VG-Wort und meine Gedanken zum Urheberrecht

Bevor es den angekündigten Artikel zu Wörterbüchern und Onlineressourcen gibt, hier ein aktueller Einschub:

Heute habe ich mich bei der VG-Wort (http://www.vgwort.de/die-vg-wort.html) angemeldet. Dieser Verein ist eines dieser »Bürokratiemonster«, die die Piraten gerne erlegen möchten.
Als Übersetzer ist man Urheber (noch so ein böses Wort). Man verfasst Texte in einer eigenen geistigen Leistung (die Piraten würden sagen, man fängt nur auf, was sowieso schon durch den Äther schwirrt), auch wenn sie auf einem Originaltext in einer anderen Sprache basieren.
Die VG-Wort vertritt die Rechte, die ein Urheber selbst gar nicht wahrnehmen kann. Sie bekommt z.B. Abgaben für Kopierer, aus Bibliotheken und sonstigen Verwertungen. Als Urheber meldet man seine Werke (egal ob Romane, journalistische Artikel oder Übersetzungen) bei der VG-Wort an und bekommt irgendwann Zahlungen dafür, dass Dritte das eigene Werk verwerten bzw. verwenden. Die VG-Wort macht also für Autoren das, was die GEMA für Musiker macht.
Für reine Übersetzer wird in den ersten Jahren vermutlich kaum ein Betrag zusammenkommen, der der Rede wert ist. Mit den Jahren kann sich das aber durchaus steigern, wenn auch nicht beträchtlich. Ein fleißiger Journalist kann da weitaus höhere Beträge bekommen. (Am Wochenende erzählte mir ein Journalist, der unter anderem für den Deutschlandfunk, Spiegel u.a. arbeitet, dass er im Jahr so um die 3000 Euro bekomme. Aus Übersetzerkreisen habe ich von einem Betrag um die 300 Euro gehört. Wohlgemerkt jeweils nach 20 Jahren im Geschäft.)
Ich kann nur jedem, der in irgendeiner Form Texte veröffentlicht empfehlen, sich bei der VG-Wort anzumelden, bzw. mit ihr einen Wahrnehmungsvertrag abzuschließen. Das kostet nichts, verpflichtet einen zu nichts, hat keinen Einfluss auf die Rechte, die man selbst verwerten kann, und könnte einem mit der Zeit ein nettes Taschengeld einbringen.

Was die ganze Urheberrechtsdebatte angeht, werde ich mich da weitestgehend raushalten. Nur so viel: Das Übersetzen von Texten ist harte und kreative Arbeit. Ich habe schon in den Ferien im Lager (nicht im Ferienlager, sondern Apothekenbedarf) gearbeitet, Zivildienst in einem Krankenhaus gemacht und zwei Jahre als Sozialpädagoge in einem Krankenhaus gearbeitet. Die Arbeit, die ich in den letzten Wochen gemacht habe, war ebenso anstrengend, stressig und zeitintensiv. Sollte ich in Zukunft nicht mehr dafür bezahlt werden, würde ich sie auch nicht mehr machen. Da müssen die Leute, die den Wert »geistiger« Arbeit nicht zu schätzen wissen, sehen, wo sie ihre amerikanischen Romane herbekommen.
Ich denke die Arbeit von Schriftstellern ist sogar noch kreativer, anstrengender und arbeitsaufwendiger. Auch sie sollten für ihre Arbeit in Zukunft anständig bezahlt werden, so wie man auch seinen Bäcker, seinen Elektriker und seinen Maler bezahlt. Solange es Leser gibt, die bereit sind für Bücher zu bezahlen und ihren Wert zu schätzen wissen, solange sollte es auch den Autoren möglich sein, anständig für ihre Arbeit entlohnt zu werden. Und wer Bücher nicht zu schätzen weiß und meint, dass sie nichts Wert sind, der muss sie ja auch nicht lesen.
Und wer nicht zu schätzen weiß, welchen Einfluss Verlage mit ihren Lektoren, Korrektoren, Setzern, Titelbildgestaltern, Klappentextverfassern (duck und renn weg 🙂 ) usw. auf ein Buch haben, der soll für den Rest seines Lebens mit grottigen E-Book-Selbstveröffentlichungen glücklich werden. Ich bin als Leser doch sehr froh über den qualitativen Filter, den Verlage darstellen (manchmal mehr, manchmal weniger) und auch um ihre Vermarktung, die mich als Leser überhaupt auf Bücher aufmerksam macht, und auch darüber, dass sie erfolgreiche und gute Autoren aufbauen und fördern. Ich möchte sie zwischen mir und dem Autor haben.

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