Learning by Doing und was die Zukunft bringen wird

Mein erster Eintrag seit langer Zeit. Das liegt ein wenig daran, dass ich momentan mit meinen Übersetzerfähigkeiten und meinem Berufsziel am Hadern bin.
In diesem Eintrag: https://translateordie.wordpress.com/2012/11/14/selbstkritik-und-wege-zur-verbesserung/ habe ich ja schon davon berichtet, dass ich meinen bisherigen Arbeitsablauf gründlich überarbeite und neu strukturieren muss, um sehr viel sorgfältiger zu arbeiten.
Eine vorläufige Rückmeldung zu meiner Übersetzung von Captain Future hat dies bestätigt.
Momentan bin ich noch nicht so weit, dass ich mich professioneller Übersetzer schimpfen kann und ich sehe mein Berufsziel inzwischen sehr viel kritischer.

Das heißt, ich werde, da mein Studium am 30. September enden wird, Vorkehrungen bzgl. Alternativen treffen, damit ich nicht am 1. Oktober ohne Einkommen dastehen werde.
Diese Alternativen bestehen aus zwei Möglichkeiten:

Entweder werde ich mir eine Teilzweitstelle suchen und nebenbei weiter an der Übersetzerkarriere werkeln (dies setzt aber meine Verbesserungsfähigkeiten voraus, auf die ich weiter unten eingehen werde) …

… oder ich werde mir eine Vollzeitstelle suchen und das Übersetzen erst mal auf Eis legen.

Eine Vollzeitstelle würde den Vorteil bringen, dass ich mir ein finanzielles Polster ansparen könnte, für den Fall, dass ich es später mit dem Übersetzen nochmal versuchen werde.  Denn so ganz ohne finanzielle Absicherung sollte man sich nicht ein Abenteuer als Freiberufler stürzen. Das könnte ganz schön in die Hose gehen.

Eine Teilzeitstelle brächte den Vorteil, dass man eine gewisse finanzielle Grundsicherung für Miete und Ähnliches hätte und trotzdem noch Zeit, sich dem Übersetzen zu widmen. Dies setzt aber voraus, dass man dabei langfristig auch realistische Chancen hat, ausreichend bezahlte Aufträge zu bekommen.

Momentan bin ich noch nicht gut genug für solche Aufträge. Ob ich es in Zukunft sein kann, mache ich für mich persönlich auch davon abhängig, ob ich bei meiner zweiten Captain-Future-Übersetzung in der Lage sein werde, mich deutlich zu verbessern.

Nächste Woche werde ich mich mit Lektor Hannes Riffel zusammensetzen, um gemeinsam die leider noch mit Fehlern gespickte erste Captain-Future-Übersetzung durchzugehen (ein Massaker in Rot). Eine Chance, für die ich ihm übrigens sehr dankbar bin.
Ich hoffe, ich werde daraus und aus meinem verbesserten Arbeitsablauf genug lernen, damit die nächste Übersetzung besser sein wird. Sollte dies nicht der Fall sein, bin ich wohl nicht lernfähig genug für diesen Beruf.

Mir ist natürlich klar, dass Übersetzen ein durchaus anspruchsvoller Beruf ist, den man nicht von jetzt auf gleich perfekt beherrscht. Auch hier muss man eine gewisse Ausbildung bzw. einen gewissen Lernprozess durchlaufen. Die Zusammenarbeit mit Hannes an Captain Future bietet mir die Möglichkeit, zu überprüfen, ob ich diesen Anforderungen gerecht werden kann.

Bei meinen bisherigen Übersetzungen war ich auf gute und tüchtige Lektoren angewiesen, die meine Texte noch in die richtige, veröffentlichungsfähige Form gebracht haben. Ich hoffe sehr, dass ich ihnen mit jeder weiteren Übersetzung, die ich abliefere, weniger Arbeit bereiten werde.

Ich werde hier im Blog (so weit es mir die Zeit erlaubt) ausführlich über die Zusammenarbeit mit Hannes Riffel berichten. Das heißt, ich werde exemplarisch zeigen, was ich bei der Übersetzung falsch gemacht habe und wie die Arbeit des Lektors an diesen Fehlern aussieht.

