Zusammenarbeit mit dem Lektorat?

Hier eine konkrete Frage an die erfahrenen Übersetzer. Wie läuft bei euch in der Regel die Zusammenarbeit mit dem Lektorat ab?

Ich habe da bisher unterschiedliche Erfahrungen gemacht. In dem einen Verlag erhalte ich, nachdem ich meine Übersetzung abgegeben habe, eine lektorierte Fassung zurück. In dieser sind alle Änderungen farblich markiert und sogar kommentiert. Hier gebe ich dann meist mein Einverständnis, diskutiere aber auch über manche Änderungen, die mir nicht gefallen.

Diese Arbeitsweise empfinde ich als extrem hilfreich, weil ich dadurch nicht nur direkt auf meine Fehler aufmerksam gemacht werde, sondern auch das Gefühl habe, als Übersetzer ernst genommen zu werden. Da ist der Entstehungsprozess bis zur fertigen Druckfahne eine Teamarbeit.

Ein anderer Verlag handhabt es ähnlich, nur dass der Lektor das Manuskript lieber per Telefon bespricht, nachdem er mir die farblich markierten Änderungen zugeschickt hat.

Diese beiden Vorgehensweisen scheinen auch bei den meisten erfahrenen Übersetzern üblich zu sein. Zumindest habe ich das so beim Übersetzerstammtisch rausgehört.

Ein dritter Verlag arbeitet ganz anders. Da schickt man seine fertige Übersetzung hin und sieht sie erst wieder, wenn man die Belegexemplare in der Hand hat. Ob man sie dann noch wiedererkennt, ist eine andere Frage (da die Bücher noch nicht erschienen sind, habe ich bisher noch keine Belegexemplare erhalten, und kann dazu nichts sagen).

Es gibt Übersetzer, die mit dieser Vorgehensweise einverstanden sind. Denn jede zusätzliche Arbeit an der Übersetzung ist unbezahlte Arbeit, in der man auch Geld mit einer anderen Übersetzung verdienen könnte. Aber, es steht ja der eigene Name auf der Übersetzung. Man steht praktisch für den gedruckten Text mit seinem Namen ein, auch wenn man nicht weiß, welche Veränderungen Verlag und Lektorat noch daran vorgenommen haben.

Selbst wenn ich mit allen Änderungen im Nachhinein einverstanden wäre, fühle ich mich bei dieser Variante nicht ganz wohl. Als Übersetzer habe ich ja auch das Urheberrecht an dieser Übersetzung (Achtung! Nicht das Verwertungsrecht!).

Also liebe Übersetzer, wie läuft es bei euch ab? Und welche Variante ist euch am liebsten?

3 Gedanken zu “Zusammenarbeit mit dem Lektorat?

  1. Eigentlich ist es egal, wie die anderen Übersetzer arbeiten. Du merkst ja, womit du dich am wohlsten fühlst; also arbeitest du am besten mit solchen Verlagen zusammen, die dir da entgegenkommen.

    Im Grunde scheinen mir deine derzeitigen Unsicherheiten gerade mit der weiteren Professionalisierung zusammenzuhängen – und die kommt bei dir sowieso, da mache ich mir keine Sorgen.

    Weitere Professionalisierung meint:
    – Erst einmal hat man Probleme genug, überhaupt so viele Aufträge zusammenzubekommen, dass man durchgehend arbeiten und davon leben kann.
    – Sobald sich immer alle Zeitfenster füllen lassen, trennt man die Spreu vom Weizen: Jetzt werden die Verlage ausgesondert, die einem zu schlecht zahlen oder mit deren Lektoren man nicht so gut zusammenarbeiten kann.

    Das steht jetzt einfach an. Folge da deinem guten oder schlechten Gefühl! Deine Auftraggeber müssen zu dir passen, zu niemandem sonst.

    Und ansonsten denke ich nicht, dass zehn Seiten Rohfassung am Tag grundsätzlich zu viel sind. Es gibt sicher Bücher, da schafft man das nicht oder nur mit Qualitätsverlust (bei mir zum Beispiel Tiptree); aber eigentlich sollte man sich seine Aufträge vom Niveau her so aussuchen, dass man sie locker und konzentriert runterübersetzen kann. Zu schlechte Texte kosten Zeit, und wenn man zu weit über seiner normalen Tonhöhe singt, kostet das auch Zeit.

  2. Grundsätzlich gebe ich Frank in allen Recht (auch was die Tiptree Übersetzung angeht 🙂 ).
    Allerdings – das ist mal meine bescheidene Meinung – sollte der Übersetzer schon vor Erscheinen des Titels noch einmal den Text zur Durchsicht bekommen, schließlich ist auch eine Übersetzung urheberrechtlich geschützt und sollte wie ein normaler deutschsprachiger Roman behandelt werden. Und außerdem, sollten sich dann plötzlich Änderungen im Text finden, die so gar nicht passen wollen, fällt es im schlimmsten Fall auf den Übersetzer zurück.

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