Wie ich übersetze

Am 1. Mai habe ich nicht nur meine Hausarbeit über Mexikos Krieg gegen die Drogen im Kontext der mexikanischen Geschichte und Außenpolitik abgegeben, sondern auch meine dritte Buchübersetzung. 150 Seiten eines amerikanischen Horrorautors, über den ich aber noch nicht mehr verraten darf.
An dieser Stelle möchte ich darüber berichten, wie ich arbeite. Das wird eine Serie von mehreren Blogeinträgen werden, in denen es unter anderem auch um Wörterbücher, Onlinewörterbücher, Recherche usw. gehen wird. Heute aber berichte ich von der Arbeit an sich.

Meine bisherigen Texte habe ich als PDF-Datei bekommen. Die drucke ich aus und lege die aktuelle Seite auf meinen Schreibtisch. (Ach ja, im Idealfall hat man den Text auch schon einmal gelesen, bevor man mit der Übersetzung anfängt. Das hat unter anderem den Vorteil, dass man schon weiß, worauf die Geschichte hinauslaufen wird und wie eventuell nicht ganz eindeutige Begriffe gemeint sind.)

Die Funktastatur (die ich dringend mal reinigen muss) liegt dabei auf meinem Schoss, da ich in einem bequemen Sessel sitze (Foto folgt, sobald ich aufgeräumt habe 🙂 ) Das ist ergonomisch vielleicht nicht sehr gesund, mir aber tausendmal lieber als ein Bürostuhl. Da ich glücklicherweise das Zehnfingersystem beherrsche und blind schnell tippen kann, brauche ich nicht auf die Tastatur schauen und kann mich voll auf den Text konzentrieren.


Dabei gehe ich Satz für Satz vor. Lese den englischen Satz und übersetze ihn dann. Steht er erst mal auf Deutsch da, löse ich mich zunächst von der Vorlage und konzentriere mich darauf, ober er auch in der deutschen Fassung stimmig klingt.
Während des Übersetzens habe ich mehrere Internetseiten geöffnet (dict.cc, leo.org, oald8.oxfordlearnersdictionaries.com, urbandictionary.com, linguee.de und google.de – auf diese Seiten werde ich noch in einem gesonderten Eintrag eingehen) um schnell ein Wort oder einen Begriff nachzuschlagen.
Werde ich auf die Schnelle nicht fündig, markiere ich mir das Wort gelb in der Übersetzung und mit Textmarker im Original und mache erst mal weiter, damit ich mich nicht zu sehr mit einem Problem aufhalte und dadurch aus dem Takt komme. Das gilt vor allem für Wörter, Fachbegriffe, Slangausdrücke usw. die sich nicht so schnell finden lassen. Komplizierten Satzbau versuche ich direkt zu lösen, auch wenn es länger dauert.

Je nach Schwere des Textes schaffe ich ein bis zwei Normseiten in der Stunde. Wenn ich dann einmal mit der ersten Fassung durch bin, drucke ich sie mir aus und lese sie vor allem auf Fehler Korrektur und schaue, ob es sich auch im Ganzen stimmig liest. Fehler finde ich leider immer wieder. Da ich sehr schnell tippe, sind öfters Buchstabendreher dabei (Leonard hieß z.B. oft Loenard). Gerne verwechsel ich auch in/ihn, seit/seid und den/denn. Wobei ich auf diese Wörter inzwischen so konditioniert bin, dass bei mir direkt die Alarmglocken läuten, wenn ich sie schreibe. Hauptsächlich sind es vergessene Buchstaben und Wörter.

Wenn ich mit der ersten Korrektur durch bin, nehme ich wieder das Original zur Hand und vergleiche den kompletten Text Satz für Satz mit der Übersetzung. Wobei ich hier zuerst den deutschen Satz lese und dann den Originalsatz. Dabei entdecke ich auch noch weitere Tippfehler und auch, dass ich meist noch zwei bis drei Sätze übersehen hatte. An einigen (aber nur sehr wenigen) Stellen merke ich auch, dass ich was falsch übersetzt habe.

Die Korrekturgänge sind auch sehr hilfreich, um noch bessere und elegantere Formulierungen zu finden. Hier fallen mir oft schönere und passendere Varianten ein, als im ersten Durchgang und ich bin dann besser für Wortwiederholungen sensibilisiert, da ich ja schon weiß, was für Wörter noch folgen.

Wenn ich die Zeit habe, lese ich danach nochmal den kompletten deutschen Text, und wenn es sich flüssig und stimmig liest, geht es dann ab an den Verlag.

Im nächsten Blogeintrag wird es einen Gastbeitrag von Frank Böhmert geben, bevor ich dann auf die oben erwähnten Internetseiten und Wörterbücher eingehen werde.

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