Erste Schritte

In meinem ersten Eintrag erwähnte ich ja bereits, dass Frank Böhmert in seinem Blog (http://frankboehmert.blogspot.com/2009/06/literaturubersetzer-werden-aber-wie.html) wertvolle Tipps zum Einstieg in den Beruf des Literaturübersetzers gibt. Die wichtigsten Punkte fasse ich hier noch mal kurz zusammen:

  • Als Erstes sollte man herausfinden, ob man für den Beruf wirklich geeignet ist. Dafür hat Frank einen kleinen Test vorgeschlagen: Man solle losziehen und Platz 12 der Bestsellerliste in der Originalsprache kaufen, um dann in sieben Tagen die ersten 20 Seiten zu übersetzen. Egal ob einem das Buch liegt oder nicht. Das habe ich getan – „Firefly Lane“ von Kristin Hannah. Passenderweise erschien einige Zeit später die deutsche Übersetzung, sodass ich meine Fassung mit der professionellen vergleichen konnte. Das Ergebnis hatte mir gezeigt, dass ich noch viel zu lernen habe. Ich hatte mich noch zu sehr krampfhaft an den Originaltext gehalten und zu oft 1:1 übersetzt, was sich im Ergebnis teilweise etwas ungelenk angehört hat. Auch jetzt muss ich mich immer wieder daran erinnern, mich öfters vom Originaltext zu lösen, damit sich die Endfassung im Deutschen stimmig anhört. Darauf werde ich in späteren Blogeinträgen zurückkommen. Noch ein kleiner Appell: Mehr Mut beim Übersetzen. Seit kreativ.
  • Die wichtigsten Informationen findet man auf http://www.literaturuebersetzer.de. Auch wo und wann Übersetzerstammtische stattfinden. Ich gehe selbst seit einem Jahr gelegentlich zum Berliner Übersetzerstammtisch für Englisch-Deutsch. Nein, man wird dort keine Aufträge bekommen, aber man erfährt unheimlich viel Insiderwissen über die Arbeit mit Verlagen. Man kann selbst Fragen stellen und erhält auch qualifizierte Antworten. Man muss nur aufpassen, dass man sich von der teils etwas negativen Stimmung bzgl. der aktuellen Berufssituation (insbesondere der Bezahlung und der Auftragslage) der alteingesessenen Übersetzer nicht demotivieren lässt.
  • Kontakte, Kontakte, Kontakte. Ich habe im letzten Jahr geschätzte 70 Übersetzer kennengelernt und kein Einziger (bis auf ein, zwei Ausnahmen) von denen hat seinen ersten Auftrag über eine klassische Bewerbung beim Verlag bekommen. O-Ton war immer: „ein(e) Freund/Bruder/Schwester/Bennte(r) usw. arbeitet bei einem Verlag, als Lektor oder sonstwas, oder ich habe da zufällig den und den kennengelernt“. Es war meist eine Mischung Zufall, Bekanntschaft und ein wenig Eigeninitiative. Denn Zufälle und Chancen fallen nicht immer vom Himmel herab, man muss vielmehr nach solchen Gelegenheiten suchen. Also auf Literaturveranstaltungen gehen, Seminare besuchen, Stammtische und Ähnliches. Man muss solche Chancen erkenne und dann den Mut haben sie auch zu ergreifen.

Ich habe meinen ersten semi-professionellen Auftrag auch bekommen, weil ich den Verleger bereits durch andere Aktivitäten im SF- und Fantasyfandom kannte. Na ja, nicht direkt den Auftrag, aber die Chance eine Probeübersetzung abzuliefern. Nach der Chance bei den großen und professionellen Verlagen suche ich aber auch immer noch. So etwas braucht meist Zeit und Geduld. Auf Franks Anregung hin, hatte ich angefangen Kleinverlage zu kontaktieren und hatte vor einem Jahr beim Atlantis Verlag (http://atlantisverlag.wordpress.com/) Erfolg. Das ist ein kleiner (aber in der Szene sehr renommierter) Verlag für Science-Fiction, Fantasy und Horror. Als ersten Auftrag habe ich die Novelle „The Cage“ von Brian Keene übersetzt, die Ende November auf Deutsch unter dem Titel „Eingesperrt“(http://www.mallux.de/Freebird-p217h41s28-Eingesperrt-Brian-Ke.html) erscheinen wird. Warum habe ich mich für einen Auftrag entschieden, für den ich nicht viel bezahlt bekommen?

* Vor allem um Erfahrung zu sammeln. Es ist immer gut, wenn man bei Bewerbungen bei Verlagen bereits etwas vorweisen kann. Brian Keene ist ein recht erfolgreicher amerikanischer Horrorautor, dessen längeren Romane bei Heyne erscheinen. Mir hat die Arbeit an der Übersetzung viel Spaß gemacht und ich habe dabei auch viel gelernt. Ich bin sehr gespannt auf die ersten Kritiken (auch wenn es bei einem solchen kleinen Projekt mit einer hundertseitigen Novelle nur wenig Rückmeldung geben wird). In den nächsten Blogeinträgen werde ich etwas genauer auf meine erste Übersetzungsarbeit eingehen und auch kleine Textproben vorstellen. Außerdem wird noch ein Bericht über das Berufskundeseminar für Literaturübersetzer folgen, welches ich gestern besucht habe. *Ergänzung: Ich kenne den Verlag gut und weiß, dass ein solcher Genreverlag, der mehr aus Idealismus und Liebe zur Literatur als aus Profitstreben betrieben wird, keine großen Honorare zahlen kann. Bei den großen und professionellen Verlagen (also denen, die auch gut Geld verdienen) sollte man aber auch als Anfänger darauf achten, dass man anständig bezahlt wird. Auch bekannte Übersetzer arbeiten mal nebenbei für wenig Geld für einen Kleinverlag, wenn ihnen das Projekt am Herzen liegt. So etwas kann man aber nur machen, wenn man es sich auch leisten kann.

2 Gedanken zu “Erste Schritte

  1. Der Autor heißt Keene.
    😉

    Was Markus ansonsten geschrieben hat, ist richtig. In der Tat würden die meisten anderen Übersetzer bei dem vereinbarten Honorar, das zunächst gezahlt wurde, heftig schlucken und ein „h“ hinter das erste „o“ setzen; allerdings beinhaltet der Vertrag zu Klausel, wonach ein Zuschlag bezahlt wird, der sich nach den Verkäufen richtet.
    Bei Übersetzungen ist es natürlich immer schwerer, anders als bei Autoren selbst, etwas über Verkaufszahlen zu sagen – vielleicht kann Markus in einem Jahr aber sagen, im Vergleich zu den Honoraren anderer Übersetzer, in welchem Bereich sich dieser Auftrag unterm Strich bewegt.

  2. Danke für den Hinweis Guido. Wurde verbessert.
    Ja, diesen Zuschlag gibt es normalerweise nicht. Normalerweise erhält ein Übersetzer erst ab 5.000 Verkäufen Tantieme für jedes folgende Buch (wenn ich mich Recht entsinne). Bei manchen Verlagen sollen es sogar 30.000 sein. Selbst bei 5.000 Exemplaren sehen die meisten Übersetzer so gut wie nie Tantiemen. Das müssen dann schon Bestseller in der Größenordnung von Terry Pratchett sein.
    Und wichtig ist auch, die 5000 Grenze gilt nur für die gleiche Ausgabe. Hat man 4999 Hardcover verkauft, beginnt die Taschenbuchausgabe wieder bei 0.

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