenskampf von Pi angeht. Martel ist ein ganz großer Erzähler. Vor allem die ersten hundert Seiten über Pis Kindheit in Indien sind ganz große Literatur. Aber auch sein Überlebenskampf auf dem (einsamen) Meer, genial erzählt und zu keinem Zeitpunkt langweilig. Gott habe ich in der Geschichte aber zum Glück nicht gefunden.

 

Momentan lese ich „2312“ von Kim Stanley Robinson, bin aber noch nicht ganz durch. Kann aber schon verraten, dass es sich um eine faszinierende und vielfältige Zukunftsvision handelt, wenn auch ein wenig die Spannung fehlt.

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