„Fuck me“ – Ein Bericht von der Berliner Lesung mit Don Winslow

„Fuck me“ – so lautet das erste Kapitel in Don Winslows neuen Roman „Kings of Cool“. Der Name war Programm:

Es war eine coole und stürmische Nacht, im herbstlich nassen Berlin des 1. Novembers 2012. In Kreuzberg pulsierte das Leben und wuselte mit platschenden Schritten über die von Pfützen gesäumten Bürgersteige. Eine beachtliche Zahl wuselte in den Festsaal Kreuzberg, um diesen bis fast zum letzten Platz zu füllen.

Auf Holzstühlen, die so knallhart waren wie die Prosa von Winslow (a pain in the ass of America), wartete das gespannte Publikum dicht aneinandergedrängt auf den Auftritt des „masters of suspense (O-Ton des Moderators). Um 19.35 Uhr betrat dann ein kleiner, zierlicher Mann mit Halbglatze das Podium, begleitet vom Moderator des Suhkamp Verlags und dem Synchronsprecher Dietmar Wunder (Daniel Craig).

Was folgte war keine dieser langweiligen, einschläfernden Lesungen von unbeholfenen Autoren, die mehr stotternd als lesend in einem 45minütigen drögen Monolog den Lesern/Zuhörern, die Lust auf die eigenen Texte verdarben. Nein, dank des lebhaften Moderators mit der Stimme eines Radiomoderators ging es direkt dynamisch und abwechslungsreich mit Fragen an den Autor los.

Dann las Selbiger durchaus gekonnt aus seinem Werk vor und schaffte es dabei, der rasanten, knackigen Prosa und den coolen Dialogen des englischen Originals mit seinem Vortrag gerecht zu werden.

Im Wechsel folgten dann weitere Fragen und zwei längere Lesepassagen, die der wunderbare Dietmar Wunder mit seiner sonoren, markanten Stimme vortrug und die Handlung damit lebhaft vor dem inneren Auge des Publikums erscheinen ließ.

Zum Abschluss gab es noch eine höchst amüsante Geschichte darüber, wie Don Winslow in einer Buchhandlung in San Antonio auf die Werke des anderen Don Winslow stieß. Jenen Don Winslows der SM-Pornoromane schrieb, deren Titelbild alleine dem katholisch erzogenen anderen Don Winslow die Schamesröte ins Gesicht trieb, als dieser vergeblich versuchte, den Kauf eines dieser SM-Romane mit der Bibel und einem Buch von John Updike zu verschleiern.

Fazit: Es war eines sehr unterhaltsame, lustige Lesung, die genau die richtige Mischung aus Vorlesen, Fragen und Anekdoten hatte.

P. S.„Kings of Cool“ ist die Vorgeschichte zu „Zeit des Zorns“, jenes Romans, den Oliver Stone gerade unter seinem Originaltitel „Savages“ verfilmt hat.

P.P.S Das ist ein Autor den ich furchtbar gerne mal übersetzen würde.

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