Ich denke auf diese Art, werde ich diese Fehler selbst besser verinnerlichen und dadurch in Zukunft vermeiden können, sie wieder zu begehen.

Übersetzen ist ein komplexer und anspruchsvoller Vorgang, den ich bisher vielleicht noch zu sehr auf die leichte Schulter genommen habe. Aber genug geschwafelt, besser werde ich nicht, in dem ich darüber rede, sondern indem ich es tue. Learning by Doing.

3 Gedanken zu “Learning by Doing und was die Zukunft bringen wird

  1. Ein „Massaker in Rot“ richtet ein gründlicher Lektor in drei von fünf Fällen an; das ist sein Job. Meine langjährige Lieblingslektorin zum Beispiel lobt mich immer sehr für meine Übersetzungen, schickt sie mir aber trotzdem auch heute noch mit ca. zehn Anmerkungen pro Seite zurück. Und ein Kollege, den wir beide kennen, hat seine erste Übersetzung auch brutal von Hannes durchlektoriert zurückbekommen, und inzwischen steht er beim KLP mit seinen Übersetzungen weit oben.

    Ansonsten ist alles richtig, was du sagst.

    Versuch vielleicht mal, in ein professionelles Übersetzungsseminar zu kommen; das hilft extrem und ist angenehmer, als sich vom Lektor coachen zu lassen.

  2. Hallo Markus,

    Respekt für diese ehrliche und vermutlich realistische Einschätzung. Ist bestimmt nicht leicht gefallen, dass auch noch öffentlich zu machen.

    Ich drücke aber die Daumen, dass du deinen Weg doch noch machst. Nur nicht vorschnell entmutigen lassen.

    Gruß
    Merlin.

  3. Hallo Merlin,

    eigentlich ist es mir gar nicht schwierig gefallen. Ich bin, was solch Dinge angeht, Karriereentscheidungen usw., meist ganz nüchtern und rational. Die Entscheidung, mein Physikstudium abzubrechen, weil es nicht das Richtige für mich war, habe ich bereits einer Wochen nach Beginn getroffen (viele brauchen dafür Jahre, obwohl es schon in der ganzen Zeit irgendwie Spüren). Der Wechsel zur Sozialpädagogik fiel mir sehr leicht. Die Physik war abgehakt und ich habe mich dem Neuen zugewandt.
    Ich sehe solche Weggabelungen in der Karriere bzw. im Leben immer als Chancen, etwas Neues zu entdecken. Es ist ein Abenteuer, das auf mich wartet – in welches ich mich aber nicht völlig unvorbereitet und naiv stürze.

    Ich merke relativ schnell, wenn etwas nicht zu mir passt oder ich dafür nicht geeignet bin. Beim Übersetzen bin ich noch in der Schwebe. Ich merke, dass ich noch nicht so weit bin, wie ich es mir erhofft habe, kann aber noch das Potenzial erkennen, es bis dahin zu schaffen, wenn ich mich ausreichend anstrenge (Spaß macht es auf jeden Fall). Die Nächsten Monate werden zeigen, ob ich in der Lage bin, dieses Potenzial auszuschöpfen.
    Sollte es nicht funktionieren, wird das natürlich eine Enttäuschung sein (ich war auch von meinen bisherigen Übersetzerleistungen enttäuscht), aber keine, die mich lange beschäftigen wird.

    Ich bin eigentlich kein öffentlicher Mensch, eher schüchtern und zurückhalten und veröffentliche in der Regel nicht viel Privates im Internet. Aber da ich diesen Blog mit dem Anspruch gestartet habe, ehrlich über meinen Einstiegsversuch in den Übersetzerberuf zu berichten (keine Ahnung, was ich mir dabei gedacht habe), ziehe ich das jetzt auch konsequent durch. Natürlich mit der notwendigen professionellen Diskretion. Ich werde hier keine Interna von Auftragsgebern veröffentlichen und über Übersetzungen (Zusammenarbeit mit dem Lektorat usw.) nur nach Absprache.
    Die einzigen Bedenken, die ich habe, ist, dass es potenzielle Auftraggeber abschrecken könnte. Da muss ich sicher etwas vorsichtig mit der Selbstkritik sein.

    (Ich hoffe ich klinge hier jetzt nicht zu egozentrisch, mit so vielen Ichs im Text.)

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